Göppingen / Von Simon Scherrenbacher  Uhr
Der Investor präsentiert ein Konzept mit 90 Plätzen und 42 Seniorenwohnungen. Die Stadträte sind grundsätzlich angetan von dem Projekt, äußern aber auch Kritik.

„Es war ein fünfjähriger Kampf um den Erhalt dieses Gebäudes.“ Mit diesen Worten begann Baubürgermeister Helmut Renftle am Donnerstagabend die Diskussion um das Stern-Areal im Ausschuss für Umwelt und Technik. Geht es nach dem Investor, der dort seine Pläne vorstellte, bleibt der ehemalige Gasthof tatsächlich stehen – ergänzt um ein Pflegeheim mit 90 Plätzen und 42 Seniorenwohnungen an der Rückseite. Das Haus in der Schulerburgstraße 5 muss dafür allerdings weichen.

Uwe Flaig, Architekt und Investor in Personalunion, hat bereits das Hotel am Kornhausplatz gebaut und freut sich jedes Mal, wenn er daran vorbei läuft: „Jetzt wollen wir die Stern-Kreuzung aus dem Dornröschenschlaf erwecken.“ Er sei bereits mit Interessenten im Gespräch, die das Areal später betreiben wollen, konnte aber noch keine Namen nennen.

Stern in Göppingen soll Schmuckkästchen werden

Die markante Kreuzung am Stadteingang biete ein relativ kompliziertes Umfeld mit kleinteiliger Bebauung: „Der Stern steht da wie eine kleine Ameise.“ Flaig kann sich den ehemaligen Gasthof als „Bäckerei-Restaurant“ vorstellen, das „mit Liebe gestaltet“ sein soll: „Meine Vorstellung ist, dass wir aus dem Stern ein kleines Schmuckkästchen machen.“ Weil die 130 Quadratmeter zu wenig Platz bieten, möchte er direkt dahinter einen Anbau für Küche und Toiletten anschließen.

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Die Änderungswünsche des Gestaltungsbeirats, der am Tag zuvor empfohlen hatte, die neuen Gebäude besser auf dem Grundstück zu verteilen, hatte er schon in seine Pläne einfließen lassen. Das Pflegeheim soll nun drei Riegel hinter dem Stern bilden: zwei Flügel für jeweils eine Pflegegruppe und ein weiterer Baukörper für die Tagespflege. Daneben schlägt der Architekt einen Platz mit vier Bäumen vor, der sowohl eine Außenbewirtung als auch die Zufahrt zum Pflegeheim ermöglichen soll.

Neun Balkon, geschützt von einer Baumreihe

Für die Tiefgarage sieht Flaig lediglich 40 Stellplätze vor: „Das Landratsamt baut im direkten Anschluss ein Parkhaus, das leer steht, wenn der Besuch abends und am Wochenende ins Pflegeheim kommt.“ Eine ähnliche Konstellation gebe es am Kornhausplatz: „Die Hotelgäste parken in der Tiefgarage Neue Mitte, das funktioniert hervorragend.“

Die Höhe des Pflegeheims bleibt laut den Plänen eineinhalb Geschosse unter dem Neubau des Landratsamts. An der schlichten Fassade entlang der Lorcher Straße sollen die Bewohner neun kleine Balkone bekommen, die durch eine Baumreihe geschützt sind.

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Die Stadträte begrüßten das Vorhaben im Grundsatz, äußerten jedoch auch Kritik. „Es ist ja nicht so, dass wir bisher keinen Bäcker in Göppingen haben“, merkte Volker Allmendinger von der CDU an. Die 40 Parkplätze seien allein schon durch die 42 Senioren-Wohnungen belegt: „Sie können davon ausgehen, dass die Herrschaften alle noch ein Auto haben.“ Seine Forderung: „Da müssen Sie nachlegen, sonst können wir nicht zustimmen.“

Schutz vor Lärm

Für Stefan Horn von den Grünen war der Verkehr auf der B 297 ein „ganz großes Problem“. „Mit Schallschutzfenstern kann man den Lärm in den Griff bekommen“, meinte dagegen Susanne Weiß (FDP/FW). Baubürgermeister Renftle verwies auf die Göppinger, die an der Lorcher Straße wohnen: „Die gesetzlichen Anforderungen an ein Pflegeheim sind hoch.“

„Hell begeistert“ zeigte sich sogar Michael Grebner von der SPD-Fraktion: „Die stadtmittige Lage ist optimal für alte Menschen.“ Eine grüne Wiese sei der völlig falsche Standort für solch eine Einrichtung, stimmte Investor Flaig ihm zu: „Die einzige Abwechslung für die Bewohner ist oft nur das, was sie aus dem Fenster sehen.“ Wichtig sei die Infrastruktur rund herum.

Projekt könnte gut 20 Millionen Euro kosten

Auf die Gesamtkosten angesprochen, antwortete Flaig: „Ich hoffe, dass wir 20 Millionen Euro nicht überschreiten.“ Zusammen mit einem Partner hat er eigens für dieses Vorhaben die Projektgesellschaft Bauinvestor Göppingen GmbH gegründet. Er betonte, das Objekt langfristig halten zu wollen: „Genauso wie wir es mit dem Hotel gemacht haben.“ Der Architekt geht von einer Bauzeit zwischen zwei und zweieinhalb Jahren aus: „Ich wäre froh, wenn wir nächstes Jahr zu dieser Zeit so weit sind. Wenn alles glatt läuft, sind wir vielleicht schon in drei Jahren fertig.“

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Die Betreiber, mit denen Flaig schon diskutierte, sehen seinen Angaben zufolge keinen großen Stellplatzbedarf: „Die Mitarbeiter kommen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, und die Senioren haben kein Auto.“ Und wenn sie eines brauchen, könnten sie Carsharing nutzen: „Da muss man vielleicht auch ein bisschen moderner denken.“

Das Gastronomiekonzept habe er ebenfalls lang und breit mit dem ehemaligen „Stern“-Betreiber Mathias Pulvermüller besprochen. Das Bäckerei-Restaurant stelle nicht zuletzt ein Angebot für die Mitarbeiter von Landratsamt und der Firma Schuler dar: „Das Hotel am Kornhausplatz haben wir auch mit einem gewissen Anspruch hinbekommen.“

Bisher keine Chance für Investoren

Kein Denkmalschutz Das „Stern“-Gebäude liegt an der Ecke von Stuttgarter und Lorcher Straße. Es steht nicht unter Denkmalschutz. Es handelt sich um einen von ursprünglich sechs Gasthöfen vor den Stadttoren, die den Stadtbrand unbeschadet überstanden haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren fünf davon abgerissen worden. Den Stern hätte 1969 beinahe dasselbe Schicksal ereilt, als die Stadt die Kreuzung ausbauen wollte. Allen Investoren, die das Gebäude in den vergangenen Jahren abbrechen wollten, erteilte der Göppinger Baubürgermeister Helmut Renftle eine Absage.