Göppingen Göppinger Plätze im Wandel der Zeit

Stadtführerin Susanne Brzuske erinnerte beim Bummel über Göppinger Plätze auch an das ehemalige Forum in der Fußgängerzone.
Stadtführerin Susanne Brzuske erinnerte beim Bummel über Göppinger Plätze auch an das ehemalige Forum in der Fußgängerzone. © Foto: Margit Haas
Göppingen / Margit Haas 27.08.2018
Göppingens Plätze haben sich gemacht. Das machte ein kleiner Bummel mit der Stadtführerin Susanne Brzuske im Rahmen des „Sommers der Ver-Führungen“ augenscheinlich.

Göppingen – eine Stadt der Veränderung! Nicht nur der Stadtbrand – er jährte sich übrigens am vergangenen Samstag zum 236. Male – erbrachte grundlegende Neuerungen im Stadtbild. Seither fiel so manches Gebäude der Spitzhacke zum Opfer, musste Zeitgemäßerem, Praktischerem Platz machen und so hatte Susanne Brzuske zahlreiche Fotos in der Tasche, die zeigten, wie die Plätze in Göppingens Innenstadt ihr Aussehen verändert haben.

Die Teilnehmer der „Sommerlichen Platzverführung“ erfuhren, dass es im Mittelalter gar keine Plätze gab. „Der Raum innerhalb der Stadtmauer wurde für Gebäude benötigt“, weiß die Göppinger Stadtführerin. Das änderte sich erst mit dem zweiten Stadtbrand, der Göppingen nahezu komplett in Schutt und Asche legte. Im Stile des Klassizismus war es neu aufgebaut worden und zumindest dessen Grundstruktur hat sich im Straßenbild erhalten.

In der Mitte des Marktplatzes – er misst 50 mal 50 Meter – weist eine Metallplatte auf Göppingens Partnerstädte hin. Gleich drei waren Namenspatrone für Plätze. Der Klosterneuburgplatz am „Storchen“ war auf Initiative des ehemaligen Bürgervereines entstanden. Er erinnert daran, dass die Stadt bei Wien und die Hohenstaufenstadt seit fast 50 Jahren eine Partnerschaft verbindet, die auf der gemeinsamen staufischen Vergangenheit fußt – wie auch die mit Foggia in Apulien, „der Lieblingsresidenz von Kaiser Friedrich II.“.

Der Schillerplatz verdankt seinen Namen der Schillerverehrung zu Beginn des Jahrhunderts. 1905 erhielt der ehemalige Schüsselgraben seinen neuen Namen und war seither Marktplatz, Nazi-Aufmarschgelände und Omnibusbahnhof. Seit gut 20 Jahren ist er wieder Heimat für den Wochenmarkt und kann noch mit einer Reihe historischer Bauten aufwarten. Viele alte Gebäude sind freilich bereits in den 70er Jahren einer großflächigen Sanierung zum Opfer gefallen. Dank einer privaten Spende ziert ein Brunnen mit dem Konterfei des Dichterfürsten den Platz. Der Handschuh im Wasserbecken erinnert an die berühmte Ballade vom Handschuh und der undankbaren Kunigunde.

Der Spitalplatz verdankt sein Bestehen dem Abriss des ehemaligen Spitals und „der Schlossplatz war bis 2014 eigentlich gar kein Platz“, weiß Susanne Brzuske. Lediglich zum Parken taugte der heute vielleicht schönste Platz der Stadt. Er war entstanden nach dem Stadtbrand. „Der Graben, der hier verlief, wurde mit dem Bauschutt aufgefüllt.“

Der eigentliche Platz zum Schloss war der Schlossgarten, der mit 250 Ar weit größer war als das heutige Schlosswäldle. Immer möglichst im Schatten führt die kundige Führerin ihre Gäste zum Dr.-Alfred-Schwab-Platz, der an den gleichnamigen Göppinger Ehrenbürger und ersten Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert, der sich im Ruhestand als Vorsitzender für die Wilhelmshilfe engagiert hatte. Deren Senioren­wohnungen musste der „Fromme Löffel“, die Alte Kellerei mit dem Oettinger-Saal, weichen. „An dieser Stelle wurde ursprünglich das herzogliche, später das königliche Schloss verwaltet“, berichtet Susanne Brzuske den Teilnehmern.

Von weitem weist die Stadtführerin auf den Synagogenplatz hin, der bei Führungen zur jüdischen Geschichte der Stadt eine wichtige Rolle spielt und führt ihre Gäste zum Sonneberg-Platz. Ein paar Holz-Pferde zum Wippen verweisen hinter der Jugendmusikschule an der Paradiesgasse auf Göppingens Partnerstadt in Thüringen.

Nach einem Rundgang über den Kornhausplatz, der erst jüngst sein Gesicht zum Positiven veränderte, haben sich Führerin und „Verführte“ eine Pause im Café am Kornhausplatz verdient, das mit leckerem Eis oder selbstgebackenen Kuchen verführte.

Informationen über Veranstaltungen

Erfahrung: Seit zwölf Jahren führt Susanne Brzuske als Stadtführerin zu geschichtsträchtigen und schönen Orten in Göppingen.

Freie Plätze: Online können sich Leser über freie Plätze bei kommenden Veranstaltungen und ausgebuchte oder abgesagte Veranstaltungen beim „Sommer der Ver-Führungen“ informieren.

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