Einkaufszentrum Hoffen und Bangen rund ums „Agnes“

Gähnende Leere herrscht derzeit dort, wo das Kaufhof-Parkhaus stand. Die Rohbau-Bauarbeiten fürs neue Einkaufszentrum „Agnes“ sollen aber noch dieses Jahr beginnen.
Gähnende Leere herrscht derzeit dort, wo das Kaufhof-Parkhaus stand. Die Rohbau-Bauarbeiten fürs neue Einkaufszentrum „Agnes“ sollen aber noch dieses Jahr beginnen. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Arnd Woletz 24.07.2018
Frust über die Baustelle und die Parkmisere, aber auch Aufbruchstimmung für die Zeit, wenn die Shopping-Mall fertig ist. Das ist die Gemütslage unter den Geschäftsinhabern in der Bleichstraße.

Wenn  nichts passiert, sind wir bald Geschichte“, sagte am Dienstag  der Pächter des Asia-Restaurants in der Bleichstraße beim Informationstreffen für Anrainer der Großbaustelle. Von der Stadt und dem City-Marketingverein fühlen sich die Einzelhändler und Wirte allein gelassen, das wurde bei dem Treffen deutlich. „Die Stadt tut nur was fürs Zentrum und lässt uns hier im Stich. Wir müssen alles selber machen“, sagte der Gastronom und hofft, dass „Agnes“, wie die Shopping-Mall künftig heißen wird, und die übrigen Geschäfte voneinander profitieren werden. Allerdings forderte er auch ein, dass das Agnes-Management den Ladenbesitzern  nicht die kalte Schulter zeigt, sondern mit ihnen zusammenarbeitet und Aktionen auf die Beine stellt. „Das muss auf jeden Fall passieren“, versprach Andreas Schweickert als Sprecher des Investorenkonsortiums.   Er setzt Hoffnung darauf, dass die lange Zeit vernachlässigte Fußgängerzone aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Ein Wirt pflichtete ihm bei.  Es sei „die letzte Chance, dass die Bleichstraße wieder hoch kommt“. Roland Ströhm, stellvertretender Leiter des städtischen Fachbereichs Tiefbau, Umwelt und Verkehr, verriet, dass es Überlegungen gebe, die ganze Fußgängerzone umzugestalten. „Das ist aber noch nicht ganz sicher.“

Allerdings waren viele der Geschäftsleute bei dem Treffen auch reichlich frustriert. Zum einen, weil sich das Projekt seit vielen Jahren zieht wie Kaugummi und immer wieder neue Zeitpläne  angesetzt wurden. „Das hat auch mir viel zu lange gedauert“, räumte Schweickert ein. Größtes Problem für den Handel sind  derzeit die Parkplätze. Seit das Kaufhof-Parkhaus abgerissen wurde herrscht eklatanter Mangel. Enorme Umsatzeinbußen sind die Folge. Doch weder der  neue Projektleiter Peter Klasen noch Andreas Schweickert wollten sich festlegen, ob „Agnes“ Ende des kommenden Jahres den Verkauf aufnimmt, „Ich glaube eher nicht daran,“ sagte Schweickert. Es könne jedoch durchaus sein, dass das Parkhaus mit 600 Stellplätzen noch vor den Geschäften eröffnet.

Das Gesamtprojekt „Agnes“ sei auf einem guten Weg. 70 Prozent der Flächen seien vermietet. Einen Zeitplan für die anstehenden  Bauarbeiten gibt es auch (siehe Infokasten). „Es geht jetzt voran“, machte Schweickert Mut. Im Herbst sei Grundsteinlegung. „Dann geht der Rohbau schnell.“

Was die Großbaustelle für die Anrainer der Bleichstraße außerdem bedeutet, zeigte die  Frage  einer Teilnehmerin: „Gibt es eine Entschädigung für Lärm, Schmutz und Einnahmeausfälle?“  Andere Händler berichteten von Staubwolken, die sich auf die Auslage legen und nervtötendem Krach beim Abbruch. Andreas Schweickert zeigte Verständnis, sagte aber auch.  „Da müssen wir jetzt durch, damit es nachher schöner ist.“ Im Vergleich zu der bisherigen Situation habe die Blechstraße nach dem Bau eine Riesenchance. Projektleiter Peter Klasen sei nun vor Ort und  werde sich auch um die Anliegen der Anrainer kümmern.

Sorge bereiten manchem Ladeninhaber die Zufahrtsmöglichkeiten während der Bauzeit. Lieferanten hätten für Sperrungen kein Verständnis, hieß es. Projektleiter  Klasen versprach, dass die Zeiten von Vollsperrungen in der Bleichstraße aufs Minimum beschränkt werden. Ganz vermeiden lassen sie sich aber nicht. Und auch in den umliegenden Straßen kann es zu kurzfristigen Sperrungen kommen, „wenn beispielsweise ein Kran aufgestellt wird“, wie Roland Ströhm einräumte. Ansonsten werde sich die schon während des Abbruchs des Frey-Centers bewährte Verkehrsführung nicht ändern.

Bald soll der Rohbau aus der Grube wachsen

Die Baustelle zwischen Bleichstraße wirkt verwaist. Es werde in der Trümmerlandschaft aber durchaus gearbeitet, sagt Projektleiter Peter Klasen. Derzeit werden noch immer die Bohrpfähle gesetzt, die für die Sicherung der  Baugrube nötig sind. Das sei kompliziert weil letingen im Boden liegen und beispielsweise eine Trafostation verlegt wird. Dann beginne die Rückverankerung, die etwa acht bis zehn Wochen dauern wird

Die Rohbauarbeiten für den Neubau werden aber noch in diesem Jahr beginnen, sagte Klasen. 

Das Grundwasser spielt in der Baugrube eine große Rolle. Es habe schon beim alten Frey-Center eine Grundwasserhaltung mit Pumpen gegeben, berichtet der Projektleiter, die werde noch erweitert. Davon völlig unabhängig sei die angepeilte Bohrung eines Sauerwasserbrunnens, der später irgendwann im „Agnes“ öffentlich sprudeln soll.

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