Wahl Göppinger Bürgermeisterin im Wahlkampf-Endspurt

Gabriele Zull hat sich bis zur Wahl am 18. September in Fellbach ein strammes Programm verordnet.
Gabriele Zull hat sich bis zur Wahl am 18. September in Fellbach ein strammes Programm verordnet. © Foto: Staufenpress
Göppingen / KARIN TUTAS 07.09.2016
Für die Göppinger Sozialbürgermeisterin Gabriele Zull hat die heiße Phase des OB-Wahlkampfs in Fellbach begonnen. Am 18. September wird gewählt.

Morgens am Marktstand, nachmittags bei der Kirbe. Hier eine Ausstellungseröffnung, dort eine Podiumsdiskussion, und ungezählte Gespräche mit Bürgern, Vereinsvertretern, Kommunalpolitikern. Im Terminkalender von Gabriele Zull ist seit Wochen so gut wie kein freier Platz mehr. Die Erste Bürgermeisterin von Göppingen, die den Chefsessel im Fellbacher Rathaus erobern will, hat die Termine nicht gezählt. „Ich könnte, aber ich will es nicht“, sagt die 49-Jährige lachend. Es gehe ihr nur darum, so viele Fellbacher wie möglich zu erreichen.

Die Göppingerin hat ihren Hut früh in den Ring geworfen, ihre Absichten wurden durch eine gezielte Indiskretion früher öffentlich als der Göppingerin lieb war. Zull sieht das gelassen, „dann war es halt raus“, meint sie. Der Frühstart in den Wahlkampf habe durchaus seine positiven Seiten: „Der Vorteil ist, dass ich an unglaublich vielen verschiedenen Orten war und sehr viele Menschen erreicht habe.“

Indes verschweigt die 49-Jährige nicht, dass der nunmehr schon drei Monate dauernde Wahlkampfmarathon, den sie bis vor kurzem noch neben ihren beruflichen Verpflichtungen in Göppingen absolvierte, durchaus Kraft gekostet hat. Lange Tage von sechs Uhr morgens bis ein Uhr nachts. Tagsüber im Rathaus, abends ins Auto und nach Fellbach gedüst, nachts E-Mails beantwortet und die Facebook-Seite aktualisiert, so beschreibt die Mutter eines neunjährigen Sohnes ihr strammes Wahlkampf-Programm. Sie habe zwar Unterstützer vor Ort, aber „ich habe keine Agentur und mache viel selbst“, betont Zull.

Eine kurze Auszeit hat sie sich und ihrer Familie gegönnt, um den Akku wieder aufzuladen für die heiße Phase des Kampfes um den Posten des Stadtoberhauptes. „Jetzt geht’s richtig los“, das klingt entschlossen und ganz so, als ob die 49-Jährige Freude an der Ochsentour hätte, die sie sich bis zum Urnengang am 18. September auferlegt hat. „Ich bin sehr gerne nahe an den Menschen“, sagt sie. So wie sie es auch in Göppingen halte. „Ich bin gerne präsent und möchte wissen, was die Leute bewegt.“ Das komme auch in Fellbach an, „überall, wo ich war, bekomme ich sehr positive Rückmeldungen und ich denke, dass die Leute merken, dass ich sehr breit aufgestellt bin.“

Ein gutes Omen für den Urnengang am 18. September? Mit Prognosen zu ihren Erfolgsaussichten hält sich die erfahrene Verwaltungsfrau, die seit 21 Jahren  in führenden Positionen im Göppinger Rathaus arbeitet, zurück. Der Juristin, die von der CDU und den Freien Wählern unterstützt wird, werden gute Chancen eingeräumt, die Nachfolge von OB Christoph Palm anzutreten. Als ernsthaftester Konkurrent unter insgesamt fünf Kandidaten gilt der SPD-Mann Carsten Hansen, der Referatsleiter beim Deutschen Städte- und Gemeindebund ist, und offiziell  von den Fellbacher Grünen unterstützt wird.

Gabriele Zull macht kein Hehl daraus, dass ihr die Favoritenrolle nicht schmeckt. Sie sei da reingedrängt worden. „Ich habe nie gesagt, ich marschiere da durch“, betont die Göppinger Beigeordnete, die in der Hohenstaufenstadt partei- und fraktionsübergreifend einen guten Ruf genießt. „Ich bin froh, dass jetzt eine Wahl möglich ist“, erklärt Zull, verschweigt aber auch nicht, dass sie die Wahl gewinnen will.

Die Entscheidung, in Fellbach anzutreten, sei nach 21 Jahren in Göppingen ein großer Schritt gewesen. „Wir sind hier tief verwurzelt, haben ein Haus gebaut, sind in Vereinen und unser Sohn Paul wird am 12. September ins Freihof-Gymnasium eingeschult.“ Es sei für die ganze Familie eine echte Zukunftsentscheidung gewesen „aber als Paul ja gesagt hat, war die Sache klar“, meint die 49-Jährige lächelnd. Hin und wieder begleiten Paul, der die letzte Ferienwoche in einem Tenniscamp verbringt, und Ehemann Martin, der während des Wahlkampfs die Familie managt,  Gabriele Zull auf Terminen in Fellbach. Trotz des gesteckt vollen Terminkalenders versuche sie so oft wie möglich, ihre Familie um sich zu haben. Deshalb fahre sie auch meistens abends wieder zurück nach Göppingen, auch wenn es wieder einmal spät geworden ist.

Jede Menge Veranstaltungen und Gespräche warten noch auf die OB-Kandidatin, „das geht jetzt nonstop“. Eine große Herausforderung werde die offizielle Bewerbervorstellung am kommenden Montag in der Schwabenlandhalle sein. Gabriele Zull weiß, dass sie mit ihren Fähigkeiten nicht hinterm Berg halten muss. „Ich weiß, wie eine Stadt funktioniert“, sagt sie selbstbewusst. Dennoch: Wichtig sei ihr vor allem authentisch zu bleiben: „Ich stehe jeden Tag auf und hoffe, dass ich bleibe wie ich bin.“ Der Wahlkampf-Endspurt hat begonnen und Gabriele Zull will alles geben: „Mein Wahlkampf geht bis zum letzten Tag.“

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