Lerchenberg / Christine Figl  Uhr
Seinen Bioland-Hof stellte Otto Bidlingmaier in Lechenberg vor. Die Besucher spendeten 200 Euro für die „Guten Taten“.

Otto Bidlingmaier sieht entspannt aus. Sonntagmorgen, die Sonne scheint. Er konnte ausschlafen. Um 7 Uhr klingelte sein Wecker. Heute empfängt der Landwirt 30 Gäste auf seinem Bioland-Hof in Lerchenberg. Gäste, die mehr erfahren wollen über seinen Gemüseanbau und die Vermarktung. An anderen Tagen steht er bereits um 4.30 Uhr auf, fährt auf den Großmarkt oder packt den Anhänger für den Wochenmarkt.

Im Gewächshaus am Hang über dem Dorf steht die Gruppe dicht gedrängt. Unterm Dach brummen Hummeln, am Boden wachsen Paprika- und Tomatenpflanzen. Bidlingmaier kauft die Jungpflanzen und setzt sie. Damit sie Früchte bringen, düngt er biologisch, etwa mit Haarmehl. Im Dialog mit den Gästen geht es ums Gießen, um Schäden durch Wildtiere und darum, wie schwer es ist, gute Helfer zu finden. Derzeit helfen sein Bruder und ein Flüchtling aus dem Irak mit.

„Nicht die passende Anbaugegend für Gemüse“

Vor 35 Jahren stellte die Familie den Hof um, führte fortan einen Bioland-Betrieb, der sich an die Vorgaben des Verbands halten muss. Aus dem Milchviehhof mit Schlachterei wurde ein Gemüseanbaubetrieb. „Wir haben dafür nicht die passende Anbaugegend“, erzählt Bidlingmaier. Der Boden ist schwer und steinig. Dennoch gelingt es ihm, seine Produkte herzustellen und auf den Wochenmärkten in Göppingen, Heiningen und Eislingen zu verkaufen.

Manchmal sei die finanzielle Situation schwierig, Ernteausfälle belasteten natürlich den Geldbeutel. Das zeigt er auf dem Feld, wo ein Schädling sich über eine große Fläche Brokkoli hergemacht hat. Neben Kürbissen und Zwiebeln steht ein Feld voller Sonnenblumen und Phacelia. Gründüngung mit Insektenpflanzen. Konventionelle Bauern erhalten Unterstützung, wenn sie solche Blühstreifen anlegen. Bidlingmaier kümmert sich nicht um die Zuschüsse. Zu viel bürokratischer Aufwand. Zu genau müsste er angeben, was er wo anbaut, was ihm oftmals nicht möglich ist.

Marktkunden erwarten eigene Produkte

In den nächsten Tagen wird der Landwirt Möhren säen. „Meine sind nicht so schön wie die, die ich gerade auf dem Markt verkaufe.“ Eine Besucherin reagiert prompt: „Dafür schmecken die aber besser.“ Die Gäste stellen viele Fragen und sehen aufmerksam zu, als Bidlingmaier Geräte vorführt.

Matthias Kopp, Besucher aus Bad Boll, fängt derzeit an, sich mit dem Thema Ökolandbau intensiver zu beschäftigen. Der 26-jährige Student ist erstaunt, wie viel Arbeit von Hand verrichtet wird. „Ich frage mich, wer macht das alles?“ Er werde sich in Zukunft mehr Gedanken über Lebensmittel und deren Herstellung machen.

„Ich bin beeindruckt, mit wie viel Engagement und Herzblut Herr Bidlingmaier den Biohof bewirtschaftet“, sagt Susanne Rauh. „Ich gehe künftig mit einem anderen Bewusstsein einkaufen.“ Außerdem nimmt die Uhingerin Tipps für den eigenen Garten mit.

Diskussion über Gift, Wertschätzung und Altersarmut

Am Rande der Führung diskutieren mehrere Teilnehmer über die Herausforderung, alle Menschen mit ordentlich produzierten Lebensmitteln zu versorgen. Ein Bartenbacher Rentner sieht darin sozialen Brennstoff, denn ältere Menschen könnten sich zunehmend weniger leisten, auch wenn sie möglicherweise vom Bio-Anbau überzeugt seien.

Zurück auf dem Hof gibt es ein Versucherle in Form von frisch gepflückten Tomaten aus dem Eigenanbau. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Melanie Can und deren Mutter Waltraud Can bittet Bidlingmaier seine Gäste um eine Spende für die NWZ-Aktion „Gute Taten“. Die 46. Aktion kommt allmählich ins Rollen, das Auftaktkonzert findet am 8. Dezember statt.

Bei der Hofführung kamen knapp 200 Euro zusammen. Das Trio unterstützt die Benefiz-Aktion seit Jahren mit ganz unterschiedlichen Aktionen. Bidlingmaier steht auf dem Hof und grinst. Mit dem Vormittag ist er äußerst zufrieden. „Das machen wir sicher noch öfter.“