Göppingen Horrorladen und Seehotel

Anatol Preissler: Im Frühjahr führt er Regie am Ohnsorg-Theater, im Sommer rufen die Stauferfestspiele Göppingen.
Anatol Preissler: Im Frühjahr führt er Regie am Ohnsorg-Theater, im Sommer rufen die Stauferfestspiele Göppingen.
Göppingen / MARCUS ZECHA 11.02.2012
Eine Operette mit Pep und Augenzwinkern, ohne gleich das ganze Stück durch den Kakao zu ziehen - so stellt sich Anatol Preissler, neuer Regisseur der Stauferfestspiele, das "Weiße Rößl" für Göppingen vor.

Auch wenn Anatol Preissler in Göppingen ein Fremder ist - einen kleinen Heimvorteil genießt der neue Regisseur der Stauferfestspiele doch. "Meine Oma lebt im Salzkammergut", verrät der 35-Jährige schmunzelnd beim "Einstandsbesuch" in der NWZ-Redaktion. Da scheint das "Weiße Rößl", die Operette rund um das berühmte Hotel am Wolfgangsee, für den gebürtigen Wiener prädestiniert zu sein. Denn wie heißt es in einem der vielen Gassenhauer des Singspiels: "Im Salzkammergut, da ka mer gut lustig sein."

Anatol Preissler folgt als Regisseur der Stauferfestspiele Alexander Warmbrunn nach. Der Lindauer Kultur- und Touristikchef hat vor gut zwei Wochen die Regie an der Operetten-Produktion wegen Arbeitsüberlastung abgegeben, bleibt aber Intendant der Festspiele.

Anatol Preissler aus Wien ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Der gebürtige Wiener kann bereits auf die Erfahrung aus gut 30 Theaterproduktionen zurückblicken. Einer der Höhepunkte in seiner noch jungen Karriere ist die künstlerische Leitung der Festspiele Wangen im Allgäu, für die er 2011 ein komplettes Team und zwei Produktionen (Kleists Amphitryon und Pippi Langstrumpf) zusammengestellt hat. Ein weiterer Markstein soll die plattdeutsche Uraufführung des Musicals "Der Kleine Horrorladen" werden, das er im Frühjahr für das neue Ohnsorg-Theater in Hamburg inszenieren wird.

Über die Festspiele Wangen hat Preissler auch seinen Vorgänger Alexander Warmbrunn kennengelernt. Beide haben mit Karel Spanhak den gleichen Bühnenbildner - und schätzen sich gegenseitig. Preissler betont denn auch gleich, er wolle "das Konzept der Stauferfestspiele nicht neu erfinden". Einen Großteil des Ensembles übernimmt er von seinem Vorgänger, was aber nicht heißt, dass er nicht einzelne Sänger mit nach Göppingen bringen wird. Auch beim Inszenierungsstil - opulent, nah am Original, aber mit Witz - wird es wohl keinen Bruch geben.

Gegen eine Aufführung mit Pep und Augenzwinkern hat Preissler nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Eine Band soll das Orchester unterstützen und dem Ganzen Schwung verleihen. "Doch ernste Momente sollte man auch ernst nehmen", meint er - und spricht sich dagegen aus, "im ,Rößl gleich die ganze Geschichte durch den Kakao" zu ziehen. "Die Leute werden sich amüsieren", verspricht der Theatermann, der sich darauf freut, in den nächsten Wochen und Monaten das ganze Team kennenzulernen. Dann wagt Anatol Preissler gleich noch einen Blick in die Ferne: Mittelfristig könne er sich vorstellen, in Göppingen analog zu Wangen als zweites Stück Musiktheater für Kinder anzubieten. Den Nachwuchs ans Theater heranzuführen, das sei eine eminent wichtige Aufgabe, weiß der Sohn eines Theaterleiters und einer Schauspielerin.

Doch dies ist vorerst noch Zukunftsmusik. Anfang August beginnen die Proben für die aktuelle Produktion, Premiere hat das "Weiße Rößl" am 7. September. Am Ende sollen die Besucher etwas mitnehmen, was über den Abend hinausreicht.

Das hofft Anatol Preissler inständig - und verabschiedet sich fürs Erste wieder aus Göppingen. Jetzt warten erstmal andere Aufgaben auf den Wiener, bevor im Sommer Göppingen und das "Rößl" seine ungeteilte Aufmerksamkeit verlangen. Dann will er zeigen, dass man nicht nur im Salzkammergut, sondern auch im Stauferland "gut lustig sein" kann.

Info Karten für die Operette "Im Weißen Rößl" gibt es in Göppingen bei der NWZ-Geschäftsstelle, Telefon: (07161) 2 04-1 19, beim i-Punkt im Rathaus, bei Optik Hasler am Spitalplatz und im Internet unter www.staufer-festspiele.de

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