Göppingen Göppingen im Partyfieber

Göppingen / Peter Buyer 09.09.2018
Tanzende Skelette, fliegende Kinder, scharf geschossene Bälle, reichlich Musik und ganz viel Essen: In Göppingen wurde das ganze Wochenende gefeiert.

Samstagnachmittag in Göppingen: Es duftet nach Cevapcici und vor dem Schloss tanzt ein Skelett. Nein, es ist nicht Fasnet, es ist Stadtfest. Vor dem Bankhaus Martin wird gegrillt, gegenüber auf der Bühne vor dem Schloss lässt Künstler Friscobrisco die Puppen tanzen. Seine Skelett-Marionette singt „Let’s twist again“, und wirbelt ihre Knochen über die kleine, Fernseher-große Marionettenbühne. Cevapcici und Marionetten, Essen und Kunst, das sind zwei tragende Säulen des Stadtfests und des Straßenkunstfestivals, die sich in diesem Jahr zusammengetan haben. Kinder hocken vor der Bühne in der Sonne, die Eltern genießen einen Kaffee oder das erste Bierchen an den Tischen vor dem Caffe Bozen.

Spielangebote für Kinder

Dann wollen die Kleinen weiter, die Großen auch, für Bewegung ist auf dem Stadtfest gesorgt. Kindertennis, Fußball oder Bungee-Trampolin. Fünf Minuten hüpfen für fünf Euro pro Nase – das findet eine Mutter von zwei Kindern, die schon voller Vorfreude in der Schlange stehen, dann doch etwas happig. Sie zahlt trotzdem, kurz darauf wirbeln ihre beiden Töchter quietschend und lachend an den Gummiseilen über den Foggiaplatz am Freihof-Gymnasium.

Günstiger und genauso hoch hinaus kommen die Kleinen auf der oberen Marktstraße. Für nur einen Euro klimmen wagemutige Nachwuchskletterer an der stramm aufgeblasenen Kletterwand in die Höhe. Wenn die Kräfte nachlassen, ziehen die Helfer etwas fester am Sicherungsseil, so kommt jeder auf den Gipfel, genießt den Blick aus rund sieben Metern Höhe runter Richtung Marktplatz und nach unten auf die Eltern, die mit dem filmenden Smartphone in der Hand gar nicht richtig winken können.

Musik „trifft mitten ins Herz“

Ohne Telefon klatscht es sich ohnehin besser, denn jetzt spielt neben der Kletterwand die Musik. Die Göppinger Voodoo-Guggen geben Gas, die Menschen auf der Marktstraße beginnen zu wackeln, ja ist denn jetzt doch schon Fasnet? „Wir treffen dich mitten ins Herz“, steht auf den Pullovern der Gruppe – schlimm getroffen hat es eine weiße Tuba, die der Bläser mit schwarzem Klebeband geflickt hat. Weder ins Herz noch den Ball treffen die Neugierigen, die sich bei den Baseballern von den Göppinger Green Sox die Bälle um die Ohren fliegen lassen. Konzentriert warten sie auf die von der Ballmaschine ausgespuckten Bälle, schwingen den Baseballschläger meist zu spät und fast immer zu tief. Gar nicht so einfach, kann man aber lernen.

Michael Emerick hat das getan, schon als Kind ist er im Verein, jetzt spielt in der ersten Mannschaft. Nicht irgendwo, denn Bundesliga gibt es in Göppingen nicht nur bei den Handballern von Frisch Auf. Die Green Sox können das auch, allerdings in der 2. Bundesliga. Obwohl noch ein Spiel aussteht, „ist der Klassenerhalt gesichert“, sagt Emerick.

Kopfstand im Bleicheimer

Maultaschen-Burger gibt es am Marktplatz, und auch in der Schulstraße servieren die Schwäbisch-Foodbombers etwas Ähnliches als „Mauli“, aber auch Käsespätzle im Brötchen. Zum Runterspülen gibt es an jeder Ecke der Stadt etwas zu trinken, überraschenderweise ist am EVF-Stand auf der Marktstraße – hier wird bestes Göppinger Leitungswasser gut gekühlt ausgeschenkt – nicht besonders viel los. Richtig was los macht die Soldiercrew in der Marktstraße, Ecke Lange Straße. Kopfstand im Blecheimer, wirbelnde Tanzeinlagen auf dem Kopf oder Rücken, wie viele blaue Flecken die drei jungen Herren schon am frühen Abend haben, will man gar nicht wissen.

Viel Bier nachbestellt

Die anschließende Nacht wird kurz, CDU-Stadtverbandsvorsitzende Sarah Schweizer ist am Sonntagmittag noch ein bisschen müde, es ist dann doch drei Uhr in der Früh geworden. „Ist doch schön, wenn viele Wirte Bier nachbestellen müssen“, sagt Paul Lambert. „Dann war richtig was los.“ Der Stadtfestorganisator und CDU-Stadtrat ist zufrieden: „Das Schönste am Stadtfest? Das leichte Grinsen ganz vieler Besucher.“

Während die Göppinger noch auf dem Flohmarkt zwischen verblichenen Ölgemälden, ollen Büchern, Playmobil, Bierkrügen und wunderbarem Nippes vom Schillerplatz bis zur Marktstraße schlendern, hat Lambert schon neue Ideen für 2019, nach dem Fest ist vor dem Fest.

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70 000 Menschen stürmen die Innenstadt

Besucher Rund 70 000 Menschen waren an den drei Tagen in Göppingen auf dem Stadtfest unterwegs, schätzt Organisator Paul Lambert. Auch die Zusammenarbeit mit dem Straßenkunstfestival habe sich bewährt, das kann er sich auch im kommenden Jahr wieder vorstellen.

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