Süßen Goldrausch auf den Hornwiesen

 Drunter und drüber geht es bei der eifrige Schatzsuche des Kinderzirkus „I topolini constanti“. Nur gut, dass Käpt’n Hicks und seine Freunde den Überblick behalten.
Drunter und drüber geht es bei der eifrige Schatzsuche des Kinderzirkus „I topolini constanti“. Nur gut, dass Käpt’n Hicks und seine Freunde den Überblick behalten. © Foto: Staufenpress
Süßen / Peter Buyer 13.05.2018
Die Artisten vom Kinder- und Jugendzirkus „I topolini constanti“ gehen in Süßen mit Einrädern und Fackeln auf Schatzsuche.

Hallo Süßen, seid ihr bereit?“ „Jaaaaaaaaaaaaaa!“ Zirkusdirektor Markus Mitterhofer und das Publikum verstehen sich von Anfang an, und nach dem „Ja“ aus hundert Kinderkehlen geht die Reise los. In der Manege des Kinder- und Jugendzirkus „I topolini constanti“ stechen Käpt’n Hicks und seine Freunde Hinkebein und Ole mit der Augenklappe in See. An der Mastspitze ihres Schiffes weht die Piratenflagge, am Bug prangt der Name „Goldrausch“, und plötzlich ziehen sie eine Flasche aus dem Wasser. Und wenn Piraten eine Flasche aus dem Wasser holen, ist es entweder eine Buddel voll Rum oder eine Flaschenpost mit Schatzkarte.

Im Zirkus natürlich eine Schatzkarte, und die soll im Piratendorf gezeigt werden. Aus allen Richtungen rennen die Bewohner in weißen Hemden und rot-schwarz-gestreiften Pluderhosen in die Manege, turnen auf- unter und übereinander, bauen Piraten-Pyramiden, springen und fliegen durch die heiße Luft der Südsee, äh, des Zirkuszeltes. Dann fegt ein Sturm durchs Dorf und weht die Schatzkarte davon. Hicks, Hinkebein und Ole fackeln nicht lange: hinterher.

Jetzt geht die Goldsuche richtig los, zwei Stunden lang jagen die drei der Karte und dem Schatz hinterher, zu tanzenden Inselbewohnern, turnenden Zwergen, Einrad fahrenden Indianern, sich im Vertikaltuch windenden Fischen. Pirat Ole hängt gleich selber am Trapez und Hinkebein und der Käpt’n jonglieren. Denn darum geht es im Zirkus: Zeigen, was man alles kann.

Und was die 25 Kinder und Jugendlichen alles können, ist so erstaunlich, dass die Kinder auf den Rängen die Münder gar nicht wieder zu bekommen, es sei denn, sie müssen Popcorn kauen.

Also Segel setzen. Ein paar Matrosen winden sich in vom Zirkusdach herunterhängenden Tüchern rauf und runter, der einäugige Ole hat derweil mit seinem Fernrohr ein Teil der Schatzkarte entdeckt. Auf der nächsten Insel gehen die Piraten an Land und treffen vier Fakire, die über Scherben und Nagelbrett gehen und sich dann hineinlegen, bis die drei Seeräuber ein Viertel der Schatzkarte aus dem Nagelbrett bergen können und eine Pause brauchen.

Ole holt Proviant aus dem Schiffsbauch, Hinkebein und der Käpt’n haben besonders viele Hunger und jonglieren mit Äpfeln, Bällen und Kegeln solange, bis den klatschenden Kindern die Hände weh tun. Ein Blick durchs extralange Fernrohr und es ist klar, es geht in Richtung der zehn Berge. Dort wohnen die zehn Zwerge, und nach waghalsigen Turnübungen, an denen den Piraten die Zwerge auf den Nacken sitzen und vor den Bäuchen hängen, rücken die bunten Zwerge das zweite Viertel der Schatzkarte heraus. Ab auf die nächste Insel, dort finden die drei Piraten den dritten Teil der Karte. Der vierte und letzte ist aber noch in weiter Ferne, da muss die treue „Goldrausch“ die drei Schatzkarten und Goldsucher erst einmal hinbringen.

Dann ist Pause, das Zirkuszelt leert sich, das Zelt mit Kuchen und Getränken füllt sich. Gegessen wird draußen, am Samstagnachmittag herrschen Temperaturen wie in der Südsee, Wasser und Apfelschorle verschwinden in ausgetrockneten Kinderkehlen. Auf dem Klettergerüst des Spielplatzes turnen kleine Kinder über Leitern und durch die Kletterwand, jeder will jetzt Akrobat sein und dann geht es auch schon weiter mit der Goldsuche im Zelt.

Der vierte und letzte Teil der Karte ist bald gefunden, jetzt ist klar, wo der Schatz liegt, auf der Feuerinsel. Nach einigen Abenteuern legen die drei dort an und treffen zwei Ureinwohnerinnen, die in die Vertikaltücher steigen. Sie hängen übereinander kopfüber nach unten, schweben im Spagat über der Manege. Kinder und Eltern raunen, Zirkusdirektor Mitterhofer, der von seinen Artisten einiges gewohnt ist, sieht mit breitem Lächeln zu.

Was die beiden in den Tüchern zeigen, ist einfach großartig. Findet auch die fünfjährige Katharina: „Die sehen fein und schön aus“, flüstert sie ihrem Papa zu, die beiden Akrobatinnen tragen schwarze, mit großen Perlen verzierte Oberteile und rote Hosen.

Und dann ist die Schatzkiste gefunden. Und was machen die drei Piraten mit dem Gold? Sie verteilen es an ihre Freunde und Helfer, jetzt stehen alle in der Manege und werfen die goldenen Schokomünzen ins Publikum. Auffangen geht aber nicht, die Kinder klatschen und jubeln lieber mit ihren Helden.

Vom Zirkusprojekt zum Verein

Verein Der Süßener Kinder- und Jugendzirkus „I topolini constanti“ – übersetzt die „Ausdauermäuse“ – ist seit fünf Jahren ein Verein. Gegründet wurde der Zirkus 1998 als Projekt des AST Süßen. Der Verein finanziert sich über Mitgliedsbeiträge, Spenden und die Erlöse aus Vorstellungen und Workshops.

Abschied Für Zirkusdirektor Markus  Mitterhofer waren es die Abschiedsvorstellungen. Er ist als Leiter einer Geislinger Kita gefordert. Vor zwölf Jahren hat er den Zirkus vom AST Süßen übernommen, als Leiter des Süßener Jugendhauses sowie ausgebildeter Zirkus- und Theaterpädagoge.  „Wir decken das komplette Programm ab“, sagt er: Außer Jonglage und Diabolo auch Akrobatik, Tuchnummern, Laufkugeln oder eine Feuershow.

Förderung Die Förderung der Kinder und Jugendlichen steht im Vordergrund. „Spielerische Stärkung der motorischen und kognitiven Fähigkeiten“, sagt Mitterhofer. Die Zirkusgruppe ist auf 25 Mitglieder beschränkt, es gibt eine Warteliste.