Konflikt Göppinger in Sorge um Partner in Kamerun

Flucht und Gewalt herrschen in der Göppinger Partnerregion in Kamerun. 
Flucht und Gewalt herrschen in der Göppinger Partnerregion in Kamerun.  © Foto: Privat
Göppingen / swp 11.01.2019

Nach wie  vor sorgen sich die Christen im Evangelischen Kirchenbezirk Göppingen und die Basler Mission um die Menschen in der Partnerregion in Kamerun. Die Christen in der Region Menchum-Boyo leiden unter einem blutigen Konflikt zwischen englisch- und französisch­sprachigen Volksgruppen – und unter einer Polizei, die willkürlich gegen Bürger schieße, heißt es in einer Mitteilung des Kirchenbezirks Göppingen.

Er  berichtet darin über die Lage in der Partnerprovinz, dass mehr als 165 Dörfer allein im Jahr  2018 von Regierungstruppen verbrannt worden seien.  Nach der umstrittenen Präsidentenwahl vom 7. Oktober seien viele Straßen blockiert. Deshalb würden die Lebensmittel in Dörfern wie Kumbo knapp, und die Preise stiegen ins Unermessliche. Das Militär kontrolliere Wassertanks und Marktstände und erlaube täglich nur eine bis drei Stunden lang, dass die Bewohner an Wasser oder Nahrungsmittel kommen. Generell wachse jeden Tag die Angst, auf der Straße erschossen zu werden.

Ein Pfarrerssohn in der Provinz erlebte demnach einen brutalen Übergriff auf einer Kirchenbaustelle: Ein Polizist sei wütend geworden und  habe die Telefone aller Umstehenden eingesammelt. Er schlug den Tischler, der um Erlaubnis bat, seinen Ausweis aus seiner Tasche im Kirchenhaus zu holen. Als die Menschen nicht schnell genug mitkamen,  habe der andere Polizist von hinten auf die Arbeiter geschossen, den Pfarrersohn im Knie und die Hand des Schreiners getroffen.

„Alle Gemeinden unseres Kirchenbezirks sind so stark getroffen, dass nur noch Naikom, Kesu und Longhonchia wie eine Kirchengemeinde funktionieren. Mehr als 80 Prozent unserer Christinnen und Christen sind verstreut, teils leben sie im Grasland, teils im Regenwald als Binnenflüchtlinge“, berichtet der Dekan von Wum den Partnern in Göppingen. „Wir hatten Schwierigkeiten, Euch davon zu schreiben aus Angst vor Gefangenschaft, Schlägen, Verstümmelung und Tod.

Der Konflikt geht zurück bis in die Kolonialzeit. Die englischsprachige Minderheit fühlt sich von der französischsprachigen Zentralregierung massiv benachteiligt: „Schon in den 80er und 90er Jahren sahen wir Betrug im großen Stil, Wahlfälschung, Überheblichkeit bis zu Sarkasmus.“ 2017 riefen die englischsprachen Provinzen in Reaktion darauf einen eigenen Staat aus, der von der französischsprachigen Diktatur brutal bekämpft wird.

Die Basler Mission und der Göppinger Kamerun-Arbeitskreis bedauern in der Mitteilung, dass auch die deutsche Bundesregierung sich eher auf die Seite der Regierungstruppen stellt. Mit Petitionen an Politiker versuchen sie derzeit auf die Lage  in der Region Menchum-Boyo aufmerksam zu machen.

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