Es ist der erste kommunalpolitische Paukenschlag des noch jungen Jahres 2019: Die weltweit agierende Göppinger Softwareschmiede Teamviewer erwägt, mit 400 Mitarbeitern ins neue, noch nicht fertiggestellte städtische Verwaltungszentrum am Bahnhof umzuziehen. Die Stadt müsste dann ihr „Rathaus II“ neu bauen, OB Guido Till denkt dabei ans Areal der früheren Pharmafirma Müller südlich des Schillerplatzes. Eigentlich wollte Teamviewer von der Jahnstraße dort hinziehen – doch drei Jahre Planungs- und Bauzeit sind dem Unternehmen zu lang.

Erst am Donnerstagabend sollte der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung über den Plan informiert werden, doch Details über das Vorhaben drangen schon vorher aus dem Rathaus nach außen. Die Fraktionschefs waren von Till bereits in der vergangenen Woche informiert worden. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Felix Gerber, sagte gestern: „Ich habe natürlich, nachdem mir der OB mitgeteilt hat, dass es in der Zeitung kommen wird, gleich die Fraktion informiert.“

Für den Christdemokraten ist klar: „Ich persönlich stehe zu 100 Prozent dahinter.“ Die Stadt müsse alles tun, um eine Firma wie Teamviewer – im Segment der Computer-Fernwartung Weltmarktführer – am Standort Göppingen zu halten. „Es ist für mich eine typische Win-win-Situation, wenn es so funktioniert“, meint er zu Tills Idee. Die Stadt habe dann die Möglichkeit, gegenüber des Schuler-Towers ein stadtbildprägendes Gebäude zu bauen. Gerber glaubt: „Ich gehe mal davon aus, dass die große Mehrheit im Gemeinderat das für richtig befindet.“

Teamviewer soll gehalten werden

Zumindest „interessant“ findet FWG-Fraktionschef Emil Frick den Plan. „Aber wir erwarten natürlich von der Verwaltung, dass das auf Heller und Pfennig abgerechnet wird.“ Schließlich habe das neue Verwaltungszentrum am Bahnhof einen jahrelangen Vorlauf gehabt, hierbei seien unter anderem hohe Planungskosten aufgelaufen. Frick betont aber auch: „Dass wir Teamviewer hier halten wollen, ist ganz klar.“ Gespannt wartet Frick nun auf die anstehende Debatte im Gemeinderat: „Ich hoffe, dass es eine ehrliche und offene Diskussion gibt.“ Ähnlich wie Frick sieht es der Vorsitzende der FDP/FW-Fraktion, Klaus Rollmann. Teamviewer könne seiner Ansicht nach das Verwaltungszentrum „gerne“ haben – aber nicht um jeden Preis. „Die Stadt muss es veräußern und alle entstandenen Kosten wieder bekommen.“ Schade wäre der Verkauf des Gebäudes aber für die betroffenen Mitarbeiter, „die sich auf einen neuen Arbeitsplatz freuen“. Aber sollte der Plan wahr werden, „fängt die Stadtverwaltung ja deshalb nicht an, nicht mehr zu funktionieren“.

Der Fraktionschef von Linken/Piraten (Lipi), Christian Stähle, meint, seit er „von der Drohkulisse des Standortwechsels von Teamviewer erfuhr, ist mein Politikerherz ideologisch hin und her gerissen“. Er fragt: „Soll ein kapitalistischer Weltkonzern husten dürfen und eine komplette Stadt verkauft dafür ihr neu gebautes Verwaltungszentrum?“ Doch hier gehe es nicht um „ideologischen Seelenverkauf“, schreibt Stähle in einer Pressemitteilung, „sondern um die Standortsicherung, die, mit den damit verbundenen Steuereinnahmen, auch im erheblichen Maß die Zukunft unserer Stadt sichert“.

Auch für den Vorsitzenden der Grünen-Fraktion, Christoph Weber, ist es „das Wichtigste“, Teamviewer in Göppingen eine Zukunft zu ermöglichen. „Wir blasen kein Trübsal, sondern halten diese außerordentliche Maßnahme für vertretbar“, meinte Weber. Zumal das Interesse des Unternehmens ja zeige, „dass die Entscheidung der Stadt für das neue Gebäude am Bahnhof nicht so falsch gewesen sein kann“. Die Grünen können sich ein neues Verwaltungszentrum auch auf dem ehemaligen Müller-Areal gut vorstellen – in Kombination mit Wohnungen. Allerdings dürfe die Stadt „nicht von einer Entscheidung in die nächste stolpern“, sondern müsse innehalten. Und der Verkauf des Verwaltungszentrums „darf kein Verlustgeschäft für die Stadt werden“.

SPD-Fraktionschef Armin Roos spricht ebenfalls von einer „grundsätzlich guten Geschichte“ und sieht in der Möglichkeit, ein neues Rathaus und Wohnungen auf dem Müller-Gelände zu bauen, als eine „Chance“. Allerdings pochen auch die Sozialdemokraten bei aller Freude darüber, Teamviewer in Göppingen halten zu können, auf eine Erstattung aller Kosten, die der Stadt am Bahnhof entstanden sind.

Inzwischen wurde bekannt, dass offenbar auch schon ein Investor bereit steht, um der Stadt das Verwaltungszentrum abzukaufen und an Teamviewer zu vermieten: Nach NWZ-Informationen handelt es sich um die Kreissparkasse, mit der die Stadtverwaltung erste positive Gespräche geführt haben soll.