Ein Fachmann hat am Dienstagabend dem Gemeinderat von Ebersbach die Notwendigkeit einer neuen Sporthalle bestätigt. "Sie werden nicht um eine bauliche Maßnahme umhinkommen", sagte Stefan Eckl. Der Experte vom Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung in Stuttgart hat im vergangenen Jahr mit seinem Kollegen Wolfgang Schabert den Bedarf an neuen Plätzen zum Sporttreiben sowie für Veranstaltungen in Ebersbach untersucht. In das Gutachten flossen die Wünsche, Forderungen und Erwartungen der örtlichen Schulen und Vereine mit ein.

Die Notwendigkeit einer neuen Halle für den Schul- und Vereinssport am Raichberg ist nur eines der Untersuchungsergebnisse. Heckl und sein Kollege empfehlen außerdem die Sanierung oder den Neubau der Halle des Turnvereins Bünzwangen. Bei einer neuen Errichtung sollte ein anderer Platz für das Gebäude gewählt werden: "Der Standort ist heute der falsche - er müsste mehr im Ortszentrum liegen", erklärte Eckl auf Nachfrage. Er schlägt in seiner Untersuchung außerdem eine Beteiligung des Turnvereins an den Kosten für die Ausstattung vor. Die Sportler und nicht die Stadt sollten zusätzliche Geräte oder andere Extras bezahlen.

Neben der Entscheidung für eine Erneuerung der Halle in Bünzwangen oder für einen Neubau legte Eckl den Bürgervertretern die Erstellung eines Sanierungskonzepts ans Herz. Dieser Plan soll den Bedarf einer möglichen Erneuerung für alle Sporthallen aufzeigen, die der Stadt oder den Vereinen gehören. Das Konzept empfiehlt Eckl in diesem oder im nächsten Jahr zu erstellen. Ebenfalls 2015 oder 2016 solle die Entscheidung für oder gegen den Bau einer neuen Halle in Bünzwangen fallen.

Die Autoren der Untersuchung geben den Vereinen und der Stadt zwei weitere Hausaufgaben für 2015 und 2016 mit auf den Weg. Stefan Eckl und Wolfgang Schabert empfehlen, in diesem und im nächsten Jahr mehr Licht in die Belegung der Hallen zu bringen. Das Wissen, wie viele Sportler wann welches Gebäude nutzen, sollten Vereine und Stadt für eine bessere Auslastung Hallen nutzen. Eckl und Schabert schlagen außerdem vor, dass die Vereine enger zusammenarbeiten. Beteiligt an dem stärkeren Austausch soll auch die Volkshochschule sein.

Doch für dieses Miteinander gibt es nach Einschätzung von Stefan Eckl bisher Hindernisse in Ebersbach: "Das vielleicht gravierendste Problem ist, dass es ein sehr starkes Kirchturmdenken gibt." Er und sein Kollege hätten den Eindruck gewonnen, dass manchmal Stadtteil gegen Stadtteil kämpfe. "Wir hatten das Gefühl, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen den Vereinen nur ein Lippenbekenntnis ist", sagte Eckl.

Einige seiner Empfehlungen will die Stadt aber bald beherzigen. Der Plan für die Belegung von Hallen läuft in den Sommerferien aus, berichtete der Leiter des Hauptamts im Rathaus, Günther Pfeiffer. Zuvor wolle die Verwaltung überlegen, ob andere Gebäude für manche Sportarten genutzt werden können. Einfluss auf die Belegung der Hallen erwägt die Stadt zudem über die Gebühren zu nehmen. "Die kann man auch zu Steuerungszwecken einsetzen", erklärte Pfeiffer.

Eine Entscheidung über den Bau einer neuen Sporthalle dürfte nicht vor dem Sommer fallen. Der Gemeinderat will Anfang Juli auf einer Finanzklausur auswählen, welche der Vorhaben am wichtigsten sind und welche sich die Stadt bis 2020 leisten kann. "Das ist kein Spaziergang, der da vor uns liegt", sagte Bürgermeister Sepp Vogler.

Wunsch nach Mehrzweckhalle

Interesse: Rund 50 Besucher hörten am Dienstagabend dem Bericht von Stefan Eckl zu und verfolgten die anschließende Diskussion der Stadträte. "Ich kann mich fast nicht erinnern, dass mal so viele Zuhörer da waren", sagte Bürgermeister Sepp Vogler.

Streit: Ein Grund für das Interesse dürfte die Auseinandersetzung um eine neue Sporthalle in Bünzwangen sein. Der örtliche Turnverein kämpft schon lange für ein Mehrzweckgebäude, das für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann. Die Finanzierung eines Neubaus bereitet Verwaltung und Gemeinderat aber Kopfzerbrechen.

Resonanz: Die deutlichen Worte von Stefan Eckl kamen bei den Stadträten gut an. Einige können das "Kirchturmdenken" der Vereine aber verstehen.