Verschiedene Lebensmittel, Wurst, Fleisch – selbst Haftcreme für die Zahnprothese hat Uwe Riether für seine Kundin besorgt, die er auf 87 Jahre schätzt. „Sie sagte mir genau, was ich in welchem Geschäft einkaufen soll.“ Der Vorsitzende des Süßener Bürgerbusvereins engagiert sich bei „Süßen hilft“. Menschen, die wegen der Corona-Krise derzeit das Haus nicht verlassen wollen oder können, werden weiterhin versorgt. Riether ist im Hauptberuf Fahrer von Reisebussen und hat, wie er am Telefon sagt, derzeit ohnehin wenig zu tun.

Riether gehört zu den etwa 30 Süßenern, die angeboten haben, Einkäufe und Besorgungen zu erledigen. Dadurch sollen Erkrankte und Menschen in Quarantäne unterstützt werden. Es geht aber auch darum, Risikogruppen wie ältere Mitbürger zu schützen. „Derzeit sind es vor allem ältere, die sagen, sie wollen nicht rausgehen“, erläutert Bürgermeister Marc Kersting. Diese erwünschte Vorsicht wollen die Helfer unterstützen.

Der Bedarf an Hilfe hält sich noch in Grenzen

Bisher sei die Nachfrage noch relativ gering, berichtet der Bürgermeister. Die meisten Hilfen funktionierten über die kurzen Wege der Nachbarschaft. Das sehe er in der eigenen Straße. Wenn dann die Fallzahlen steigen und mehr Menschen in Quarantäne müssen, dürfte das Netzwerk weiter an Bedeutung gewinnen. Kersting ist sich sicher, dass bei Bedarf auch die Zahl der Helfer wächst. So habe sich schon ein Verein angeboten, seine Mitglieder zu mobilisieren.

„Lieber 10 Hilfsbedürftige und 60 Helfer als umgekehrt“, sagt Philipp Stolz, der sich im Salacher Rathaus zusammen mit Irmgard Ehlers um das Hilfsnetzwerk kümmert. 50 bis 60 Personen stünden bereit, darunter auch die Pfadfinder. Wie in Süßen werde auch in Salach noch viel Unterstützung über die Nachbarschaft organisiert. Die Anfrage bei der Gemeinde schätzte er zu Beginn der Woche noch im einstelligen Bereich ein. Um zu vermeiden, dass die Helfer in den Verdacht des Hamsterns geraten, wenn sie große Mengen kaufen, stellt ihnen die Gemeinde Einkaufsausweise aus, berichtet Stolz.

Die Kommunen erfahren vom Gesundheitsamt, wenn Einwohner positiv auf das Virus getestet wurden. Dann ordne die Gemeinde die Quarantäne an und könne auch Hilfe organisieren, berichtet Christina Russ, die in Salach den Bürgerservice leitet. Etwa zehn Salacher seien positiv getestet, drei dürften es schon hinter sich haben, sagt Russ.

Sorge um Gaststätten und Einzelhandel in Salach und Süßen

In Süßen seien etwa 20 Personen mit Corona-Nachweis in Quarantäne. Hinzu kommen noch die Kontaktpersonen der Infizierten, die sich isolieren müssen, erläutert Bürgermeister Kersting. Es gebe auch Süßener, die als geheilt gelten. Der Bürgermeister hat im Übrigen den Eindruck, dass sich die Süßener an die Ausgangsbeschränkungen halten. „Die Familien gehen spazieren“. Das sei auch gut so: „Die Kinder brauchen frische Luft“ und nicht jeder habe einen großen Garten. Wie Philipp Stolz in Salach, der auch für die Wirtschaftsförderung zuständig ist, sorgt sich Kersting um die Zukunft der örtlichen Geschäftswelt. Beide hoffen, dass die Bürger solidarisch sind und den lokalen Händlern und Gastronomen treu bleiben, Gutscheine kaufen oder deren Onlineangebote nutzen.

Uwe Riether von „Süßen hilft“ kauft vor Ort ein und liefert mit Mundschutz und Handschuhen an die Haustür. Er sehe immer noch viele ältere Leute, die selber einkaufen: „Ich wünsche mir, dass das Hilfsangebot noch stärker in Anspruch genommen wird.“

Info In Süßen ist Carmela Varga Ansprechpartnerin des Hilfsnetzwerks. Sie kann unter (07162) 9616-11 erreicht werden. In Salach vermitteln Irmgard Ehlers, (07162) 4008-33, und Philipp Stolz, (07162) 4008-12, Unterstützung.