Ulm Hirnlastige Farce

Groteske Oper in Ulm: Pathologe Dr. Harvey (Girard Rhoden) will Albert Einsteins Gehirn.
Groteske Oper in Ulm: Pathologe Dr. Harvey (Girard Rhoden) will Albert Einsteins Gehirn. © Foto: Jochen Klenk
Ulm / JÜRGEN KANOLD 03.07.2014
Das Theater Ulm experimentiert mit Oper. Gute Sache. Einstein zeigt aber die Zunge: "Erlöst Albert E." von Gerhard Stäbler und Matthias Kaiser kommt als wortwörtlich hirnlastige Farce mit Musik daher.

Es war in Princeton, New Jersey, als der Pathologe Thomas Harvey am 18. April 1955 auf dem Seziertisch seines Krankenhauses das "Genie des Jahrhunderts" vorfand - als Leichnam. Der Physiker Albert Einstein war im Alter von 76 Jahren gestorben. Todesursache: eine geplatzte Aorta. Doch Harvey interessierte sich für das Gehirn. Er schnitt die zweieinhalb Pfund Nervengewebe aus dem Schädel: Könnte er, Harvey, diesem Organ das Betriebsgeheimnis entlocken? Heimlich präparierte er Einsteins Gehirn, er verteilte es, in rund 200 Würfel geschnitten, auf zwei Einweckgläser. Erst vier Jahrzehnte später gab Harvey sein Raubgut zurück.

Eine kuriose, wahre Geschichte. Für Matthias Kaiser, Operndirektor am Theater Ulm, ist sie der Ausgangspunkt für sein Musiktheater "Erlöst Albert E.", das Gerhard Stäbler avanciert vertonte. Der fiktive Harvey, in krudem Wahnsinn und mit geschmeidig hohem Tenor von Girard Rhoden stark dargestellt, will dann allerdings auch noch die Menschheit retten. Er wirft Einstein vor, sich zum Täter gemacht, Schuld auf sich geladen, die Verantwortung der Wissenschaft ignoriert zu haben.

Albert aber ist trotzdem allgegenwärtig, und zwar doppelt: Die mit Travestien und weiblichen Double-Aufgaben routinierte Christel Mayr agiert in der Sprechrolle, Burkhard Solle geigt den dilettierenden Physiker. Elektroschock-Mähne, Schnauzer, Zunge raus und auch E = mc² - das ist die Klischee-Formel, mit der Philipp Jescheck (Regie), Britta Lammers (Bühne) und Angela C. Schuett (Kostüme) diese Farce antreiben und bebildern. Für Publikum sorgt bereits das Libretto: Als wissenshungriges Auditorium singt der Chor nicht nur, er klatscht, murmelt, schreit laut.

Info Nach der Uraufführung sind nur noch folgende weitere Aufführungen im Großen Haus geplant: heute, am 15. und 18. Juli, jeweils um 20 Uhr. Karte unter Telefon: (0731) 161-44 44 oder www.theater.ulm.de