Schule Heftige Kritik am Auftritt des Rappers Kilez More in der Waldorfschule

Kilez More erreicht seine Anhänger vor allem über das Internet – und kommt nun in die Waldorfschule.
Kilez More erreicht seine Anhänger vor allem über das Internet – und kommt nun in die Waldorfschule. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen. / DIRK HÜLSER 16.07.2015
Nachdem der Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen von der Faurndauer Waldorfschule ausgeladen wurde, warnt nun die Landeszentrale für politische Bildung vor einem weiteren Gast: dem Rapper Kilez More.
Wenn am Montag die dreitägigen Projekttage in der Freien Waldorfschule Filstal beginnen, ist auch der selbsternannte „Systemfeind“ und Verschwörungstheoretiker Kilez More aus Wien dabei. Der Rapper leugnet in seinen Songs den Klimawandel und behauptet, die Menschheit werde durch sogenannte „Chemtrails“ aus Flugzeugen vergiftet. Zudem seien die Medien durch und durch manipuliert. In der Waldorfschule spricht er zum Thema „Pressefreiheit?“.

Zu der von Schülern organisierten Veranstaltung war auch der bekannte Verschwörungstheoretiker und 2011 vom öffentlich-rechtlichen RBB gefeuerte Radiomoderator Ken Jebsen eingeladen gewesen, nach Kritik von verschiedenen Seiten ist er auf Geheiß der Schule wieder ausgeladen worden.

Kilez More war auch 2014 bei der vom amerikanischen Heartland Institute organisierten Konferenz der Klimaskeptiker in Las Vegas – die Negierung des Klimawandels ist eine der Hauptaktivitäten der Non-Profit-Organisation. Sie machte aber auch in den 1990ern Schlagzeilen, als sie einem Tabakkonzern dabei half, Belege zu sammeln, dass Passivrauchen angeblich nicht gesundheitsschädlich sei.

Der österreichische Musiker bewegt sich regelmäßig im Umfeld der sogenannten „Montagsdemos“ von Verschwörtungstheoretikern wie Ken Jebsen oder Lars Mährholz. Er schreckt auch vor KZ-Vergleichen nicht zurück: „Sie versetzen unser Wasser mit demselben wie die Pasta/was die Menschen wieder krank macht, denn sie fressen diesen Abfall/im KZ war dies schon Machart und auch jetzt das ist unfassbar“, heißt es etwa im Song „Können wir das zulassen?“

Die jugendliche Zielgruppe spricht er direkt an: „Ich mach die Musik/Hoff du wirst dadurch aktiv in jedem Part, den ich schrieb/Ist das Handlungsmotiv gleich, dass du erwachst und dann siehst/Wir brauchen dich, denn wir erringen nur zusammen den Sieg.“

Entsetzen bei der Landeszentrale für politische Bildung

Die Fachreferentin Jugend und Politik der Landeszentrale für politische Bildung, Angelika Barth, ist entsetzt, dass Kilez More in der Schule seine Thesen verbreiten darf: „Da kann man nur hoffen, dass das sehr gefestigte Jugendliche sind, die das gleich wieder abhaken.“ Barth betont mit Blick auf More: „Das können solche Personen hervorragend: einfache Erklärungen finden für eine komplexe Welt.“

Schule müsse aber allen Meinungen ein Forum bieten, alle Seiten müssen gehört werden – so lautet ein Vorwurf der Jebsen- und More-Anhänger. Das sieht Barth anders: „Ich finde es schwierig, solchen Menschen eine Bühne zu bieten, zumal das jugendliche Publikum allgemein sehr empfänglich ist für alles Geheimnisvolle.“

Sie fordert: „Von schulischer Seite aus müsste die Zeit der Vor- und Nachbereitung mindestens so groß sein, wie More sich ausbreiten darf. Denn diese Personen wissen ja, wie sie sich verhalten, er hat freies Schussfeld.“

Barth verweist auf Parallelen zu Methoden, wie Terroristen rekrutiert werden, betont aber ausdrücklich, dass sie More inhaltlich nicht auch nur ansatzweise in die Nähe des Islamischen Staats (IS) rücken möchte. „Aber wenn wir uns alle wundern, warum der IS so erfolgreich ist beim Rekrutieren – das sind die gleichen Mechanismen.“ Sie meint, auch die Botschaft des IS sei letztlich eine große Verschwörungstheorie.

Mehr Reflexion seitens des Kollegiums

Barth berichtet, dass sie gerade eine Workshopreihe an Berufsschulen zum Thema Verschwörungstheorien organisiert. „Wir erklären, was das ist, laden aber natürlich keinen Verschwörungstheoretiker ein.“ Aber es sei nun mal ein Thema unter Schülern – „und das kann man nicht ignorieren, sonst wird es ja immer interessanter“. Sie wünscht sich, dass seitens des Kollegiums mehr reflektiert wird: „Da muss man sich als Lehrer ein bisschen mit auseinandersetzen, auch wenn’s mühsam ist.“

Kilez More und die Waldorfpädagogik – das ist nicht ganz neu: Das Online-Portal der Zeitschrift „Erziehungskunst. Waldorfpädagogik heute“ berichtete 2014 in einem großen Porträt über einen Adelberger Schüler der Freien Waldorfschule Filstal, der in seiner Freizeit Filme dreht: „Es lohnt sich für den Vegetarier und Massentierhaltungsgegner, gut vernetzt zu sein und so etwa in Kontakt mit dem Wiener Rapmusiker Kilez More zu kommen. Zu dessen Lied ,Die Welt von morgen’ produzierte er das Musikvideo.“

Das Ganze offenbar auch mit Unterstützung seiner Heimatgemeinde, die Zeitschrift schreibt weiter: „Zum Set fährt er im Gemeindeauto seines schwäbischen Heimatdorfes Adelberg, das ihm die Bürgermeisterin wochenends kostenlos zur Verfügung stellt.“ Dieser Schüler hatte im Uditorium für den Vortrag von Ken Jebsen einen Saal reserviert.

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