Göppingen / Annerose Fischer-Bucher Viel Beifall gab es für Zelenkas Votivmesse in der Oberhofenkirche. Das Werk war zugleich der Abschluss der „Gute Taten“.

Ein Epigone war er gewiss nicht, obwohl der Barock-Komponist Jan Dismas Zelenka (1679-1745) sämtliche Kompositionstechniken seiner Zeit wie Kontrapunkt, Generalbass, Fuge oder barocke Affektenlehre beherrschte. Und bei Lotti in Italien holte er sich noch eine gewisse italienische Eleganz. Sein Stil weist über seine Zeit hinaus, indem die Behandlung eines opernhaften Solistenensembles und die Einfügung in einen Chorsatz schon an Mozart denken lässt. Und seine manchmal gewagten Intervalle wie auch die überraschend abwärts laufenden Chromatiken wirken modern. Trotzdem bleibt Zelenka im Gesamtgefüge des Barock, jedoch mit unverwechselbarer böhmischer Musikalität.

Gleich zu Beginn der Messe in e-Moll, ZWV 18, wurde diese erdig-zupackende und gleichzeitig elegante und empfindsame Musikalität in der Orchestereinleitung zum „Kyrie“ hörbar und im „Dona nobis pacem“ wie eine jubelnde Dankbarkeit trotz halb- und ganztöniger Abwärtsschritte nochmals verstärkt, um dann doch in Moll zu enden. Die Genesung von einer Krankheit einerseits und die Vorstellung von Endlichkeit andererseits mögen Zelenka – er hat mehr als 20 Messen komponiert – als Kenner von Affekten zu dieser Votivmesse (lateinisch: votum gleich Gelübde, Wunsch, Anliegen) veranlasst haben.

Zum Abschluss der NWZ-Aktion „Gute Taten“ fand das Benefizkonzert unter Federführung des Rotary-Clubs Göppingen Stauferland in der Oberhofenkirche statt. Unter der umsichtigen Leitung von Gerald Buß mit klarer Schlagtechnik und raschen Tempi musizierten der gut präparierte Kammerchor Capella Nova, das zuverlässige Kammerorchester Nota Cambiata und ein Solistenquartett mit Gundula Peyerl (Sopran), Sybille Kamphues (Alt), Hans Jörg Mammel (Tenor) und Christian Hilz (Bariton).

Die Operndramatik wurde von den Solisten bestens umgesetzt, wenn auch die beiden Männerstimmen zu viel Wert auf Lautstärke gelegt hatten. Zu hören war eine strahlende Arie beim „Quoniam“ durch die Baritonstimme (im Dialog mit den Geigen), beim „Et in spiritum“ ein kerniger Tenor und ein schönes „Christe“ oder das „Benedictus“ des Soprans von Gundula Peyerl, die die meisten kunstvollen Soli zu singen hatte.

Ein Höhepunkt der Aufführung war die Alt-Arie „Et incarnatus“ mit Streichern und Continuo-Gruppe, gesungen von Sybille Kamphues mit klingendem Timbre, geschult durch eine historische Aufführungspraxis. Der Chor war überzeugend nicht nur im Cantus Firmus beim Credo, sondern auch bei der Fuge zum Abschluss des „Gloria“ oder beim wechselnden Affekt in eine einfache Harmonik und Homophonie, wenn es in der Messe etwa um die Toten ging.

In ihren Reden dankten Rotary-Präsident Dr. Leo Hermle und NWZ-Redaktionsleiter Helge Thiele den Ausführenden des Konzerts und den Spendern der 45. Aktion „Gute Taten“, die von den Rotariern zum elften Mal unterstützt wird. „Wo die Sprache aufhört, fängt ja bekanntlich die Musik an“, so Hermle.

Jan Dismas Zelenka beherrschte diese Sprache einerseits mit einer Ernsthaftigkeit Bachs – dieser hat ihn im Gegensatz zu seinen damaligen Arbeitgebern sehr geschätzt – und andererseits mit überraschendem und überschäumendem Temperament. Die Aufführung machte dieses Temperament hörbar und so gab es am Ende unter Standing Ovations Blumen für die Solisten und den Dirigenten.

Video Abschlusskonzert der NWZ-Aktion "Guten Taten"

Wiederentdeckt: Jan Dismas Zelenka

Komponist Noch vor 30 Jahren war der böhmische Barockkomponist Jan Dismas Zelenka höchstens Musikexperten bekannt, inzwischen wird er immer öfter aufgeführt. Die Missa Votiva schrieb der 60-Jährige im Jahr 1739, um Gott für seine Genesung nach langer Krankheit zu danken. Sie entstand wahrscheinlich ohne konkreten äußeren Anlass, ist also ein seltenes Beispiel aus jener Zeit für ein komplett autonomes Kunstwerk, das fast keinen Beschränkungen oder Auflagen unterliegt.