Faurndau Ein „Haus des Lebens“ feiert Geburtstag

Eine Pflegedienstmitarbeiterin hilft einem Gast beim Essen. Seit fünf Jahren werden im stationären Hospiz in Faurndau Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet.
Eine Pflegedienstmitarbeiterin hilft einem Gast beim Essen. Seit fünf Jahren werden im stationären Hospiz in Faurndau Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. © Foto: Carlucci
Faurndau / Susann Schönfelder 17.05.2018
Vor fünf Jahren zog der erste Gast ins stationäre Hospiz in Faurndau ein. Das Haus hat sich etabliert, auch dank vieler Ehrenamtlicher und Sponsoren.

Im Jahr 2013 wurde das stationäre Hospiz in Faurndau eröffnet. Der Weg dahin war steinig. Zum einen musste die Finanzierung des Baus gestemmt, zum anderen Bedenkenträger überzeugt werden. Jetzt, fünf Jahre später, hat sich die Einrichtung „zu einem Haus des Lebens und zu einem Haus des Abschiednehmens entwickelt“, das von der Bevölkerung, der Politik, den Kirchen sowie von Medizinern und Pflegekräften eine hohe Anerkennung erfahre, sagt Georg Kolb, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Vereins Hospiz im Landkreis Göppingen. Ein hochqualifiziertes Team und hochmotivierte ehrenamtliche Mitarbeiter leisteten „eine bewundernswerte Arbeit“. Erfreulich sei auch die Spendenbereitschaft, die in den vergangenen Jahren stetig nach oben ging, unterstreicht Kolb und sieht auch die Kontinuität sowohl bei den Mitarbeitern als auch im Vorstand als Grund für den Erfolg.

Verändert habe sich im Laufe der Zeit die Verweildauer der Gäste im stationären Hospiz. Waren es anfangs im Schnitt 5,9 Wochen, sind es jetzt nur noch 4,6 Wochen. „Sich in dieser kurzen Zeit auf die Menschen und ihre Angehörigen einzustellen, ist sehr anspruchsvoll und sehr anstrengend“, macht die Hospizleiterin Marta Alfia deutlich. Die Supervisionen seien daher sehr wichtig: „Wir müssen als Team schon aufeinander achten.“ 18 Pflegedienstmitarbeiter, überwiegend in Teilzeit, zwei Hauswirtschafterinnen, eine FSJlerin und eine Verwaltungsmitarbeiterin sind im Hospiz angestellt.

Die kürzere Verweildauer führt sie darauf zurück, dass schwerkranke Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben wollen, zudem sei die Palliativmedizin an den Klinikstandorten Göppingen und Geislingen gut aufgestellt, fügt Kolb hinzu. Die acht Plätze reichten auf jeden Fall aus, an eine Aufstockung in Faurndau sei nicht gedacht, „um die Atmosphäre hier zu erhalten“, betont der Geschäftsführer. Der Verein habe jedoch die demographische Entwicklung im Landkreis im Blick: „In einigen Jahren wird man mehr Betten brauchen.“ Es gebe daher Gedankenspiele, im oberen Filstal ein zweites stationäres Hospiz zu eröffnen – zumal in den fünf Jahren jede Gemeinde in der Einrichtung vertreten war, außer Drackenstein. 76 Prozent der 353 Gäste in diesem Zeitraum kam aus dem Kreis Göppingen, die restlichen aus den umliegenden Landkreisen und aus Stuttgart.

Drei Partner unter einem Dach

Anrufe von Menschen, die sich einfach erkundigen, bekommt sie sehr viele, sagt Marta Alfia. Das Gute: Da in Faurndau stationäres Hospiz sowie die ambulanten Hospizdienste für Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene unter einem Dach sind, gibt es kurze Wege. „Wir können dann schauen, welches Angebot für die jeweilige Familie am besten passt“, sagt die Hospizleiterin. Birgit Göser, die leitende Koordinatorin des Vereins „Hospizbewegung Kreis Göppingen – Ambulante Dienste für Erwachsene“, nickt zustimmend. „Wenn wir merken, es geht ambulant nicht mehr, bringen wir das stationäre Hospiz ins Spiel.“ Den Verein, der Sterbende ambulant begleitet, gibt es seit nunmehr 25 Jahren. Im Jahr 2017 hat er 70 Menschen zu Hause auf ihrem letzten Weg beigestanden. Drei Hauptamtliche in Teilzeit und 67 Ehrenamtliche, davon neun Trauerbegleiterinnen, kümmern sich um die Sterbenden und ihre Angehörigen.

Karen Straubmüller, leitende Koordinatorin des ambulanten Malteser Kinder- und Jugendhospizdienstes, sieht die Zusammenführung aller Träger unter einem Dach ebenfalls „als Gewinn“. Dieser Dienst begleitet schwerkranke Kinder und Jugendliche, aber auch Kinder und Jugendliche, von denen ein Elternteil schwer erkrankt ist, zu Hause – und zwar ab Diagnosestellung, zum Teil über mehrere Jahre lang. Die Ehrenamtlichen kümmerten sich zudem um die gesunden Geschwister, wenn Eltern mit der Betreuung des schwerkranken Kindes voll ausgelastet sind, erklärt Karen Straubmüller. Die Kindertrauergruppe trifft sich im stationären Hospiz. „Der Park mit dem Spielplatz ist für sie ein richtiges Zuhause geworden“, unterstreicht sie. Bei den Maltesern kümmern sich zwei Hauptamtliche, eine Trauerbegleiterin auf Honorarbasis sowie 26 Ehrenamtliche (davon vier Trauerbegleiterinnen) um die Kinder und Jugendlichen.

Und was wünschen sich die Verantwortlichen für die nächsten fünf Jahre? „Dass die hohe Qualität, die gute Zusammenarbeit und die tiefgehende Unterstützung so bleiben“, sagt der Vereinsvorsitzende Klaus Riegert, der das Faurndauer Haus als „Kompetenzzentrum Hospiz“ bezeichnet. Alle Beteiligten sind dankbar, dass die Hospizarbeit im Landkreis durch das stationäre Hospiz mehr in den Fokus gerückt ist.

Morgen kleine Feier im „Hammerpark“

350 Gäste Am 20. April 2013 wurde das stationäre Hospiz in Faurndau eingeweiht. Am 14. Mai 2013 zog der erste Gast ein. Zwischenzeitlich kamen mehr als 350 Gäste in das Haus und haben hier ihre letzte Lebensphase verbracht.

Feier Morgen, Freitag, ab 15 Uhr will das stationäre Hospiz im „Hammerpark“ (bei schlechtem Wetter in der Villa Hammer) mit Wegbegleitern, Unterstützern und Interessierten zurückblicken, nach vorne schauen und ein bisschen feiern. Das Hospiz bittet um Anmeldung per E-Mail unter info@hospiz-goeppingen.de oder Tel. (07161) 9861910.