Göppingen Haus der Familie: Ilse Birzele verabschiedet sich

Das Team der Villa Butz verabschiedete sich von Ilse Birzele (Mitte) mit Versen, Gedichten und dem Lied: „Nach 33 Jahren“. Es regnete an diesem Abend auch jede Menge Rosen.
Das Team der Villa Butz verabschiedete sich von Ilse Birzele (Mitte) mit Versen, Gedichten und dem Lied: „Nach 33 Jahren“. Es regnete an diesem Abend auch jede Menge Rosen. © Foto: Carlucci
Göppingen / Peter Buyer 03.12.2018
Ilse Birzele hört tatsächlich auf. Jetzt wurde die langjährige Vorsitzende des Trägervereins der Göppinger Villa Butz offiziell verabschiedet.

Das Haus der Familie ohne Ilse Birzele? Unvorstellbar. Und doch, am Freitag wurde die Vereinschefin verabschiedet – nach 33 Jahren. Mit ganz viel Lob, reichlich Rosen und herzlichen Umarmungen. Die herrschaftlichen Räume im Hochparterre der Villa Butz waren proppenvoll mit Weggefährten, Freunden, Mitarbeiterinnen, Kommunalpolitikern und Laudatoren. Die standen hinterm schwarzen Mikro Schlange, wie es sich für einen ordentlichen Abschied gehört.

Den Anfang macht Ulrich Drechsel, zweiter Vorsitzender des Trägervereins des Hauses der Familie. Er sagt, was alle Zuhörer denken: „Es endet die Ära Ilse Birzele.“ Sie hat das Haus der Familie zu einer festen Größe und „vielleicht wichtigsten Bildungseinrichtung für Familien in Göppingen gemacht“. Und zwar so: mit ihrer herzlichen Art, Optimismus, mit Effizienz und Überzeugungskraft. Denn: „Niemand kann sich ihrer Umarmung wirklich entziehen.“ Drechsel auch nicht, er reicht Birzele eine Rose zum Abschied – „sie mag so gerne Rosen“ – und wird geherzt.

Der OB verneigt sich

Der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till erinnert daran, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen – eins der großen Themen Birzeles – immer noch nicht geschafft ist. Dann wendet er sich direkt an Ilse Birzele: „Was Sie im sozialen Bereich geleistet haben, sucht seines-, ich meine natürlich ihresgleichen.“ Während seiner Rede bollern Kinder durch die obere Etage der Villa, die Decke wackelt, der OB erinnert daran, was er nach einer allerersten Begegnung mit Birzele in der Villa Butz dachte: „Wie kann ein Mensch so warmherzig sein?“ Er verneigt sich, „Worte allein reichen nicht aus“, sagt er und überreicht eine schön gerahmte Ansicht des Hohenstaufen.

Auch für Birzeles Nachfolger Günter Roos hat der OB etwas dabei, einen Kalender von Harald Immig. Also auch etwas vom Hohenstaufen. Roos hat den Vereinsvorsitz Ende September von Birzele übernommen und ist dem OB und vielen anderen in der Stadt als kürzlich pensionierter Direktor des Freihof-Gymnasiums wohlbekannt. „Auf gute Zusammenarbeit“, hofft der Rathauschef, bekommt dafür zwar weder Umarmung noch Küsschen von Roos, aber einen herzlichen Handschlag.

Große Fußstapfen hinterlassen

Rudolf Dangelmayr, Jugend- und Sozialdezernent beim Landkreis, wünscht Roos eine „glückliche Hand, Sie treten in große Fußstapfen“. Er schaut auf Roos‘ braune Schuhe, die deutlich größer als die schwarzen von Birzele sind, grinst und erinnert noch an Birzeles Talent, Geld für die Villa Butz einzutreiben.

Dekan Rolf Ulmer dankt Ilse Birzele, „dem Gesicht des Hauses“, für ihr „Groß-Engagement“. Mit der Villa Butz habe man in Göppingen etwas, was in anderen Städten nicht selbstverständlich ist. Dann wendet er sich an Roos: „Ihre Vorgängerin hat Maßstäbe gesetzt, umso dankbarer bin ich, dass Sie das Amt übernehmen.“ Ulmer wünscht sich, dass Roos die Hemmschwelle für Männer senkt, die Angebote der Villa Butz zu nutzen. Dann gibt es Umarmungen, natürlich mit Ilse Birzele, aber auch Günter Roos wird geherzt.

Zeiten werden „roosig“

Nach so viel Lob und Rede wollen die Mitarbeiterinnen der Villa Butz ihrer Chefin anders danken, sie tun es mit Versen, Gedichten und dem Lied: „Nach 33 Jahren“, das hat auch Udo Jürgens schon mal gesungen, bei ihm hieß es „Mit 66 Jahren“. 33 Jahre Zeit für die Villa Butz wünschen sie auch Günter Roos. „Das werde ich nicht schaffen“, sagt Roos, der in 33 Jahren schon satt in den Neunzigern ist. Die Zeiten werden trotzdem „roosig“, glauben die Mitarbeiterinnen, und dann bekommt auch Roos eine Rose – eine rote.

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