Abspaltung Göppinger Ex-Bankvorstand kämpft für Unabhängigkeit Kataloniens

Göppingen/Barcelona / Susann Schönfelder 06.10.2017
Dr. Peter Aubin, früherer Vorstandssprecher der Volksbank Göppingen, kämpft an der Seite seiner Frau für die Unabhängigkeit Kataloniens.

Ein beschauliches Rentnerdasein ist offenbar nicht sein Ding: Dr. Peter Aubin, langjähriger Vorstandssprecher der Volksbank Göppingen, setzt sich nicht nur für die Selbstständigkeit „seiner“ früheren Bank ein und übt harsche Kritik an der geplanten Fusion mit der Volksbank Stuttgart. Er kämpft auch an der Seite seiner Frau für die Unabhängigkeit Kataloniens – „die hoffentlich bald Wirklichkeit sein wird“, schreibt Aubin in einer E-Mail. „Die turbulente Situation in Katalonien erlebe ich eher als Zeitzeuge mit“, berichtet er. An „herausragender Stelle“ seien er und seine Frau nicht in das Bestreben der Separatisten involviert, „wohl aber als aktive Demonstranten für Demokratie und die Unabhängigkeit Kataloniens“, unterstreicht der Ex-Bankvorstand.

Aubin lebt mittlerweile seit einigen Jahren in Katalonien. „Ich bin entsetzt zu sehen, mit welchen Mitteln die spanische Regierung versucht hat, das Referen­dum am 1. Oktober zu verhindern“, sagt der Pensionär. Ohne das Parlament einzuschalten, wie es erforderlich gewesen wäre, sei schon vor Wochen „verdeckt der Ausnahmezustand eingeführt“ worden. „Unter Missachtung aller Gesetze und völliger Außerkraftsetzung der Gewaltenteilung bediente man sich der Justiz und Polizei, um katalanische Politiker und die Medien einzuschüchtern sowie unliebsame Internetseiten abzuschalten“, kritisiert Aubin. „Dabei wurde ständig bewusst, aber vergeblich versucht, die Bevölkerung zur Gewalt zu provozieren, um den Tatbestand des ,Tumults’ herbeizuführen, der notwendig ist, um die Befürworter des Referendums als Anstifter zum ,Aufruhr’ anklagen zu können.“

Aubin berichtet von rechtswidrigen Durchsuchungen und Verhaftungen, polizeilichen Übergriffen gegen Parteien und die Verhängung „wahnwitziger Bußgelder“ in Höhe von mehr als ­10 000 Euro pro Tag. „Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Demokratie sind außer Kraft gesetzt“, sagt der Wahl-Katalane. Höhepunkt seien die Übergriffe gewesen, mit denen die spanische Polizei versucht habe, das Referendum zu torpedieren. 900 Menschen seien dabei verletzt worden. „Die spanische Regierung lehnt jegliche Vermittlungsversuche ab und agiert wie eine Diktatur“, berichtet Aubin und nimmt die deutsche Regierung und die EU in die Pflicht: „Es wird Zeit, dass Angela Merkel und Europa nicht mehr wegschauen, sondern endlich hiergegen einschreiten.“

Peter Aubin glaubt jedoch, dass in Deutschland und im übrigen Europa Unabhängigkeitsbestrebungen „unpopulär“ seien und als „lästig“ empfunden werden. Den Ex-Göppinger wurmt es, dass wenig Verständnis für die Katalanen aufgebracht werde, die sich schon seit Jahrhunderten mit eigener Sprache und Kultur als eigene Nation begriffen und mit den Spaniern wenig gemein hätten.

Aubin und seine Frau verfolgen nun mit Spannung, wie es im Kampf um die Abspaltung weitergeht. „Aller Voraussicht nach wird das katalanische Parlament am Montag mit einer Übergangsfrist von drei bis sechs Monaten die Unabhängigkeit erklären“, meint das Ehepaar und befürchtet, dass im Gegenzug die spanische Regierung mit Verhaftung des katalanischen Präsidenten und weiterer Regierungsmitglieder reagiert. Aubins Einschätzung nach wird es zur Auflösung des Regionalparlaments und zu Neuwahlen kommen. „Letztlich hängt die Unabhängigkeit dann davon ab, ob die Katalanen sich dagegen auflehnen und mit ihrer autonomen Polizei ihr Gebiet kontrollieren können.“