Hans Liberg über Humor, Musik und das Publikum

"Ick Hans Liberg" heißen sein Buch und sein Programm, mit dem er das Publikum zum Lachen bringt.
"Ick Hans Liberg" heißen sein Buch und sein Programm, mit dem er das Publikum zum Lachen bringt.
Sabine Ackermann 12.10.2013
"Ick Hans Liberg" heißen sein Buch und sein Programm, mit dem er das Publikum zum Lachen bringt. Der niederländische Musikkabarettist spielt diverse Instrumente und tritt in verschiedenen Ländern auf. Im Interview sprach er über den "Ritter des Ordens vom Niederländischen Löwen.

Herr Liberg, man kennt Sie als Musik-Comedian oder als Klavierkomiker, spielt der Humor privat auch eine so große Rolle?

HANS LIBERG: Natürlich. Humor ist sehr wichtig und man braucht ihn, weil das tägliche Leben nicht nur aus Arbeiten und Essen besteht. Außerdem hat Humor auch was Ernsthaftes und er macht die Menschen gutherzig und human. Den Humor habe ich von meiner Mutter. Kam früher Besuch zu uns, machte sie immer ihre Witze. Das ist also genetisch, das hat man einfach drin und man kann mit ihm über sich selbst hinauswachsen. Musik und Instrumente zu spielen muss man dagegen jahrelang lernen. Aber es ist doch schön, wenn ein lockerer Holländer mit Stil Humor und Musik verbindet.

Bis auf den Fußball, stehen Holländer bei uns ja hoch im Kurs, werden gern gesehen.

LIBERG: Ob einst Rudi Carell, Linda de Mol oder auch ich, wir fühlen uns hier wohl, weil wir mehr gefeiert werden, insofern kann man stolz auf das Geschaffte sein. In unserer Heimat dagegen, wird mehr gemeckert.

Also, zünden Ihre Witze mehr in Deutschland?

LIBERG: Hey, das ist interessant in Deutschland zu spielen. Die Deutschen haben ein größeres Musikwissen, die Pointen kommen besser an, weil sie mehr von Musik verstehen und diese auch genießen. Außerdem reagieren sie heftiger, klatschen länger. Bei uns in Holland wird auch gelacht, doch hier brüllen sie sogar wenn etwas gut ankommt. Man spürt: Musik ist ihnen einfach wichtig. Mein Auftrag ist es dafür zu sorgen, dass sich das Publikum gut amüsiert. Die Holländer haben die Mentalität, viel zu improvisieren, auch in mehreren Sprachen. Wir sind mehr so die Psychologen, wir reagieren auf dass, was die Leute sagen und warten ab, was dann passiert. Die Deutschen sind mehr Philosophen, die haben eine Idee und die wird dann auch umgesetzt. Mentale Unterschiede eben.

Wenn wir gerade beim Trennen sind, wo sehen Sie sich - mehr bei der U- oder E-Musik?

LIBERG: Überall. Praktisch ein Parforceritt durch Pop, Jazz, Swing, Klassik - einfach jede Art von Musik, die es gibt. Von der Liberg-Seite gibt es viele, die mit Musik zu tun hatten. Meine Tante komponierte ganz romantische Lieder, leider ist sie schon mit 16 verstorben. Meine Großmutter, übrigens eine Deutsche, spielte auf dem Klavier eher die klassischen Stücke und meine Eltern standen mehr auf Glenn Miller, Andrew-Sisters aus unserer Musikbox oder hörten deutsche Lieder und Popmusik aus dem Radio. Damals habe ich viel mitgenommen. Wir hatten drei, vier Sender, aber Klassik machte meine Mutter nie an. Sie war der Ansicht, das sei eher für die Kirche. Erst später habe ich Klassik praktisch für mich entdeckt, hatte privaten Musikunterricht. Ich wollte wissen was sie ablehnt, schließlich kann man nichts ablehnen, bevor man es gehört hat. Insofern habe ich von beiden Seiten etwas. Mozart hat ja auch Volksmusik gehört.

Wann haben Sie entdeckt, dass man mit Musik Menschen zum Lachen bringen kann?

