Eislingen Geschichten so rund wie ein Reifen

Die atemberaubenden Reifen-Nummern der Chapertons brauchen überhaupt nicht viele Worte.
Die atemberaubenden Reifen-Nummern der Chapertons brauchen überhaupt nicht viele Worte. © Foto: Axel Raisch
Eislingen / AXEL RAISCH 19.09.2016
Die ganze Vielfalt der Welt passt in einen Reifen. Das wurde beim Gastspiel der Chapertons in Eislingen deutlich: Es gab Knalleffekte am laufenden Band.

Ein Programm, das sich alleine aus Gummischläuchen in verschiedensten Variationen zusammensetzt: Ist da nicht schnell die Luft raus? Nicht, wenn man 60 Minuten dicht vollpumpt mit lauter kleinen Episoden. Wenn man es versteht, mit einem einzigen Utensil in allen möglichen Größen und zum Teil auch Farben die ganze Vielfalt der Welt abzubilden. Worte stören, wo sie nicht hingehören. Deshalb lassen sie die drei Spanier alias die Chapertons weitestgehend weg.

Die Übergänge im Programm sind fließend und die Geschichten so rund wie die Gummireifen. Zudem versteht es das in Spanien beheimatete Chaperton-Trio bestens, die Kombinationen so zu wählen, dass Staunen und Lachen ebenso ineinander übergehen wie die Schläuche in Sekundenbruchteilen von einer Suppenschüssel zu einer Toilettenbrille werden, ein Radhelm zum Heiligenschein und ein Dudelsack zum Motorradtank.

Immer wieder wird der Zuschauer in eine Stummfilmatmosphäre hineingesaugt, nur live und in Farbe, aber mit genau soviel Slapstick wie zu dessen besten Zeiten.

Dass nach all dem der Heiligenschein etwas angetrübt ist, und statt gülden in mattem Kautschukschwarz strahlt, ist kein Wunder.

Doch schon geht es weiter zum Rodeo, mit schickem Cowboyhut und einem wilden Lastwagen-Reifen-Stier. Ob der Bulle in der nächsten Szene schon zur Gitarre eines mexikanischen Musikers wurde oder doch eher dem Chitinpanzer der Biene zum Opfer fiel, bleibt Geheimnis des Torreros, der sein schwarzes Tuch schwingt und ob des natürlichen Lochs in der Mitte recht schnell die Flucht ergreift. Vielleicht ist er aber auch nur zum Elefanten mutiert, der mit allerlei Kunststückchen den Circus unterhält.

Boom! Knalleffekte am laufenden Band und auch in tatsächlichem, ohrenbetäubendem Lärm. Nomen es omen: Zweimal lassen die drei Spanier einen beachtlichen Autoreifenschlauch bersten.

Ein echter Höhepunkt bot sich in der ersten Zugabe in einem faszinierenden Zwitscherdialog, der ohne Worte die Kommunikation alleine anhand der Mimik, Gestik und der Pfeiftöne verständlich machte. Zwei weitere Zugaben erklatschten sich die bestens unterhaltenen Zuschauer im Anschluss an die rund einstündige Veranstaltung.