Göppingen Der Göppinger Kurt Haas ist tot

Das Bild zeigt Kurt auf seiner Facebook-Seite.
Das Bild zeigt Kurt auf seiner Facebook-Seite. © Foto: Privat
Göppingen / Sandra Schröder 20.02.2018
Der stadtbekannte Göppinger Kurt Haas, den die meisten schlicht als „Kurti“ mit dem Radio kannten, ist vergangenen Donnerstagabend im Krankenhaus gestorben.

Besonders im Sommer gehörte „Kurti“ für viele Göppinger fest zum Stadtbild. Wenn er mit seinem Radio auf dem Arm, manchmal ohne Hemd, durch die Fußgängerzone lief, Leute in den Cafés und Kneipen ansprach, oder bei Konzerten mittanzte. Kurt Haas ist vergangenen Donnerstag um 21.30 Uhr im Krankenhaus gestorben. Das bestätigte sein Betreuer Wieland John vom Verein Mauch‘sche Villa auf Nachfrage. Auch auf Facebook hatte John darüber informiert.

Die Nachricht löste in dem sozialen Netzwerk viel Mitgefühl aus: „Nur wenige haben den tollen Menschen gekannt, viele haben ihn nur ausgelacht und gehänselt“, lautet einer der Kommentare auf der Seite von Wieland John. „Kurti“, den fast jeder vom Sehen zu kennen schien, wurde 68 Jahre alt. Er zog „mit seiner besonderen Botschaft durch Göppingen“, wie es eine Frau beschreibt – und „kämpfte so unermüdlich voller Freude und Überzeugung, für seinen Glauben“.

Die Besonderheit dieses Mannes hatte einen Grund: Kurt Haas litt unter geistiger paranoider Schizophrenie, sagt sein Betreuer. Fünf Jahre hat er sich um ihn gekümmert. „Er ist ein außergewöhnlicher Mensch gewesen“, findet John. Kurt Haas sei sehr sozial gewesen und habe vielen Menschen geholfen. Zum Beispiel habe er sich eingesetzt für Kindergärten, die Drogenberatung Koala und sei oft ins Café Asyl gekommen.

Dass Kurt Haas in der Öffentlichkeit manchmal auch aggressiv wurde, lag an den Medikamenten, die er wegen seiner Krankheit nehmen sollte. Tat er das nicht, hatte das Auswirkungen auf sein Verhalten, erklärt der Betreuer. Doch diese Erkrankung war nicht der Grund für den Tod des Göppingers.

Auf Facebook erinnert eine Frau, dass „Kurti“ sich in letzter Zeit „abgemagert wie er war, kaum auf den Beinen halten konnte“. Tatsächlich ging es Kurt Haas körperlich schlecht, bestätigt John. Nachdem es für kurze Zeit nach einer Besserung aussah, riefen die Ärzte seinen Betreuer am Ende in die Klinik. Der Kreislauf versagte und er starb, ohne dass sich John von ihm verabschieden konnte.

Mit dem Tod endet Johns Funktion als Betreuer. Deswegen suchte er ebenfalls auf Facebook nach Verwandten von Kurt und fand tatsächlich einen Bruder und zwei Schwestern. Die Eltern seien bereits tot.

Die Verwandten kümmerten sich jetzt um die Beisetzung. Es sei gut möglich, dass Kurt Haas im Wangener Friedwald beigesetzt werde.

Der Mann, der sich selbst „die Kanone“ Gottes nannte, lebte zuletzt betreut im Christophsheim. Den Namen hatte sich der gläubige Mensch selbst gegeben, erzählt John. Kurt Haas sei oft in die Stadtkirche gekommen, hatte aber so seine Schwierigkeiten mit bestimmten Gebeten und wetterte schon mal gegen manche „fromme Sprüche“. Er habe eine ganz eigene, durchaus eigenwillige Sicht gehabt von Gott und der Welt, deswegen verkündete er das Evangelium nach seiner Interpretation. „Er hat nichts Böses gemacht“, findet John. Kurt Haas glaubte vielmehr daran, dass seine Engel ihn beschützen – auch dann, wenn er abends allein über die Jebenhäuser Brücke nach Hause ging. „Mir passiert nichts“, war sich Kurt sicher.

Die Musik lag ihm Zeit seines Lebens sehr am Herzen. „Er war ein Musikliebhaber, hatte drei Stereoanlagen, die manchmal auch gleichzeitig liefen“, erzählt John. Musik war der ständige Begleiter von „Kurti“. Die Idee, mit dem Ghettoblaster durch die Stadt zu laufen, habe er sich von den Rappern abgeschaut. Dabei habe er ständig versucht, Menschen zum Mitsingen und Mittanzen zu bewegen – wollte sie an seiner Freude an der Musik teilhaben lassen. Da verwundert es nicht, dass „Kurti“ kein Konzert oder Musikveranstaltung in Göppingen auslassen wollte. Oft spielte er auch in Lokalen oder in der Fußgängerzone auf seiner Gitarre und sang dazu. So wird er auch nach seinem Tod wahrscheinlich vielen Menschen in Erinnerung bleiben – einfach deshalb, weil er ein bisschen anders war, als die meisten.

Auf Youtube finden sich einige Videos mit Kurt, der immer wieder Zuhörer fand:

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