Göppingen Glänzendes Konzert der Capella Nova

Göppingen / HANS HERDEG 30.07.2015
Einmal mehr geriet am Mittwoch das vom Kammerchor Capella Nova gestaltete Konzert in der Stiftskirche Faurndau zu einem der musikalischen Höhepunkte des Sommerfestivals Schloss Filseck.

Die Leistung der Mitwirkenden beim Konzert in der Sommerfestivalreihe ist umso höher einzuordnen, als das 1989 gegründete Sängerensemble ein „Laienchor“ ist, der, stimmlich wie musikalisch vor- und weitergebildet, das Singen als ebenso arbeitsintensive wie lustvolle Nebentätigkeit betreibt, die ihre Erfüllung in zahlreichen konzertanten Auftritten findet.

Für jenen am Mittwoch in der Stiftskirche Faurndau hatte der künstlerische Leiter und Dirigent des Chors, Gerald Buß, unter dem Motto „A New Heaven“ ein gleichermaßen vielgestaltiges wie anspruchsvolles Programm mit Werken vom 17. bis zum 21. Jahrhundert zusammengestellt, die der Capella Nova nicht nur ihrer stilistischen Verschiedenheit im Ganzen, sondern auch ihrer kompositorischen Komplexität im einzelnen wegen höchste Konzentration, große, allvermögende Einfühlungskraft und letzten Einsatz abverlangten.

Mit chorischer Präzision

Vom ersten Augenblick des Konzerts an gelang es Gerald Buß, dessen Interpretationsabsichten auf der Grundlage chorischer Präzision und klanglicher Durchsichtigkeit auf Darstellungen von äußerster Expressivität ausgerichtet waren, diese Gestaltungsqualitäten bei jedem seiner Sänger abzurufen und in den Wiedergaben tönende Wirklichkeit werden zu lassen. Bereits die an den Beginn gesetzte Bach-Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ BWV 225 war in ihrer bald auseinanderstrebenden, bald ineinanderfließenden doppelchörigen Faktur aufgrund der klanglichen Homogenität, die dennoch jeder Stimmgruppe das eigene Profil beließ, klar und dennoch vielfältig im Ausdruck.

Die nämlichen Vorzüge, verbunden mit rhythmischer Genauigkeit und der Fähigkeit, weitgespannte dynamische Bögen fein nuanciert bis ins Letzte auszureizen, waren auch in Sven David Sandströms bald meditativ, bald exaltiert sich verlautbarender Vertonung des 139. Psalms zu hören und nahmen auch in der achtstimmigen Motette „A New Heaven And A New Earth“, die einen Höhepunkt im zweiten Konzertabschnitt markierte, faszinierende klangliche Gestalt an, die der Chor durch seine sängerische Präsenz und gestalterische Kompetenz glänzend konturierte.

Zwischen diese und andere zeitgenössische Kompositionen, wie Eric Whitacres „Sleep“, welches das Programm, an dem auch Simon Fröstl (Orgel) und Heiko Nonaka) (Cello) instrumental Anteil hatten, beschloss, waren wohlüberlegt, bald als kontrastierende, bald auf andere hinweisende Stücke eingestreut. Diese waren Werke von Otto Nicolai (ein formal strenges achtstimmiges „Pater noster“, wohl als Resultat eines langjährigen Italien-Aufenthalts), Gottfried Müller („O Licht, geboren aus dem Lichte“), Heinrich Schütz („Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“, SWV 386), Max Reger (die doppelchörige Motette „Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit“ op. 138), Moritz Hauptmann („Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet“, Motette sechsstimmig) und Johann Hermann Schein („Nun danket alle Gott“). Sie alle wurden bei aller Verschiedenartigkeit ihrer Charaktere von der Capella Nova und ihrem Dirigenten Gerald Buß stilistisch stets auf den Punkt interpretiert.

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