Konzertlesung Götz Schubert liest Weihnachtliches ohne Gloria

Für Überraschungen gar nicht weihnachtlich-besinnlicher Art sorgten der Schauspieler Götz Schubert (rechts) und Manuel Munzlingers Trio „Oboe in Jazz“ bei Odeon im Göppinger Alten E-Werk.
Für Überraschungen gar nicht weihnachtlich-besinnlicher Art sorgten der Schauspieler Götz Schubert (rechts) und Manuel Munzlingers Trio „Oboe in Jazz“ bei Odeon im Göppinger Alten E-Werk. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Hans Steinherr 05.12.2018

Gut, es war einen Versuch wert, und Götz Schubert fand es auch lustig. Schließlich steht Weihnachten vor der Tür, und da gehört der Tannenbaum nun mal dazu. Nur wenn drei brillante Jazz-Musiker und ein TV-bekannter Bambi-Preisträger den weihnachtlichen Welthit „O Tannenbaum, o Tannenbaum“ a cappella und dann noch rhythmisch melodisch recht frei intonieren, dann kann einem Weihnachten schon mal gallig aufstoßen.

Versuch geht gezielt daneben

Der Versuch ging genau dahin, wo er hin sollte: daneben. Weihnachten mit Glitter-Kitsch und bigottem Gloria ist eben nicht ihre Sache. „Weihnachtskekse“ ist die neueste literarisch-musikalische Nummer, mit der Götz Schubert als Vorleser, sowie Manuel Munzlinger (Oboe), HD Lorenz (Bass) und Stanley Schätzke (Piano) musikalisch durch deutsche Lande touren. Erstmals am Wochenende in Göppingen bei Odeon und dann auch gleich mit einer Premiere. Und schnell wurde klar: Das Programm ist noch nicht perfekt strahlend eingespielt, aber unverkennbar inhaltlich ein aufgehender Stern.

Götz Schubert liest vor. In Ich-Form-Geschichten wie aus dem Tagebuch. Keine Weihnachtsgeschichten, sondern erinnerte denk- und merkwürdige Geschichten an und um Weihnachten herum. Wie seine erste Begegnung mit dem Weihnachtsmann - die schon damals in die Hose ging – aus Angst, weil Oma ihm klargemacht hatte, dass nur brave Kinder Geschenke bekämen und böse die Rute und er doch dem Sparschwein von Papa mit Hilfe einer Büroklammer die Innereien entnommen hatte.

Im Jahr darauf endete das Fest für ihn wieder laut schreiend vor Angst und mit Bammel statt Gebimmel in der Notaufnahme. Weil statt der Kerzen am Tannenbaum sein Synthetik-Bademantel am Körper Feuer gefangen hatte. Wer körperlich Schaden an Weihnachten genommen hat, muss und kann die Romantik-Ballade „O Tannenbaum“ eben nur anders singen. So schrill und gallig gewürzt geht es weiter im Programm. Alles andere als landläufig weihnachtlich. Leicht und jazzig beschwingt ist die Musik mit Tönen, die schneeflockensanft herabfallen und sowohl den Text als auch die Stimmung gekonnt miteinander vermengen. Und alles ohne Weihnachtsliederatmosphäre.

In späteren Jahren gab‘s bei Schuberts dann offenbar doch noch die besonderen Geschenke. Staubi etwa, das chinesische Noname-Produkt eines digitalen, internetfähigen Staubsaugers, der nach und nach in der Wohnung nebst Kreditkarte auch sämtliche analogen Elektrogeräte entsorgt. Bis auf die Kaffeemaschine, die zu ihrem eigenen Schutz auf die Bühne verbannt wird.

Nur mit der Liebe am Fest und überhaupt will es nicht recht klappen. Weihnachten kann so traurig sein. Die Weihnachtskekse-Lesung ist es nicht. Irgendwie weihnachtlich schon – ganz anders halt. Irgendwie mit und doch ohne Tannenbaum, ohne Glitter und Gloria, aber doch mit Glanz.

Zwei, drei Mal holt das Publikum Götz Schubert, Manuel Munzlinger und sein Trio zurück ins Bühnenglanzlicht. Schade, dass Weihnachten nicht öfter stattfindet.

Mit zweiter Tour durch deutsche Theaterlandschaft

Musikhörspiel Neben der Konzertlesung „Friede, Freude, Weihnachtskekse“, mit der Götz Schubert und Manuel Munzlinger am Sonntag im Alten E-Werk Premiere feierten, ist das kreative Gespann noch mit einer zweiten Produktion unterwegs: dem Musikhörspiel „Geschichten von der allgemeinen Undurchschaubarkeit“, das zahlreiche Abstecher quer durch die deutsche Theaterlandschaft erlebt hat.

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