Die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten jährt sich am Freitag zum achzigsten Mal. Die beiden Göppinger Ilona Abel-Utz und Wolfgang Klein laden deswegen zu Veranstaltungen ein und rufen zum Mitmachen auf. Sie wollen die Bürger daran erinnern, welche schrecklichen Taten damals begangen wurden.

Am 10. Mai 1933, kurz nach Mitternacht, wurde auf dem Berliner Opernplatz das "Spektakel" veranstaltet. Acht große Holzstapel waren aus meterlangen Holzscheiten errichtet worden. Initiator der Bücherverbrennung war die "Deutsche Studentenschaft", die Bücher jüdischer, marxistischer und pazifistischer Schriftsteller vernichten wollte.

Am kommenden Freitag ab 20 Uhr will Ilona Abel-Utz den Autoren, deren Bücher verbrannt wurden, in der Stadtbibliothek wieder eine Stimme geben. Umrahmt wird die Lesung "Sie haben meine Seele verbrannt" mit Harfenmusik von Eva-Maria Bredl. Veranstalter sind das Kulturreferat der Stadt Göppingen und die Stadtbibliothek.

Der Titel zu der Veranstaltung geht auf einen Text der 1895 in Laupheim geborenen Ärztin, Psychotherapeutin und Publizistin Hertha Nathorff zurück, mit dem diese am Ende des Dritten Reichs die Auswirkungen beschrieb, die das nationalsozialistische Regime auf ihr Leben hatte: "Sie haben meine Seele verbrannt, mein Leben zerstört, meine Jugend, meinen Frohsinn, mein ganzes Ich ausgelöscht wie der Sturm ein brennendes Licht."

Bereits vor der Lesung von Abel-Utz sollen am Freitag in der Zeit von 11 bis 13 Uhr die Autoren gewürdigt werden, deren Bücher damals vernichtet wurden. Auf dem Kornhausplatz, direkt neben der Stadtbibliothek, wird Schauspieler Wolfgang Klein eine zweistündige Aktion veranstalten. Er ruft Bürger auf, sich daran zu beteiligen und einen Text-Beitrag eines Autoren, dessen Bücher im Nazi-Scheiterhaufen in Flammen aufgingen, zu bringen. Diese sollen dann vorgelesen werden.

Aufgerufen seien alle, die mit dieser Aktion ein Zeichen setzen wollen für Demokratie und Menschenwürde, sagt Wolfgang Klein.

Es gibt eine Online-Liste, in der sich die Teilnehmer der Göppinger Lesung eintragen können, und zwar auf goo.gl/ERGTw. Bis gestern Abend hatten sich dort vier Bürger eingetragen.