Süßen Hoffen auf einen Investor mit Geld

DANIEL GRUPP 10.08.2012
Völlig überrascht von der Insolvenz der Süßener Kellerbau GmbH war nach eigenen Angaben auch der Betriebsratsvorsitzende Horst Grill.

"Niemand hat etwas geahnt. Das war wie ein Schlag auf den Kopf", schildert Horst Grill den Augenblick, als er am Spätnachmittag am Montag als Vorsitzender des Kellerbau-Betriebsrats über die Insolvenz informiert wurde. Gestern hat sich der zehnköpfige Betriebsrat, darunter drei Vertreter der Ulmer Niederlassung, erstmals mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Pluta getroffen, um die Situation zu beraten. Pluta habe seine Zuversicht wiederholt, dass es weiter gehen werde, er setze darauf, einen Investor zu finden. Grill erwartet nicht, dass die Familie des geschäftsführenden Gesellschafters Dieter Meyer-Keller nach dem Insolvenzverfahren am Ruder bleiben wird. "Aus meiner Sicht sucht Pluta einen Käufer für die Firma." Bei dieser Suche sei es nach Grills Einschätzung hilfreich gewesen, dass der Insolvenzantrag relativ frühzeitig erfolgte, bevor eine Überschuldung der Firma eintreten konnte.

Die Stimmungslage in der Belegschaft deckt laut Grill das gesamte Spektrum von deprimiert über nervös bis zuversichtlich. Obgleich etwa 40 seiner rund 250 Kollegen derzeit im Urlaub seien, nimmt er an, dass alle von der Insolvenz gehört haben. Wer nicht in den Ferien ist, arbeite. Grill, der bei Kellerbau als Polier beschäftigt ist, erwartet, dass spätestens Anfang kommender Woche auf allen Baustellen der Betrieb wieder voll weiter geht. Der Insolvenzverwalter benötige eben eine gewisse Zeit, bis er einen kompletten Überblick hat und alle erforderlichen Gespräche geführt hat. Dann werde auch wieder Beton geliefert werden.

Grill ist 1976 als Lehrling in den Süßener Familienbetrieb eingetreten. Trotz seiner langen Erfahrung mit Kellerbau hatte er die schwierige Situation nicht erwartet. "An Aufträgen mangelt es nicht. Es ist alles furchtbar überraschend gekommen." Er kann auch nicht beurteilen, welche Großprojekte der Firma möglicherweise das Genick gebrochen haben. Das müsse der Insolvenzverwalter durch den Blick in die Bücher klären.

Auch für die Zeit bis zum Jahresende sieht der Betriebsratsvorsitzende genügend Arbeit für die Kellerbau-Belegschaft. Für die nächsten paar Monate seien Aufträge da. Das sei für eine Baufirma eine ganz normale Zeitspanne. Daher hoffen die Arbeitnehmervertreter, dass ein Investor kommt, der Geld mitbringt und "den ganzen Laden mit sämtlichen Arbeitnehmern übernimmt".