Göppingen Hier kommt nichts von der Stange

Die Musikschule Ebersbach (hier mit dem Leiter Guntram Bumiller) ist als einziger neuer Bau aus dem Landkreis Göppingen beim Verfahren "Auszeichnung guter Bauten" für den "Hugo Häring-Landespreis" ausgewählt worden.
Die Musikschule Ebersbach (hier mit dem Leiter Guntram Bumiller) ist als einziger neuer Bau aus dem Landkreis Göppingen beim Verfahren "Auszeichnung guter Bauten" für den "Hugo Häring-Landespreis" ausgewählt worden. © Foto: Sabine Ackermann
Göppingen / SWP 05.07.2014
Um Bauen als Funktion und als Bild geht es in der Ausstellung "Ausgezeichnete Architektur", die am Donnerstag in der Kunsthalle Göppingen eröffnet wurde. Gezeigt werden Anwärter auf den "Großen Hugo".

Architektur soll nicht nur funktionieren, wir wollen uns auch an der Schönheit erfreuen, ihre Modernität wertschätzen. Jedes Stadtbild lebt von der Qualität der Architektur. Alle drei Jahre zeichnet der Bund Deutscher Architekten in Baden-Württemberg die beste neue Architektur mit dem Hugo-Häring-Preis aus. Eine Ausstellung in der Kunsthalle Göppingen zeigt seit Donnerstagabend 40 Vorschläge aus den Kreisen Esslingen und Göppingen für "ausgezeichnete Architektur".

Wer diese Auszeichnung (den kleinen Hugo) gewinnt, ist automatisch Anwärter auf den sogenannten "Großen Hugo", der dann im kommenden Jahr landesweit ermittelt wird.

Zu sehen sind sowohl die Pläne als auch das ausgeführte Gebäude. Es zählt der Gesamtentwurf, doch oft haben dabei Details ihre besondere Bedeutung. Einige Bewerber werden für die Idee und die Ausführung mit dem Preis ausgezeichnet. Unter den 40 gezeigten Vorschlägen entdeckt man neben Einfamilienhäusern zum Beispiel auch Verwaltungsgebäude, Kirchen und andere Sakralarchitektur.

Wesentlich ist dabei, dass nichts von der Stange kommt. Jedes Projekt ist vom Bauherrn gewollt und vom Architekten ausgedacht und umgesetzt. Nur ein gutes Zusammenspiel von beiden kann zum Erfolg führen. Ist der Dialog nicht fruchtbar, gibt es einen eher faulen oder langweiligen Kompromiss.

Die Besucher der Ausstellung können die Vorschläge beurteilen. Aus den unterschiedlichsten Projekten können drei ausgewählt werden, die am besten gefallen. Der Bau mit den meisten Stimmen erhält den Publikumspreis. Am 18. Juli werden die Preise der Jury vergeben, dann wird sich zeigen, ob es beim Publikum dieselben oder andere Vorlieben gibt.

Manches werden die Besucher in natura schon kennen. Bei anderen steht die Adresse dabei, und man kann die neue Architektur in Augenschein nehmen.

"Gute Qualität in der Architektur muss nicht laut oder provokant sein", heißt es beim BDA. "Sie wird in Maßlichkeit und Proportionen, der Bildung von Kanten, Linien oder Plätzen sowie der Wahl und dem Einsatz der Baumaterialien auf Vorhandenes angemessen und zeitgemäß reagieren."

Warum stellt die Kunsthalle Göppingen die Arbeiten aus? "Architektur zählt zu den Künsten", antwortet Kunsthallenleiter Werner Meyer. "Sie ist für das Stadtbild verantwortlich. Vor allem ihretwegen fahren wir in andere, deswegen berühmte Städte." Und er stellt die Frage: "Bauen wir heute noch so, dass es sich lohnt hinzufahren?"

Info Öffnungszeiten: Di.-Fr. 13-19 Uhr, Sa., So. und Feiertag 11-19 Uhr und nach Vereinbarung (bis 27. Juli)

Der Hugo-Häring-Preis

Der Preis Seit 1969 wird alle drei Jahre in Baden-Württemberg der renommierte Hugo Häring-Preis des Bundes Deutscher Architekten (BDA) vergeben, der nach dem 1958 in Göppingen gestorbenen Architekten Hugo Häring benannt ist. Die Anerkennung wird dem Bauherrn und dem Architekten für ihr gemeinsames Werk erteilt. Das Verfahren erstreckt sich über zwei Jahre: Die erste Stufe ist die "Hugo Häring-Auszeichnung" mit Vorschlägen aus den 16 Kreisgruppen des BDA Baden-Württembergs. Wer 2015 nach dem "Hugo Häring-Landespreis", salopp "Großer Hugo" genannt, greifen will, muss zuvor diese Hürde des Auswahlverfahrens "Auszeichnung guter Bauten" überwinden.

SWP