Göppingen / Lilli Ell

Zu seinem jährlichen Herbstkonzert hatte das Göppinger Kammerorchester eingeladen. Zur Aufführung kamen Werke von Muzio Clementi, Franz Anton Hoffmeister und Joseph Haydn.

Clementis Kompositionen finden in den Konzertsälen nach wie vor viel zu wenig Beachtung. In seiner Sinfonie D-Dur setzte sich der erste Satz, das Grave, deutlich ab von den schnelleren Allegro assai, mit ausgefeilter Dynamik setzten die Musiker von Beginn an Akzente und spielten die Passagen kontrastreich. Pointierte Achtel, frisches, exaktes Zusammenspiel und schwingende Rhythmen prägten dieses erste Werk. Wilfried Maier dirigierte, den Musikern zugewandt, das musikalische Geschehen konzentriert im Visier behaltend, und führte sicher über die eine oder andere Klippe.

Im Zentrum des Abends stand der Auftritt von Madeleine Przyby, die in Franz Anton Hoffmeisters „Konzert D-Dur“ als Solistin für Viola auftrat. Die Viola führt eher ein Schattendasein in den Orchestern, sie hat nicht diesen strahlenden Ruf wie die Geige. Aber da sie einen größeren Resonanzkörper als diese hat, ist sie in der Lage, tiefere und wärmere Töne hervorzubringen. Das D-Dur-Konzert zeigt die typischen Charaktereigenschaften der Klassik, besonders was die Struktur, die Stimmungen und die Melodien anbelangt.

Madelein Przyby beherrschte ihr Solo mit warmer Farbgebung, und Orchester sowie Solistin bildeten eine stringente Einheit, die Kadenz atmete Weichheit, und in der Bogenführung lag Zartheit. Das Rondo gelang heiter-beschwingt, die Bläser waren ein zusätzlicher Höhepunkt in diesem Zusammenspiel. Dieses Konzert brachte die warmen Töne im Adagio zur Geltung, und in den virtuosen Passagen konnte die Solistin ihre technischen Fähigkeiten zeigen. Sie arbeitete den Stil dieser Musik, die Wiener Klassik, virtuos heraus. Das Publikum war begeistert von der Musik und der Präsentation dieser sympathischen Künstlerin. Der nicht enden wollende Beifall holte sie viermal auf die Bühne.

Nach der Pause stand Joseph Haydn mit seiner „Sinfonie Nr. 56 C-Dur“ auf dem Programm. Das erweiterte Bläserensemble und das Schlagwerk versprachen zusätzliche Akzente. Diese Sinfonie komponierte Haydn während seiner Anstellung als Kapellmeister beim Fürsten Esterhàzy. So konnten sich die Zuhörer mit dieser heiter tänzerischen Musik in ein rauschendes Fest dieser Zeit hineinversetzt fühlen. Sehr einfühlsam und melodisch präsentierten sich das warmtonige Fagott und die ausdrucksstarken Oboen, die das Geigenspiel ergänzten, die wiederum den Bläsern Struktur gaben. Die wiederkehrenden Räume zwischen Piano und Forte verliehen dem Festlichen wie auch dem Ländlich-Einfachen Ausdruck. In den Tutti-Passagen leuchtete Energisch-Dramatisches im Forte auf, gesanglich-zurückhaltend war das Piano der Streicher. Ein fanfarenartiger Schlussteil schloss den ersten und den letzten Satz ab.

Der langsame Teil, das Adagio, hielt die Oboen und das Fagott durchweg im Vordergrund. Immer wieder kehrende Triolenbewegungen der Bläser im Dialog mit den Streichern sorgten im letzten Satz für Dramatik.

Die etwa 150 Besucher feierten am Ende das Göppinger Kammerorchester, das sich mit einer Zugabe bedankte.

Die Solistin Madeleine Przybyl

Madeleine Przybyl hatte ihren ersten Bratschenunterricht mit fünf Jahren, mit 14 Jahren war sie Jungstudentin an der Musikhochschule Stuttgart. Sie nahm am Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ teil und erhielt etliche Auszeichnungen und Stipendium, unter anderem erste Preise im Fach Viola Solo. Seit 2011 ist sie Solobratschistin im Staatsorchester Stuttgart.