Filstalrock Grönemeyer trifft Westernhagen

Eislingen / Inge Czemmel 17.08.2018
Die Band Mariuzz rockte mit den Sängern Bernd Wuttge als Grönemeyer und Peter Zahn als Westernhagen den Schlosspark in Eislingen.

Ist das jetzt gerade Grönemeyer oder Westernhagen?“ will ein junger Mann von seinen Freunden wissen, nachdem er im hinteren Teil des Schlosshofs fast drei Stunden fröhlich mitgerockt und sich nett unterhalten hat. Bei aller Partylaune ist ihm gar nicht aufgefallen, dass bei „Grönemeyer meets Westernhagen“ zwei völlig verschiedene Protagonisten am Start sind und Grönemeyer schon seit zwei Stunden von der Bildfläche verschwunden ist. Zum Leidwesen derer, die es nicht gleich um halb sieben zum Filstalrock geschafft haben und sich auf Grönemeyer gefreut hatten.

„Wechselsets wären geil gewesen, dann hätten auch diejenigen, die etwas später Feierabend haben, noch was von Grönemeyer gehabt“, monieren einige Fans. Der rockte, gecovert von Bernd Wuttge, nur die erste Stunde lang die Bühne, wobei die Gassenhauer wie „Männer“, „Womit hab ich das verdient“, „Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist“ und vor allem „Alkohol“ deutlich besser ankamen, als Grönemeyers besinnlichere Stücke, die ja durchaus auch hörenswert sind.

Was vielleicht nicht zuletzt Wuttges Animateurqualitäten geschuldet war, die er bei den flotteren Titeln einsetzte. „Wollen wir singen? Ich sing vor, ihr singt nach.“ Mehr als einmal machte er in Fischerchor-Manier das Publikum zum Chor, beflirtete die „Mädels“ in der ersten Reihe und wollte immer wieder wissen „Wo sind die Hände?“

Petra aus Eislingen, die den Filstalrock insgesamt super findet, meinte dazu: „Das hat doch - auch musikalisch- mit Grönemeyer nichts zu tun. Das ist kein Cover, sondern ein sehr eigener Interpretationsstil mit viel Jazz.“ Da gefällt ihr Peter Zahn als Westernhagen deutlich besser. Mit tiefer Verbeugung und wie Flügel nach hinten ausgestreckten Armen fordert er das Publikum gleich zu Beginn auf: „Lass uns leben! Es ist gar nicht so schwer.“ Als er dann noch die Liebeserklärung „Weil ich euch liebe“ hinterher schiebt, gibt es vor der Bühne kein Halten mehr. Auf die Frage „Wie geht es euch?“ singt der ganze Schlosshof lauthals: „Es geht mir gut!“

Mit „Ich bin so froh dass ich kein Dicker bin“ und „Mit Pfefferminz bin ich der Prinz“ stellt Zahn weiter unter Beweis, dass er stimmlich an Westernhagen sehr nah heran kommt. Doch er singt nicht nur wie sein Vorbild, er kleidet sich auch so, gestikuliert wie er und setzt als i-Tüpfelchen noch Frisur und die Sonnenbrille mit den kleinen runden Gläsern drauf.

Perfekte Kopie oder Show mit parodistischen Zügen? Die Westernhagen-Fans sind sich da nicht ganz einig. „Super“, sagen die einen, „ich kann nicht hingucken“ die anderen. „Der soll einfach singen und nicht so viel schwätzen“, meinen zwei Frauen, denen im Gedränge vor der Bühne der Schweiß tropft.

Dem jungen Mann im kühleren, hinteren Teil des Schlosshofes und vielen anderen Besuchern ist diese Diskussion völlig egal. „Tolles Sommerwetter, nette Leute, schönes Ambiente, gute Musik, was will man mehr? Grönemeyer oder Westernhagen, das ist doch völlig Wurst.“

Egal von wem’s ist, den Text von „Willenlos“ kennt jeder und den von „Freiheit“ sowieso. Und da sind sich am Ende auch kollektiv singend alle einig: „Freiheit, Freiheit, ist das einzige, was zählt.“ Ebenso darin, dass die Band, die beide Sänger begleitete, erste Sahne war. Vor allem die Saxophonsoli waren ein umjubelter Ohrenschmaus.

AC/DC und Queen zum Filstalrock-Finale

Endspurt Auch an den beiden restlichen Donnerstagen im August gibt es den Filstalrock im Eislinger Schlosspark. Laut wird es am 23. August mit den Geislinger Lokalhelden The Jack und ihrem Tribut an AC/DC. Den Abschluss machen dann am 30. August The Vipers, eine Queen-Tribute-Band rund um den „The Voice of Italy“-Finalisten Beppe Maggioni.

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