Energiesparen Göppinger Klimmzüge für den Klimaschutz

Wärmetauscher im Kanal: Bei der Wärmegewinnung aus Abwasser ist Göppingen Vorreiter. Auch das „Rathaus II“ soll weitgehend mit dieser Energieart versorgt werden.
Wärmetauscher im Kanal: Bei der Wärmegewinnung aus Abwasser ist Göppingen Vorreiter. Auch das „Rathaus II“ soll weitgehend mit dieser Energieart versorgt werden. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Von Arnd Woletz 09.01.2018
Der Bericht zum Göppinger Klimaschutzkonzept zeigt: Die Kommune hat schon viel Sparpotenzial erschlossen.

Eine Solarzellen-Fläche von umgerechnet 30 Fußballfeldern, drei große Anlagen zur Energiegewinnung aus Abwasser, eine Energieeinsparung von gut einem Drittel bei der Straßenbeleuchtung – die Liste der Klimaschutzprojekte der Stadt Göppingen ist lang. Allein die Kurzusammenfassung des Klimaschutzberichts, den der städtische Energieberater Uwe Bauer kürzlich den Göppinger Stadträten präsentierte, ist 40 Seiten dick. Und es geht noch weiter.

Klar wird in dem Bericht auch: Die städtischen Eigenbetriebe ziehen mit an diesem Strang. Das Klärwerk Göppingen beispielsweise konnte seinen Stromverbrauch drastisch reduzieren. Die Wohnbau-Gesellschaft (WGG) hat bei ihren Neubau- und Sanierungsprojekten eine Vorreiterrolle bei der Energieeffizienz erreicht. Und auch die bei der Energieversorgung Filstal (EVF) engagierten Göppinger Stadtwerke sind an großen Solaranlagen in der Stadt beteiligt, außerdem an fünf entfernt liegenden Windparks.

Innerhalb von sechs Jahren wurde das Volumen des durch  Solarzellen erzeugten Stroms von 5 auf 14 Gigawattstunden nahezu verdreifacht. Der Boom beim Solaranlagenbau ist allerdings vorbei. Wolfgang Berge, Stadtrat der Freien Wähler Göppingen, formulierte es drastisch: „Neue Photovoltaikanlagen lohnen sich nur noch in Wüstengebieten.“

Im Ausbau begriffen ist aber ein Göppinger „Leuchtturmprojekt“: Energiegewinnung aus Abwasser. Neben dem bereits an diese Form der Energiegewinnung angeschlossenen Kreissparkassen-Hochhaus und dem Schuler-Tower soll künftig auch im neuen Verwaltungszentrum am Bahnhof Energie aus der braunen Brühe im Untergrund gewonnen werden: Wärmetauscher im Kanal machen es möglich (siehe Foto).

Mittlerweile habe die Stadt Göppingen einen hohen Anteil von 30 Prozent an erneuerbaren Energien bei der Stromgewinnung, berichtete Uwe Bauer. Bei der Wärme ist der Anteil mit sieben Prozent noch vergleichsweise gering. Dabei entfalle in der Stadt Göppingen auf Industrie, Gewerbe und Dienstleister mit 80 Prozent der Löwenanteil beim Stromverbrauch. Bei der Wärme sehe es genau andersherum aus: Dort entfallen gut zwei Drittel des Verbrauchs auf private Haushalte. Die Hemmnisse verschweigt der Bericht nicht: Beim Nahwärmenetz für die Innenstadt sei „der Zielkonflikt zwischen weiterem Ausbau und angestrebter Wirtschaftlichkeit deutlich geworden“, heißt es im Bericht. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen sei kein wirtschaftlicher Betrieb möglich.

Insgesamt fällt das Fazit zu den Göppinger Klimaschutzanstrengungen aber sehr positiv aus: Mit wenigen Ausnahmen seien alle im Klimaschutzkonzept von  2013 empfohlenen Schritte innerhalb der Stadtverwaltung oder der Eigenbetriebe umgesetzt worden. „Ob und wie diese Anstrengungen ausgeweitet werden müssen, wird mit Abschluss des European Energy Awards im Jahr 2019 deutlich werden.“ Die Hohenstaufenstadt hat ihren Hut für diesen Wettbewerb in den Ring geworfen.

Die Göppinger Klimaschutzaktivitäten kompakt

Energiesektor
Alternative Energien (Photovoltaikanlagen, Beteiligung an fünf Windparks, Abwasserwärmenutzung),
Sparen in kommunalen Gebäuden (unter anderem Hausmeisterschulungen), energieeffiziente Straßenbeleuchtung,
Energieberatung,
Solarkataster,
Förderprogramme

Verkehr
unter anderem Mobilitätsdrehscheibe Bahnhof, Nahverkehrsplan, fahrradfreundliche Stadt

Allgemein Planung
Quartierskonzepte,
European Energy Award, klimagerechte Bauleitplanung

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