Gesundheit Guter Schlaf wird am Tag vorbereitet

Schlafstörungen können viele Ursachen haben. Das wurde beim Arzt-Patienten-Forum deutlich.
Schlafstörungen können viele Ursachen haben. Das wurde beim Arzt-Patienten-Forum deutlich. © Foto: ©Dan Race - fotolia.com
Von Annerose Fischer-Bucher 23.06.2017
Arzt-Patienten-Forum informierte über organische und nicht-organische Schlafstörungen. Es gab auch wertvolle Tipps zur Schlafhygiene.

Die Bedeutung der Schlafmedizin wird unterschätzt“, sagte der Leiter des Schlaflabors im Göppinger Christophsbad, Dr. Robert Bundt, beim jüngsten   Arzt-Patienten-Forum (APF) in der trotz großer Hitze voll besetzten Göppinger Stadthalle zum Thema „Schlafstörungen – was tun?“. Er erläuterte zunächst die Architektur des menschlichen Schlafes, brachte  Beispiele von tierischem Schlaf und erklärte organische Ursachen von Schlafstörungen und deren Folgen.

Professor Dr. Nenad Vasic, Ärztlicher Direktor des Christophsbads, beleuchtete aus psychiatrischer Sicht die nicht-organischen Ursachen und Diplom-Psychologin Ursula Dangelmayr, Beraterin für Gesundheitsförderung und Prävention, gab Tipps zur Schlafhygiene.

Nach der Begrüßung durch Karin Walther-Hebel von der VHS moderierte Dr. Frank Genske, Vorsitzender der Kreisärzteschaft, den Abend. Er erläuterte die nächtlichen Schlafphasen von Tiefschlaf und Traumschlaf, die sich in einem bestimmten Zyklus abwechseln sollten. Genske brachte die entscheidende Frage „von der Henne und dem Ei“ auf den Punkt, nämlich ob Schlafstörungen für physische und psychische Probleme ursächlich seien oder ob organische und nicht-organische Probleme Schlafstörungen hervorrufen.

Bundt zeigte an Patientenuntersuchungen im Schlaflabor, was sich bei einem gestörten Schlafablauf wie etwa der Schlafapnoe im Körper mit Blick auf Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffgehalt und Hormonausschüttung verändere. „Normal“ seien Bewegungen im Schlaf, eine etwa 30-minütige Einschlafzeit und ein 30 bis 120 minütiger Wechsel der beiden Phasen, wobei der Traumschlaf (REM) etwa 75 Prozent ausmache. Bundt zeigte die Auswirkungen von experimentellem Schlafentzug: Schläfrigkeit, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Gereiztheit, Depression, Halluzination, Wahn, vermehrte Nahrungsaufnahme und Auskühlung bis hin zum Tod. Vasic ging auf die Häufigkeit psychiatrischer Störungen – Depression, Angststörung, Suchterkrankung – und auf den Zusammenhang zu Schlafstörungen ein. Klare Ursachen dafür kenne man nicht.

Für einen guten Schlaf gebe es aus psychiatrischer Sicht keine objektiven Kriterien, sondern nur ein subjektives Gefühl und Erleben. Gene bestimmten beispielsweise eine Disposition zu „Eule oder Lerche“, die man kaum beeinflussen könne. Der Experte warnte vor Schlafmitteln über einen längeren Zeitraum und ohne ärztliche Kontrolle, weil dies zu Abhängigkeit führe und das Problem nicht löse.

Ursula Dangelmayr gab viele Tipps für einen guten Schlaf, der am Tag vorbereitet werde. „Einen guten Schlaf kann man nicht wollen, man muss ihn geschehen lassen.“