Göppingen Friseursalon Härer: Inneneinrichtung ins Museum

Göppingen / Von Maren Bertits 07.11.2018
Der Friseursalon Härer in der Spitalstraße wird abgerissen. Teile der Inneneinrichtung sind nun im Friseurmuseum in Neu-Ulm untergebracht.

Jahrzehntelang standen die Traditionsgeschäfte von Hemden Kohnle und direkt daneben der Salon Härer in der Göppinger Spitalstraße. Nun werden beide Häuser abgerissen. Ohne Herbert Volkert wären auch wertvolle Teile der Inneneinrichtung des Friseursalons jetzt verloren: das Waschbecken aus den späten 50er Jahren, der unüblich gefärbte rotbraune Marmor mit weißen Sprenkeln. Das alles ist dank seiner Unterstützung nun sicher im Friseurmuseum in Neu-Ulm untergebracht worden. Volkert ist pensionierter Lehrer und setzte sich aus Interesse in den vergangenen Wochen für den Erhalt der Einrichtungsgegenstände des Salons ein. „Das war der erste und einzige mit rotbrauner Marmor-Ablagefläche“, erinnert er sich.

„Eigentlich wäre es schöner gewesen, es hätte ein öffentliches Recycling gegeben. Und nicht so, dass ich am Drücker stehe“, erklärt Volkert, der schon früher für den Erhalt historischer Gebäudeteile kämpfte. Als er kürzlich vor Ort in der Spitalstraße war, habe es plötzlich geheißen: Morgen wird hier der Friseursalon ausgeräumt. Deshalb rief er direkt im Friseurmuseum in Neu-Ulm an, um das Interieur zu retten. Daraufhin haben zwei Hausmeister, gemeinsam mit Harald Gloning, Geschäftsführer der deutschen Friseurakademie, die Einrichtung abgebaut, um sie nach Neu-Ulm zu bringen. Herbert Volkert war früher selbst zwei- bis dreimal in dem Salon, um sich die Haare schneiden zu lassen. „Das war ein Traum.“ So erzählt er von glänzenden Behältern, in denen sich Friseur-Utensilien befanden. Und ebenso von der Frisur des ehemaligen Inhabers mit Spitznamen „Jimmy“ Härer, die ihn an Elvis erinnerte, wie er sagt.

Das Friseurmuseum in Neu-Ulm ist die größte solcher Einrichtungen in Europa. Harald Gloning erzählt, was nun mit dem Nostalgie-Salon aus Göppingen geschieht: „Die Inneneinrichtung wird irgendwann restauriert und im Museum neu aufgebaut. Menschen wie Herr Volkert haben Druck aufgebaut. Das ist wichtig, denn er hat den Erhalt des Salons gesichert.“ Schade sei, dass die alte Kasse gefehlt habe. Der Friseursalon, der im 20er-Jahre-Stil eingerichtet war, ist seiner Meinung nach absolut erhaltungswürdig.

Herbert Volkert ist seit längerem aktiv, wenn es darum geht, aus Abbruchhäusern wertvolle Bauelemente und Einrichtungen zu retten, so auch in diesem Fall. Im Nachhinein erzählt er, dass die gesamte Rettungsaktion schneller ablief als er gedacht hätte. „Sie haben die Salonzeile mit Marmor entfernt, die Wand mit Vitrinen mitgenommen. Das war eine extreme Rettungsaktion“, betont er. Der Salon stand zuletzt zehn Jahre leer, aber „wo das Gebäude stand, ist jetzt ein Eck weg, das zum Stadtbild beigetragen hat“, merkt er an.

Im Friseurmuseum Neu-Ulm stehen mehr als 10 000 Exponate, die die Besucher bestaunen können. Unter anderem ein Teppich aus gewebtem Echthaar oder Haarbilder. Heinz Zopf ist Gründer und Leiter des Museums und hat den Friseurberuf in den 60er Jahren erlernt. Danach ist er Lehrer geworden, hat für seine Schüler Gegenstände gesammelt und ihnen diese vorgeführt. Die Sammelleidenschaft hat ihn bis heute nicht losgelassen, woraufhin sein Friseurmuseum entstanden ist. Er gibt regelmäßig Führungen mit Geschichten zu den Exponaten. Das Museum zeigt seit Januar 2013 den Besuchern alles zum Thema Friseurhandwerk, Sitten, Bräuche und Mode. Manche Ausstellungsstücke stammen aus antiken Zeiten, andere Exponaten wiederum aus der Gegenwart – der Friseursalon Härer ist nun auch ein Teil davon.

„Herr Zopf’s“ Friseurmuseum

Besucher können in der Dieselstraße 4 in Neu-Ulm auf rund 600 Quadratmeter die mehr als 10 000 Exponate begutachten und sich durch die Räume des Museums führen lassen.

Heinz Zopf bietet Führungen mit Anekdoten zur Geschichte und Techniken eines Friseurs von früher im Vergleich zu heute an. Mit Voranmeldung: Tel. (0731) 378 4657-22. Eintrittspreise für Erwachsene 7,50 Euro, für Kinder 2,50 Euro.

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