Hier spielt die Musik Göppinger Stadthalle hat so einiges gesehen

Göppingen / Maximilian Haller 08.08.2018

Ein Meer aus blau gepolsterten Stühlen öffnet sich, sobald man die Türen des Doppelsaals in der Göppinger Stadthalle öffnet. Bis zu 1200 Menschen finden hier Platz, „ein Alleinstellungsmerkmal“ unter den Kulturhallen im Kreis, wie Wolfram Hosch bemerkt. Seit 2002 ist der Kulturamtsleiter für die Stadthalle zuständig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte der Bau der Halle einen Wendepunkt in dieser eher kulturarmen Zeit dar. „Das war die einzige Halle weit und breit – bis in die 90er“, berichtet Hosch. In den 50er Jahren war das Gebäude für seine zu dieser Zeit fortschrittliche Architektur bekannt. Selbst heute besticht die Kulturhalle durch ihren Baustil, auch wenn manche Bereiche, etwa das Foyer, inzwischen komplett renoviert wurden. Das Gebäude ist sehr eng mit der Hohenstaufenstadt verwachsen, findet der Kulturamtsleiter: „Die Halle hat seit ihrer Gründung für die Stadt eine ganz wichtige Funktion.“ Auch unter dem technischen Aspekt ist die Stadthalle Vorreiter im Kreis: Drei Meister und zwei Fachkräfte für Veranstaltungstechnik verstärken dort das Team.

Primär sei die Halle eine Bürger- und Kulturhalle. Gesehen hat sie schon so einiges: Orchesterkonzerte, Liedermacherabende mit Hannes Wader oder Konstantin Wecker, Meisterkonzerte, Messen, Hochzeiten: Die Liste der Veranstaltungen, die in der Stadthalle stattfanden, ist lang. Laut Sabrina Knorr, Leiterin des Referats, finden dort auch hin und wieder außergewöhnliche Events statt, etwa Akrobatikshows oder Eiskunstrevuen. Als die Eiskunstläufer auf dem in der Halle ausgelegtem Kunsteis umherwirbelten, sei das laut Hosch „zunächst mal befremdlich, dann auch beeindruckend gewesen“.

Bei manchen Veranstaltungen in der Stadthalle tummeln sich bis zu 150 Akteure auf der rund 16 Meter breiten Bühne. Einige Formate seien aber dennoch nicht umsetzbar, wie Knorr berichtet. Dazu gehört unter anderem die Ausrichtung von Kampfsportturnieren. Dies sei aufgrund der Vorschriften einfach nicht möglich.

Heute würde man die Stadhalle wohl eher noch größer bauen als zu ihrem Eröffnungstag im Jahr 1955, mutmaßt Wolfram Hosch. Hin und wieder erweise sich die Größe der Halle jedoch auch als Handicap: Allein die Bestuhlung der Säle erfordere oft einen bis anderthalb Tage Umbauzeit. Bei etwa 200 Veranstaltungen im Jahr könne man sich ausrechnen, dass einiges an Arbeit zusammen kommt.

Ohne Makel ist die Göppinger Kulturhalle natürlich auch nicht. Die Wand, die den Foggia-Saal und den Klosterneuburgsaal trennt, ist nicht schalldicht. Deshalb können für gewöhnlich nicht zwei Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden. Auch ist es laut Knorr schwierig, während des Saisonstarts zwischen September und Dezember überhaupt noch einen Termin in der Halle zu bekommen. „Zu dieser Zeit ist kaum ein Tag verfügbar“, sagt Knorr, die für das Hallenmanagement zuständig ist. Darüber hinaus sei es oft schwer, Tourneen zu belegen, da deren Fahrpläne streng geregelt sind.

Den Zahn der Zeit spürt auch das Team der Stadthalle. „Eine bessere Auslastung wünscht man sich immer“, gibt Hosch zu. Dennoch seien 200 Veranstaltungen im Jahr für eine Halle dieser Größe gut. Der Kulturamtsleiter bemerkt auch einen Rückgang an Firmenveranstaltungen: Unternehmen hätten immer öfter eigene Konferenzräume und griffen aus diesem Grund seltener auf externe Veranstaltungsorte zurück.

Nachgefragt mit Kulturamtsleiter Wolfram Hosch

Herr Hosch, was war Ihr schönstes Erlebnis in der Stadthalle?

Wolfram Hosch: Eines der schönsten Erlebnisse aus der jüngeren Zeit war die Show „Breakin‘ Mozart“. Die jugendlichen Zuschauer waren von der Kombination aus Breakdance und Mozart begeistert, das war wie auf einem Popkonzert. Ein weiteres Highlight war der Cellist Mischa Maisky. Er stand mit einer Atmosphäre auf der Bühne, die war überwältigend!

Das größte Lob, das es für die Stadthalle oder eine Veranstaltung gab?

Früher musste ich alle Veranstalter für Feedback anrufen. Die AOK hat sich einmal unaufgefordert an einen unserer Meister für Veranstaltungstechnik gewandt und ihn gelobt.

Gab es einen besonders peinlichen Zwischenfall während einer Veranstaltung?

Bei einer eher vulgären Veranstaltung von „Die Räuber“ haben einmal zehn bis zwölf Rentner den Saal verlassen. Es ist immer unangenehm, wenn sich Leute nicht mehr wohl im Raum fühlen.

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch in der Stadthalle sehen oder hören?

Die Theaterformation „Gauthier Dance“ aus Stuttgart hat Aufsehen erregt. Sie spricht ein breites Publikum an und bietet tolle Aufführungen.

Hallen bringen Weltkultur in den Kreis

Kulturhallen Hier spielt die Musik, und längst nicht nur die: Was wäre der Kreis Göppingen ohne seine Konzerte und Kleinkunstbühnen, ohne Theater- und Musicalaufführungen? Der Artikel über die Stadthalle Göppingen ist der erste von insgesamt 14 Beiträgen, mit denen wir die wichtigsten Hallen und Säle im Landkreis vorstellen. Diese ermöglichen erst den Kulturgenuss als Live-Erlebnis, durch sie kommt buchstäblich die Welt zu uns, von Woche zu Woche, von Spielzeit zu Spielzeit neu.

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