Die Autalhalle in Bad Überkingen war am Freitagabend voll besetzt, die Spannung war mit Händen zu greifen. Kurz vor 23 Uhr war die Sensation perfekt, als die Kreisvorsitzende Nicole Razavi das überraschend deutliche Votum der 503 CDU-Mitglieder bekanntgab, die auf diesem Nominierungsparteitag gültige Stimmen abgegeben hatten. Mit einem Vorsprung von über 100 Stimmen schlug der Newcomer und Herausforderer Hermann Färber (49) den arrivierten, langjährigen Wahlkreissabgeordneten Klaus Riegert (52) aus dem Feld. Nach 20 Jahren als Bundestagsabgeordneter in Bonn und Berlin endet im kommenden Jahr die Parlamentszugehörigkeit des aus Süßen stammenden Kriminaloberkommissars. Um ein Bundestagsmandat wird für die CDU wird im Wahlkreis Göppingen der Landwirtschaftsmeister und langjährige Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Hermann Färber aus Böhmenkirch ins Rennen gehen, der erst seit zwei Jahren CDU-Mitglied ist. In seiner Vorstellungsrede, für die er viel Applaus erntete, empfahl sich Färber als geradliniger und berechenbarer Bürgervertreter, der sich durchsetzen kann und Klartext redet. „Meine Frau, meine Familie und meinen Glauben“ bezeichnete der Katholik Färber als seine Fundamente. Er charakterisierte sich als „bodenständigen Mann mit klaren Wertvorstellungen“. Er will als jemand mit praktischer Lebenserfahrung die Anliegen der Bevölkerung aufgreifen. Und er nimmt für sich in Anspruch: „Ich sage, was ich denke. Und ich tue, was ich sage.“ Färber freute sich über das Wahlergebnis, das er als überraschend großen Vertrauensbeweis wertet. Demgegenüber war Riegert tief enttäuscht. „Der Herrgott hat offenbar andere Pläne mit mir“, sagte er nur gegenüber unserer Zeitung. Razavi gratulierte Färber und sprach Riegert Trost zu: „Das ist sicher einer der schmerzhaftesten Momente für einen Abgeordneten. Aber wir haben alle nur ein Mandat auf Zeit.“