GLOSSE · DIE SOCKENFRAGE ZUM BLASMUSIKFESTIVAL: Trägt OB Till wirklich alles rechts was recht(s) ist?

RÜDIGER GRAMSCH 13.06.2012

Sie ist so alt wie das Blasmusikfestival: die Sockenfrage. Erneut diskutiert die Stadt darüber, ob der Oberbürgermeister zum Festival kurze Socken oder lange Strümpfe zur Lederhose trägt?

Die Sockenfrage zieht sich schon wie ein roter Faden durch den größten Teil der ersten Amtszeit von Oberbürgermeister Guido Till. Seit er beim ersten NWZ-Blasmusikfestival 2008 kurze Socken trug, rätselt die Bevölkerung darüber, ob es wohl noch ein anderes Paar Socken gibt oder der Rathaus-Chef immer nur kurz trägt.

Jahr für Jahr beschäftigen sich auch die Göppinger Kommunalpolitiker mit dieser Thematik. Dabei geht es nicht nur um kurze oder lange Socken. Häufig wird auch Kritik an der Farblosigkeit der OB-Socken laut. Diese würden sich oft nicht von den blassen Waden des Stadtoberhauptes abheben. "Mut zur Farbe" haben deshalb dem OB die Fraktionschefs im Gemeinderat in der jüngsten nichtöffentlichen Ältestenratssitzung empfohlen.

CDU-Sprecher Felix Gerber sprach sich für schwarze Socken aus, die auch nicht so empfindlich seien wie die von FDP-Chef Rolf Daferner empfohlenen gelben Socken. Grüne Socken würden dagegen nur zu Gesundheitsschuhen passen, die der OB zur Lederhose aber nicht tragen werde, so Grünen-Fraktionschef Christoph Weber. Der warnte Till allerdings davor, von der Sockenfrage durch das Tragen einer geschützten Enzianblüte am Revers seines Jankers abzulenken. Die neu gebildete Bürgerallianz Göppingen (BAG) sprach sich dafür aus, dass Till seine Socken besser anbehalten sollte, so ihr Stadtrat Dr. Emil Frick. VUB-Chef Wolfram Feifel votierte für einen regelmäßigen Sockentausch, wobei es wurscht sei, ob der OB an beiden Füßen gleichfarbige Socken trage. SPD-Fraktionschef Armin Roos sprach dem OB dagegen die Berechtigung ab, rote Socken zu tragen. Nach seinem Austritt aus der Partei seien rote Socken an Tills Füßen ein schwerer Fauxpas, den die Genossen nicht gutheißen könnten.

Nachdem aber die Sockenfrage nur im Ältestenrat vorbesprochen worden war, witterte der Stadtrat der Linken Verrat an der Demokratie. Christian Stähle ließ von seinem rechtspolitischen Sprecher Oskar Lafontaine ankündigen, dass Stähle überlege prüfen zu lassen, ob in der Sockenfrage nicht eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Regierungspräsidium in Stuttgart möglich sein könnte. Schließlich sei ja immer noch nicht geklärt, ob Till seine rechte Socke wirklich rechts trage oder ob diese nicht widerrechtlich über Tills linken Fuß gezogen wurde. Dabei sei die Frage, welche Farbe die Socken hätten bzw. ob Till kurze oder lange Socken zur Lederhose trage, ebenso zweitrangig wie die, ob es überhaupt jemanden in der Göppinger Bürgerschaft gibt, der Till lange Socken stricken könne.

Dem hat gestern Abend in einer Pressemitteilung das Haus der Familie vehement widersprochen. Geschäftsführerin Agathe Masserer hat umgehend die Bildung einer mehrköpfigen Strickkommission angekündigt, die dem OB lange Socken strickt. Damit soll die Sockenfrage ein für allemal geklärt werden. Derzeit wird im Haus der Familie allerdings noch rechtlich geprüft, ob die Kommission paritätisch von Müttern und Nicht-Müttern besetzt werden muss oder ob Stricktalent allein ausreicht.

Ob OB Till zu den neuen Entwicklungen in der Sockenfrage morgen Abend beim Blasmusikfestival Stellung beziehen wird, ist noch nicht bekannt. Möglicherweise, so verlautete aus gut unterrichteten Kreisen, werde das Stadtoberhaupt erst zum Blasmusikfestival am 6. Juni 2013 seine Position verdeutlichen. Till wolle noch abwarten, ob die angekündigte Möglichkeit einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihn Erfolg haben könnte. Dem dann möglichen schwebenden Verfahren wolle er nicht vorgreifen.