Die Schauspielerin Gilla Cremer hat für das Solostück „So oder so“ originale Interview-Sequenzen, Buchzitate, Erzählungen und Lieder von Hildegard Knef zu einer ebenso bewegenden wie unterhaltsamen Retrospektive des Lebens der Schauspielerin und Sängerin verwoben, mit der sie jetzt in der Stadthalle Eislingen gastierte.

Das Stück lässt mitfühlen in einem ereignisreichen Leben, das 1925 in Ulm beginnt und 2002 in Berlin endet. Dazwischen liegen etliche Hochs und Tiefs. Sie braucht Tapetenwechsel, stets Menschen um sich herum und Erfolg. Gilla Cremer lässt die Zuschauer all dies erspüren. Mit Liedern, Handlungen, Gesten, Zitaten und den passenden Requisiten. Sei es räkelnd auf dem Flügel oder mit Weinglas in der einen, der Zigarette in der anderen Hand.

Cremer bettet die Lebensgeschichte in die jeweilige Zeit ein, zeigt, wie große Verwerfungen kleine im Privaten bedingen. Krieg, Nachkriegszeit, Beziehungen zu Amerika und dessen Männern. „1 und 1, das macht zwei – denken schadet der Illusion, der Mensch an sich ist feige.“ Lieder begleiten diese Darstellung des Lebens mit der jeweils passenden Tonlage. Begleitet wird Cremer von Gerd Bellmann am Flügel. Das Stück beginnt mit dem Großvater als dem ersten wichtigen Mann in ihrem Leben. Er und seine „Apfeldiät“ sind das Paradies für die spätere Sünderin. Die Nachricht seines Selbstmordes, sein Abschiedsbrief erreicht sie vor ihrer ersten Theaterpremiere. Der Film „Die Sünderin“, in der sie kurz nackt zu sehen war und der sie berühmt machen sollte, brachte ihr auch Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen.

Geschickt konstruiert Gilla Cremer in ihrem Solostück Zwiegespräche durch Nachfragen ins Off, lässt die Besucher zu Anwesenden an zentralen Stationen von Knefs Leben werden.

Es kommt Tempo ins Stück und die Lieder, als sich auch deren Leben rasant entwickelt. Bis zum bedächtigen Abschminken am Ende der Vorstellung, bevor es rote Rosen regnet und die Zuschauer stehend applaudieren.