Göppingen Gutachten: Dittlau-Bebauung entbehrlich

Die Bebauung des Faurndauer Gebiets Dittlau sei entbehrlich, sagt die Schutzgemeinschaft Dittlau. Aber nur, wenn der Golfplatz bebaut wird.
Die Bebauung des Faurndauer Gebiets Dittlau sei entbehrlich, sagt die Schutzgemeinschaft Dittlau. Aber nur, wenn der Golfplatz bebaut wird. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Peter Buyer 22.07.2018
Die Schutzgemeinschaft Dittlau lädt zur Halbjahresbilanz. Die Stadt schätze den Neubaubedarf zu hoch ein, sagen die Macher der Faurndauer Initiative.

Entwürfe, Pläne und Gutachten gründlich lesen. Von der Stadt vorgebrachte Argumente genau überprüfen. Das hat sich die Schutzgemeinschaft Dittlau seit ihrer Gründung vor einem halben Jahr auf die Fahnen geschrieben. Immer wieder nehmen sich die Initiatoren Jörg Krauß, Tobias Jauß und Martin Bareis vor allem die vom Rathaus gebrauchten Zahlen, die die Notwendigkeit eines Neubaugebiets Dittlau für rund 2000 Einwohner untermauern sollen, vor. Am Freitagabend präsentierten die drei ihre Erkenntnisse der Öffentlichkeit, die Schutzgemeinschaft Dittlau hatte zur Halbjahresbilanz geladen. Gut 40 Zuhörer fanden den Weg in den Saal des Faurndauer Hasenheims.

Konzentriert haben sich die drei diesmal auf den Wohnraumbedarf der Stadt. „Der ist entscheidend dafür, ob ein neues Wohngebiet überhaupt notwendig ist oder nicht“, sagt Tobias Jauß. Noch im Dezember waren OB Guido Till und Baubürgermeister Helmut Renftle von einem Bedarf von 4600 Wohneinheiten bis 2030 ausgegangen, berichtete Jauß. Nach einem von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten, das im April im Gemeinderat präsentiert wurde, sind es laut Stadtverwaltung aktuell 3000 Wohneinheiten bis zum Jahr 2036, die fehlen.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit, sagt Jörg Krauß. Er dröselt die im Gutachten präsentierten Zahlen auf, man müsse zwischen Neubauten und Ersatzbauten bereits vorhandener Wohnungen und Häuser, die nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen, unterscheiden. Der Bedarf an Ersatzbauten, also Sanierungen und Renovierungen liegt nach dem Gutachten bis zum Jahr 2036 bei 1565 Wohneinheiten. Die Zahl der Neubauten bei lediglich 1340 Wohneinheiten. Nur diese Zahl will er als Vergleichszahl zu den von der Stadt vorgebrachten 3000 Wohneinheiten gelten lassen.

Und diese 1340 Wohnungen seien für die Stadt auch realisierbar, sagt Krauß: 500 durch Innenstadtentwicklung und 800 im Stauferpark. „Zusätzliche große Wohngebiete sind gar nicht notwendig, die Bebauung der Dittlau ist aus unserer und auch aus Sicht des Gutachtens entbehrlich.“

Doch grau ist alle Theorie,das gilt auch in Göppingen, besonders für den Golfplatz. Denn der ist im Stauferpark genau da, wo die 800 Wohnungen entstehen könnten. Zwar gehört das Gelände bereits der Stadt und rechtlich betrachtet könnte dort auch gebaut werden, aber nur, wenn die Stadt es nicht bis 2028 an den Betreiber eines Golfclubs verpachtet hätte. Und genau da liegt das Problem, auf das auch Stadtrat Christian Stähle (Linke) hinwies: „Sie glauben doch nicht, dass der Golfplatz vor 2028 dichtmacht. Bis dahin brauchen wir aber große Flächen.“

Es ist Bewegung drin. Martin Bareis berichtet von einer Zusage aus dem Rathaus, das die Sportanlagen im Gebiet Dittlau erhalten bleiben, in der ursprünglichen Planung sollten sie dem Neubaugebiet weichen und an anderer Stelle neu errichtet werden. Möglicherweise gibt es im Rathaus sogar ein weiteres Umdenken, sagt Bareis. Die Abstände, die bei einer Wohnbebauung zu den Sportanlagen und zu B 10 im Süden eingehalten werden müssen, seien so groß, dass das geplante Neubaugebiet dadurch deutlich kleiner werden könnte, als ursprünglich gedacht. Die Alternative, über die möglicherweise in der Verwaltung nachgedacht werde: Gewerbeflächen schaffen, dann gelten andere Abstandsregeln. Erbaut wären die Faurndauer aber auch dann nicht.

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Bedenken in Faurndau und im Gemeinderat

Ein Wohngebiet für rund 2000 Einwohner soll nach den Entwürfen der Stadt auf 25 Hektar zwischen Faurndau und Jebenhausen entstehen. Nicht nur bei Faurndauer Bürgern gibt es Bedenken, auch im Göppinger Gemeinderat. Mit nur einer Stimme Mehrheit stimmte der Rat im Dezember Voruntersuchungen zu, die klären sollen, ob das ins Auge gefasste Gebiet überhaupt als Neubaugebiet in Frage kommt.

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