LIBERG: Recht früh. Als Achtjähriger bei einem Schulauftritt. Den verhaute ich ein wenig, einige Eltern grinsten deswegen. Doch als ich mich völlig selbstbewusst großartig dazu verbeugte, klatschte und tobte der ganze Saal. Das erzählte mir meine Mutter häufig. Ja und dann mit 25 nach meinem Musikwissenschaftsstudium begann ich Show zu machen.

Sie spielen ja nicht nur eine Vielzahl an Instrumenten . . .

LIBERG: Alles halb so wild. In meinen Programmen wird vieles nur angespielt und klingt dann, als hätte man es gelernt. Kann man ganz ordentlich Klavier spielen, klappt es auch mit anderen Tasteninstrumenten. Dasselbe gilt für Trompete, Posaune oder Querflöte, das sind Familieninstrumente zu Alphorn oder Saxofon. Ich imitiere da ein bisschen den Stil von Miles Davis III., der für seine Improvisationen mit wenigen, lang anhaltenden Tönen bekannt war. Beherrscht man die Gitarre, ist das Spiel auf der Mandoline, Balalaika oder dem Banjo viel einfacher. Vieles bringe ich mir für meine Show selbst bei. Und es klingt doch toll, wenn man sagen kann: Ich spiele über 80 Instrumente. (Lacht.)

Und treffen außer in Holland auch den humoristischen Nerv in Deutschland, England und Frankreich - das muss doch anstrengend sein?

LIBERG: Da ich Profi bin, arbeite ich mich in jeder Sprache speziell ein. Auch wenn man nicht überall jedes Lied kennt, eine Sache ähnelt sich immer: Das Publikum reagiert stark auf Musik in Verbindung mit Erotik, besonders die Deutschen.

Inwiefern Erotik? Vorwiegend spinnen Sie doch aus gängigen Klassik-Titeln von Bach, Beethoven und Co. bekannte Kinderlieder, Klingeltöne, Volksmusik, Schlager oder Melodien aus Werbung und Serien?

LIBERG: Da wir diese Genres alle schon ausprobierten, versuchte ich es mal mit Ballermann-Hits und versauten Liedern. Das ging vor allem dem deutschen Publikum zu weit. Ob Ravels Bolero in meiner Schlafzimmer-Hitparade oder der große Mozart, der mit Verlaub, eine kleine Drecksau war. Von ihm gibt es einen Kanon der heißt "Leck mich im Arsch", nicht am, sondern wirklich im. Aber wunderschön gesungen, Mozart hat auch den Text dazu geschrieben. Bis 1991 wurde dieses Lied sogar verneint . . . das kann doch nicht wahr sein. Aber es ist so. Musik handelt nicht immer von freundlichen oder anständigen Sachen. Mal hat sie mit Gewalt, Sex oder Revolution zu tun und ist nicht immer angenehm, nur weil ein klassischer Komponist dahintersteckt.

Nun, bei uns schlägt ja gerade Heino über die Stränge . . .

LIBERG: (Lacht.) Ja, der wird gefeiert. Und das merkt man in Deutschland. Wenn ein Künstler was gut kann, dann bekommt er Respekt und das Publikum verfolgt sein Tun über Jahre. Das ist in Holland nicht so, die Promis werden da schneller weggeschmissen, Ausnahme natürlich der Jopi. In Deutschland gibt es noch viele alte Haudegen so wie Udo Jürgens, Peter Kraus oder Roberto Blanco. Ich habe ein Haus am Timmendorfer Strand an der Ostsee, da singt der Blanco jeden Sommer. Das ist doch super.

Dafür treten große Künstler wie Sie vor der Königin auf und erhalten eine Auszeichnung. Oder gewinnen einen Emmy Award. Hat man trotzdem noch Träume?

