Weiße fedrige Teller Tutus und leises Getrappel der Spitzenschuhe vermitteln leichtfüßige Poesie, gleichwohl die dramatisch-mystische Handlung auch von emotional aufwühlender Musik (leider genussmindernd aus der Konserve) begleitet wird. „Schwanensee“ mit Tschaikowskis Musik gehört seit seiner Uraufführung 1877 zu den bekanntesten Werken der Musikkultur. Das Klassische Russische Ballett aus Moskau gastierte mit 34 Akteuren in der Göppinger Stadthalle und verstand es, den zeitlosen Zauber der Inszenierung aufleben zu lassen.

Aus der Liebesgeschichte um die verzauberte, in Schwanengestalt gefangene Prinzessin Odette und Prinz Siegfried kennt jeder den sterbenden Schwan und den oft parodierten Tanz der kleinen Schwäne mit den überkreuzten Armen. Die Choreographen Marius Petipa und Lew Iwanow legten einst den Grundstein, unter der aktuellen Leitung von Kristina Handloss tanzte sich das Ensemble in die Herzen des Publikums, das mit spontanem Beifall dankte. Besonders der mit Mimik nicht geizende Hofnarr (Aleksey Mikheev) beeindruckte mit tänzerischer Perfektion, nicht nur bei seinen hohen Spagatsprüngen. Wechselnde Bühnenbilder, Kostüme in farbenprächtiger Opulenz und Akteure, die Anmut in Vollendung präsentierten, ließen träumerisch in die Handlung eintauchen.

Der festlichen Ballszene, in der Prinz Siegfried (Akzjol Mussakhanov) eine Braut auserwählen soll, folgt im zweiten Akt Zauberer Baron Rotbart (Anton Schalin), der im Federumhang Prinzessin Odette in eine Schwanenkönigin verwandelt. Erlöst werden kann sie nur durch den Schwur ewiger Liebe, die Prinz Siegfried ihr verspricht. Doch Rotbart stellt ihm bei Hofe Odettes verführerisches negatives Ebenbild, den schwarzen Schwan Odile, vor. Der entzückte Prinz glaubt, Odette zu erkennen und verfällt der bösen Faszination.

Ballerina Ekaterina Bortiakova brilliert in ihrer Doppelrolle als introvertierter, verletzlicher Weißschwan und dem machtvoll, aggressiven schwarzen Schwan. Zahlreiche Fouettes, unterbrochen und ergänzt von doppelten Pirouetten en dehors sind für jede Primaballerina eine Herausforderung. Die 34-jährige, zerbrechlich wirkende Tänzerin glänzte mit ihren Soloparts, bei denen durchaus auch die russische Seele durchblitzte.

Begeisterter Applaus krönte den Höhepunkt, den Pas de deux mit dem Prinzen. Weil die Liebe über das Böse siegt, verzeiht Odette, umrahmt von den zauberhaften Schwänen des Corps de ballett, ihrem Liebsten. Gemeinsam bringen sie im fulminanten Schlussbild den Baron zu Fall.

Ulrike Luthmer-Lechner