Kreis Göppingen Grundschulförderung rückläufig

SUSANNE HERRMANN 16.04.2012
Die Grundschulförderklasse hilft, sprachliche, motorische oder soziale Defizite auszugleichen. Derzeit nutzen das 78 Kinder im Kreis Göppingen.

Viele Eltern sehen der Einschulung ihres Kindes mit gemischten Gefühlen entgegen. Verständlich zu erzählen, sich konzentrieren können, einfache Formen nachzeichnen, Farben unterscheiden oder sich in einer Gruppe einfügen können - das sind nicht für alle angehenden Schulkinder Selbstverständlichkeiten.

Aufgabe der Grundschulförderklassen ist es, diese Kinder in einer altersgleichen Gruppe innerhalb eines Jahres so zu fördern, dass eine Aufnahme in die Grundschule möglich wird, heißt es in der entsprechenden Verwaltungsvorschrift. Sie sind eine öffentliche Einrichtung und ein freiwilliges Angebot des Landes. Auf dem Stundenplan stehen Sprachförderung, mathematische Früherziehung oder Lernangebote aus der Naturbegegnung, aber auch Sport und musikalische Früherziehung. Dabei kommt vor allem dem sozialen Lernen innerhalb der Gruppe besondere Bedeutung zu.

Standorte der Förderklassen sind die Grundschulen. Manche sind eng mit dem ersten Schuljahr verzahnt, so dass der Sprung in die reguläre erste Klasse während des Schuljahres möglich wird. In anderen Modellklassen kommen die förderbedürftigen Kinder ein halbes Jahr vor ihrer Schulpflicht in die Gruppe, um dann regulär eingeschult werden zu können.

Wie aus den Zahlen des Statistischen Landesamtes in Stuttgart hervorgeht, gibt es im Kreis Göppingen im laufenden Schuljahr an sechs Schulstandorten solche Klassen. 78 Buben und Mädchen werden hier an den Schulalltag herangeführt - 22 Kinder weniger als im Vorjahr. Im Schnitt betreuen die Pädagogen 13 Kinder pro Klasse. Im landesweiten Vergleich reicht die durchschnittliche Klassengröße von zehn Kindern (Stadtkreis Heilbronn) bis zu 18 Kindern (Kreis Sigmaringen).

Bezogen auf ganz Baden-Württemberg ist die Zahl der Förderkinder leicht gesunken. Insgesamt 3930 deutsche und ausländische Kinder werden derzeit in 289 Grundschulförderklassen betreut, 159 Buben und Mädchen weniger als im Vorjahr. Insgesamt wurden im September 2011 landesweit rund 90 000 Schüler an öffentlichen und privaten Schulen eingeschult, 2000 Kinder weniger als im Vorjahr. Wie die Statistiker beobachten, ist die Zahl der Einschulungen seit 2003/2004 rückläufig; damals gab es noch 116 000 Abc-Schützen im Land.

Vor allem der männliche Nachwuchs hat erhöhten Förderbedarf, was die sprachliche, feinmotorische oder soziale Entwicklung angeht. Mit einem Anteil von rund zwei Dritteln sind die Jungs unter allen geförderten Kindern in der Mehrzahl. Der Kreis Göppingen macht im laufenden Schuljahr keine Ausnahme: 56 von 78 geförderten Kindern sind Buben; das entspricht einem Anteil von 72 Prozent.

Rund jedes fünfte Kind in einer Grundschulförderklasse in Baden-Württemberg ist ausländischer Herkunft, die Sprachförderung ist deshalb in den Vorschulklassen vielerorts ein fester Bestandteil des Stundenplans. Im Kreis Göppingen fällt der Ausländer-Anteil etwas höher aus. Derzeit besuchen 23 ausländische Buben und Mädchen die Förderklassen, das sind knapp 30 Prozent aller geförderten Kinder.