Gleich auf den ersten Blick dachte er: „Die ist ­meine“, verrät Hans ­Gallo mit verschmitztem Lachen.

Immer wieder zog es ihn in das kleine Lebensmittelgeschäft, in dem die hübsche, allerdings damals etwas schüchterne junge Frau hinter der Ladentheke stand. Über sechs Jahrzehnte ist das her, als sie sich in Radowenz (Radvanice) im Landkreis Trautenau (Trutnov) kennenlernten.

Margarete Gallo stammt aus dem Sudetenland, ihr Mann Hans Gallo, der seine Wurzeln in Ungarn hat, arbeitete dort als Bergbauingieneur in der ostböhmischen Kohlegrube Katerina, später auch als Joachimsthaler Uranbergwerke bekannt.

Neben vielem, haben ihm insbesondere ihre schönen schwarzen Zöpfe gefallen, erinnert sich der 81-Jährige, der als Obersteiger seinen „Schwiegervater in spe“ quasi unter Tage kennenlernte. Zwei Meter hoch lag der Schnee, als sich das Brautpaar dann am 21. Dezember 1957 um 11 Uhr im Standesamt und drei Stunden später vor Gott das „Ja-Wort“ gab.

1958 und 1959 kamen ihre Söhne Hans und Peter zur Welt, beide schenkten ihren Eltern je ein Enkelkind, heute mit 28 Jahren längst erwachsen. 1969 kam die kleine Familie ins Auffanglager nach Jebenhausen, von dort ging es zwei Jahre später nach Bartenbach und seit 1994 leben sie in Göppingen. „Der Hohenstaufen hat uns gleich gefallen, die Gegend ähnelt unserer Heimat“, bestätigt das Jubelpaar.

Gemeinsam in den Ruhestand

Da Hans Gallo „als eigener Chef“ im ganzen Kreis Gasleitungen vermessen und verlegt hat, kennt er die Gegend wie seine Westentasche. „Ist das nicht?“, wird sich vielleicht der ein oder andere Leser fragen, dem Margarete Gallo bekannt vorkommt. Knapp ein Vierteljahrhundert war die heute 80-Jährige in verschiedenen Abteilungen im Kaufhof für die Kundschaft zuständig, im Jahr 2000 ging das Ehepaar gemeinsam in den Ruhestand. Seitdem verreisen sie gerne mit ihrem Wohnmobil, verbringen jährlich viel Zeit in Spanien oder freuen sich über einen Abstecher nach Ungarn. „Dann koche ich und sie wäscht ab“, erzählt der Jubilar. Gemeinsam wandern, Radfahren oder den Frisch-Auf-Frauen sowohl beim Training, als auch bei Spielen zuzugucken, langweilig wird’s im Hause Gallo nie.

„Ich habe keine linke Hand“, betont Hans Gallo, der häufig am Computer sitzt und da zuweilen hunderte Meter von Schmalfilm-Format „Super 8“ digitalisiert.

Politisch interessiert zeigt sich seine Frau, schaut gerne den Presseclub oder Polittalkerin Anne Will und liest wie ihr Mann die Tageszeitung. Und soll es mal entspannter zugehen, dann strickt sie Socken. Gab es an ihrer Hochzeit Sauerbraten, Kartoffelsalat und Knödel, organisiert 60 Jahre später einer ihrer Söhne den Festtag. Das Geheimnis ihrer guten Ehe sieht das unternehmungslustige Jubelpaar im fortwährenden „Geben und Nehmen“, im Zusammenhalt der Familie und einer guten Prise Humor.

Infokasten


34 Zeilen