Kommentar Dirk Hülser: Hoffentlich nur ein Scherz

Göppingen / Dirk Hülser 28.08.2018

Da denken sich Therapeuten eine originelle, friedliche und kreative Form des Protests aus, wollen mit Passanten ins Gespräch kommen und auf ihre missliche Lage aufmerksam machen: schlechte Bezahlung, hohe Kosten für die Ausbildung und in der Folge extremer Nachwuchsmangel. Die Aktion findet bundesweit statt, in 244 Städten schreiben Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten den Hashtag #Therapeutenamlimit auf die Straße. Mit Kreide, wohlgemerkt.

Das ist auch nirgends ein Problem, lediglich die Bayreuther Stadtverwaltung hatte zuvor angeordnet, dass die Schriftzüge wieder entfernt werden müssen. Und was passiert in Göppingen? Zwei Tage nach der Aktion fällt es städtischen Bediensteten ein, die Therapeuten zur Straßenreinigung anrücken zu lassen. Laut Rathaus-Pressestelle sollte nur an einer einzigen Stelle geputzt werden, die Betroffenen berichten hingegen vom Auftrag, Schillerplatz und Bleichstraße zu reinigen. Weil angeblich eine Kehrmaschine trotz Wassereinsatzes die Straßenkreide nicht hatte entfernen können, dies sei ihnen als Grund genannt worden. 

Das lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder es handelt sich um einen Scherz oder die Stadt Göppingen sollte dringend über die Anschaffung neuer Kehrmaschinen nachdenken. Der dritte denkbare Schluss ist hoffentlich völlig abwegig: Dass im Rathaus unfassbare Kleinkariertheit regiert. 

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