Göppingen Hesse gefiel Göppingen nicht

Auf die Spuren Hermann Hesses begaben sich zahlreiche Besucher bei den Stadtgeschichtlichen Erkundungen. Unser Bild zeigt Roland Koos, gekleidet à la Hesse, und Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß im Vordergrund. Foto: Margit Haas
Auf die Spuren Hermann Hesses begaben sich zahlreiche Besucher bei den Stadtgeschichtlichen Erkundungen. Unser Bild zeigt Roland Koos, gekleidet à la Hesse, und Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß im Vordergrund. Foto: Margit Haas
Göppingen / MARGIT HAAS 11.08.2012
Hermann Hesses Göppinger Schulweg lässt sich noch immer genau nachzeichnen. Bei der Stadtgeschichtlichen Erkundung auf seinen Spuren erfuhren die Besucher Interessantes aus Hesses Leben und er kam auch selbst zu Wort.

"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" - die Zeile, die Hermann Hesse in seinem Gedicht "Stufen" formuliert hatte, setzte Roland Koos - gekleidet ganz à la Hesse - an das Ende des Rundganges, der am Mittwochabend bei einer Stadtgeschichtlichen Erkundung den Göppinger Schulweg des vor 50 Jahren verstorbenen Schriftstellers nachzeichnete.

Groß war das Interesse an der vom Geschichts- und Altertumsverein und dem Göppinger Stadtarchiv initiierten Veranstaltung, die an der Lateinschule in der Pfarrstraße begann. Sie hatte Hesse ab 1890 besucht, hatte sich dort beim legendären Rektor Bauer auf das Landexamen vorbereitet. "Der meistgelesene deutsche Schriftsteller", so Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß, "vieles aus seinem eigenen Leben literarisch verarbeitet". Und so taucht auch seine Göppinger Schulzeit immer wieder in seinem Werk auf. Dort war er "von einem Erzieher des ganz großen Stils" auf das "Nadelöhr des Landexamens vorbereitet worden", las Roland Koos aus einem Brief Hesses.

Gemeint war Rektor Bauer, dessen Ruf als Pädagoge weit über Göppingen hinausging und den Hesse als "höchst originellen Schulmeister" bezeichnete. Strafte er doch Schüler als "Stubenhocker", die während der Pause nicht hinausgingen, sondern weiterlernten. Die Besucher erfuhren von Dr. Rueß die unterschiedlichen früheren Schultypen, bevor sie an der nächsten Station, dem Rathaus, etwas über die Freundschaft zwischen Hesse und dem Göppinger Bürgermeister Otto Hartmann erfuhren. Beide hatten im Seminar in Maulbronn eine Stube geteilt. "Hesse blieb im Allgemeinen für sich", zitierte Koos den Jugendfreund. Er habe sich am liebsten mit seiner Geige beschäftigt. Und die Klassenkameraden im Aufsatz weit hinter sich gelassen. Aber: "Er passte schlecht in den damals noch recht rauen Seminarbetrieb".

Hermann Hesse selbst nannte den lebenslangen Freund einen "vorbildlichen Schwaben" mit einem "wachen Sinn für das Schöne in jeder Gestalt". Kurze Zeit vor Hartmanns Tod hatten sich die Freunde im Tessin noch einmal gesehen. Das Haus, in dem Hesse in Pension wohnte, steht nicht mehr.

Die Industriestadt Göppingen gefiel dem gebürtigen Calwer nicht. Er hatte freilich auch einmal gesagt: "Göppingen war nicht schuld, wenn nichts Rechtes aus mir geworden ist".

Info Am kommenden Mittwoch führt Peter Blum durch den Göppinger Bahnhof und sein Umfeld. Treffpunkt ist um 18 Uhr der SchickhardtBrunnen beim Christophsbad.

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