Schon 66 Fälle von Hantafieber waren für den Kreis Göppingen im Jahr 2019 zum Stichtag 12. November zu verzeichnen, teilt Pressesprecherin Lisa Schlager vom Regierungspräsidium Stuttgart auf Anfrage mit.

Statistisch hatte das Landesgesundheitsamt für das laufende Jahr im Kreisgebiet 46,4 Erkrankungen vorhergesagt. Eine Prognose, die nicht erst mit den jüngsten Fällen beim Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen negativ übertroffen wurde. Im Vergleich zu 2018 haben sich die gefährlichen Infektionen laut Gesundheitsamt von 8 auf 66 nahezu verneunfacht. Allerdings hatte es auch 2017 mit 71 Fällen schon eine ähnliche Epidemie gegeben wie derzeit. Die stärkere oder schwächere Ausbreitung der Viren hat mit den Überwinterungsbedingungen der Rötelmaus zu tun, von der die Krankheit durch den Kot übertragen wird.

Schwerpunkt Baden-Württemberg

In Deutschland liegt der geografische Schwerpunkt klar in Baden-Württemberg, und zwar besonders in Regionen mit Buchenwäldern, wie sie auf der Schwäbischen Alb existieren. Der Hanta-Erreger ist im Übrigen mit dem Ebola-Virus verwandt und verursacht ebenso wie dieser ein so genanntes hämorrhagisches Fieber. Krankheiten dieser Gruppe, zu denen unter anderem auch das Lassa- oder das MarburgFieber gehören, beginnen zunächst ähnlich wie eine Grippe können dann aber zu inneren Blutungen und Organversagen führen.

Wie Ebola attackiert das Virus die Organe

Beim Hantafieber sind in Deutschland in der Regel die Nieren betroffen. Bei korrekter Behandlung liegt die Sterblichkeit in Europa und Asien laut medizinischen Internet-Quellen maximal zwischen 2 und 5 Prozent. Greift das Virus auf die Lunge über oder sind südamerikanische Varianten (“Andes-Fieber“) die Ursache, dann stehen die Überlebenschancen schlechter. Das in Afrika von Dschungeltieren übertragene Ebola ist hingegen noch viel aggressiver und verläuft zu 70 bis 90 Prozent tödlich.

Kreis Göppingen

Auf keinen Fall den Staubsauger verwenden!

Zum Schutz vor Hanta-Infektionen empfiehlt die Charité Berlin laut Ärztezeitung unterdessen, Lebensmittel für Mäuse und Ratten unzugänglich aufzubewahren, Abfall in verschließbare Mülleimer zu geben, Ritzen und Fugen mit Stahlwolle oder Beton abzudichten. Auch sollte man Schlagfallen mit Ködern wie Pumpernickel, Käse, Rosinen und Nutella befüllen oder auch einen professionellen Schädlingsbekämpfer sowie das Gesundheitsamt hinzuziehen.

Tote Mäuse mit Handschuhen in eine Plastiktüte geben und diese zuknoten, potenziell verseuchte Flächen sorgfältig reinigen. Beim Ausputzen ist das Aufwirbeln von Staub durch Befeuchten zu minimieren. Keinen Staubsauger verwenden, weil Viren über die Abluft abgegeben werden! Gummihandschuhe und Mund-Nasen-Schutz sowie gründliches Händewaschen ergänzen die Vorkehrungen.