Das ist ja nett, dachte sich Monika Heck, als sie kurz nach ihrem 75. Geburtstag Post vom Göppinger Oberbürgermeister Guido Till bekam. „Zu diesem Fest gratuliere ich Ihnen nachträglich von ganzem Herzen und wünsche Ihnen für das kommende Lebensjahr Gesundheit, Zufriedenheit und alles Gute!“, schrieb das Stadtoberhaupt.

Schnell kam Till zum Thema Gesundheit und verwies darauf, dass er Informationsblätter zu den Themen „Auf einen Blick – aktiv im Alter – sowie „Auf einen Blick – Senioren und Einrichtungen“ mitgeschickt habe. Schließlich folgt die Nummer einer Mitarbeiterin, die für Fragen zur Verfügung stehe sowie dieser Satz: „Informationen zum Thema Pflege erhalten Sie auch beim Pflegestützpunkt des Landkreises Göppingen.“ Auch hier folgen Adresse und Telefonnummer. „Wir freuen uns, wenn unser Angebot auf Ihr Interesse stößt, schloss Till den Brief. Auf dem beigefügten Faltblatt waren unter anderem stationäre Pflegeeinrichtungen wie die Wilhelmshilfe und das Christophsheim, aber auch Tagespflege-Einrichtungen, Sozialstationen und Plätze für betreutes Wohnen aufgeführt.

Gutschein zum Probeliegen im Sarg

„Ich habe heftig geschluckt“, sagt die rüstige Rentnerin Heck, die mittlerweile mit ihrem Mann ins bayerische Donauries umgezogen ist, der Brief von Till erreichte sie im November vergangenen Jahres. „Schmerzlich vermisst habe ich einen Gutschein zum Probeliegen in einem Sarg bei einem örtlichen Bestatter“, sagt Heck. Sie meint, alternativ hätte ihr Till ja auch das anbieten können: „Einen Rollatorkurs auf Göppinger Friedhöfen.“

Auf ein humoriges Schreiben an Till habe sie lediglich eine kurze Standardantwort aus seinem Vorzimmer erhalten, berichtet die Rentnerin. Sie hat einen Verdacht, warum der OB ihr Informationen über Pflegeheime zuschickte: „Vielleicht ist das eine Variation seines rheinischen Humors, wer weiß?“ Monika Heck glaubt: „Er ist halt ein Sensibelchen.“

Fast der Kragen geplatzt

Auch im Rathaus wuchs irgendwann die Erkenntnis, dass Infos über Pflegeheime vielleicht doch nicht das richtige Geburtstagsgeschenk sind. „Ende 2018/Anfang 2019 haben wir den Hinweis erhalten, dass diese Übersicht nicht mehr zeitgemäß sei. Seit Ende März 2019 wird dieses Blatt nicht mehr versandt“, teilte jetzt Stadtsprecher Dejan Birk-Mrkaja mit. Zurückgegangen sei die Idee des Faltblatts auf Anregungen von Bürgern: Aus diesen Gesprächen sei hervorgegangen, „dass sich viele ältere Menschen nicht ausreichend informiert fühlten über die speziellen Angebote für Seniorinnen und Senioren, die es in unserer Stadt gibt“. Es sei aber nicht nur über Pflege, sondern auch über die Volkshochschule, den Stadtseniorenrat oder Sportvereine informiert worden.

„Mit diesem Überblick wollten wir die gewünschten Informationen anschaulich zusammenfassen und dabei möglichst vielen Interessen gerecht werden“, meint Birk-Mrkaja. „Dieses Informationsblatt war als Anregung und Hilfe gedacht und wurde auch mehrere Jahre gut angenommen und sollte niemanden verärgern.“ Bei Monika Heck hat das nicht so gut geklappt: „Mir ist fast der Kragen geplatzt.“

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Göppingen/Geislingen