LIBERG: Natürlich war es für mich eine große Ehre, von der Königin Beatrix zum Ritter des Ordens vom Niederländischen Löwen geschlagen zu werden. Das ist bei uns die höchste Auszeichnung und die bekommt man nur, wenn man im Ausland spielt. Gleichfalls stolz bin ich, als bisher einziger Komiker im Goldenen Saal des Musikvereins Wien gespielt zu haben. Wenn es passiert, ist es schön. Trotzdem träume ich nach fast 35 Jahren Bühnenerfahrung gar nicht von so speziellen Sachen, vielmehr sind es die einfachen Dinge, die mich glücklich machen. Schreibe ich etwas Neues für meine Show, fühle ich mich trotz der fast 60 jung und das gibt mir ein gutes Gefühl. (Lacht.)

Damals war es ja noch Beatrix, mussten Sie vor ihr niederknien?

LIBERG: Man muss mit der Königin schlafen und man muss zwei Nächte bleiben. Und wenn es dann gefällt, kriegst du diesen Orden. (Lacht.) Nein, so geht das natürlich nicht. Das kommt plötzlich aus der Luft. Am Königinnentag, am 30. April, da war auch mein Jubiläum und dann wirst du vom Bürgermeister dafür ausgewählt. Schon als ich bei ihrem Thronjubiläum gespielt habe, merkte ich, Beatrix selbst ist formell und sehr korrekt. Zu Prinz Claus war das Verhältnis viel persönlicher, er hat sich gerne mit mir über Musik unterhalten. Am herzlichsten ist das Verhältnis zu Maxima, die immer wieder gerne in meine Show kommt. Ob auch als Königin? Man wird sehen.

Woher kommen die Ideen zu Ihrem Bühnenprogramm?

LIBERG: Wir Kabarettisten finden das überall, am häufigsten inspiriert uns der ganz normale Alltag. Unerschöpflich das Fernsehen wie Serien, Werbung, aber auch Nachrichten oder Musiksendungen, besonders André Rieu ist so ein Phänomen. Ein Geiger, der den Wiener Walzer so populär wie das Golfspielen gemacht hat. Das hat mit sozialem Aufstieg zu tun, Einst elitärer Sport, spielt jetzt jeder Golf und jeder geht zu Rieu. Und wenn ich mit meinem Kahlkopf meine imaginäre Haarpracht elegant nach hinten werfe, ist das keinesfalls aggressiv gemeint. Er macht eben Musik - auf eine spezielle Art und Weise und ich bin Satiriker und muss das auf meine Weise behandeln. Oder Politiker. Immerhin gab es ja in Deutschland mit Helmut Schmidt einen Bundeskanzler, der ganz beachtlich Klavier spielte, wie auch Karl Theodor zu Guttenberg. Ich überlege dann, welche Musik passt zu welchem Politiker und bringe Bildmontagen von Westerwelle als Schubert, Angela Merkel als Bach oder Philipp Rösler als Mao, wozu ich dann chinesische Musik spiele. Da erzählt die Musik.

Beschweren sich eigentlich noch Leute darüber, dass die Stücke nur kurz angespielt werden, um hinterher eine komische Nummer daraus zu machen?

LIBERG: Diejenigen, die mich und mein Programm nicht kennen, erwarten, dass ich die Lieder ausspiele und nicht verändere. Aber das ist ein anderer Beruf. Wenn ich ein Stück länger als eineinhalb Minuten präsentiere, dann ist es ja ein Konzert. Dann merkt man sofort: Es ist eine andere Spannung, das Publikum ruht sich aus. Das ist nicht, was ich will, denn dann ist es kein Humor mehr. Außerdem kann das Lang Lang besser. (Lacht.)

"Ick, Hans Liberg", Programm und Buch klingen wie eine Biografie.

LIBERG: Nicht ganz. Ich hatte für das holländische Fernsehen eine kleine Biografie geschrieben und einige Sachen kommen auch auf der Bühne vor. Wer weiß, wie lange ich noch da bin? "Ick" bedeutet ja wie in Berlin "ich". Nur in England heißt es übersetzt "igitt" und ist somit zum "Kotzen". (Lacht.) Es handelt sich auch darum, wie ich in Amsterdam im Volksviertel im Haus meiner Großeltern aufgewachsen bin. Was wir zu Hause alles hatten . . . , Götterspeise, Punica Limonade . . .

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