Göppingen Geschichten aus der Göppinger Hauptstraße

Göppingen / MARGIT HAAS 30.03.2013
Der Oberbürgermeister residiert im "ersten Haus am Platz". Das Rathaus liegt an der Hauptstraße und trägt die Nummer 1. In der ersten Folge unserer Serie beschäftigen wir uns mit dessen Historie.

Auch das alte Rathaus an der Göppinger Hauptstraße war beim großen Stadtbrand 1782 ein Raub der Flammen geworden. Ein neues zu bauen, eilte den Göppingern nicht. Schließlich hatten sie andere Sorgen - und eine leere Stadtkasse. Doch Herzog Karl Eugen bestand auf einem raschen Bau. So legte sein Landesbaumeister Groß Anfang 1784 die Pläne für einen Neubau vor. Die Kosten hatte er mit 29 000 Gulden kalkuliert.

Schon im Frühjahr 1784 wurde die Baugrube ausgehoben und man erlebte eine unangenehme Überraschung: Der Untergrund war feucht und so musste ein aufwendiges hölzernes Fundament gebaut werden. "Bedenklich schüttelten die Stadtbürger die Köpfe; sie dachten an das mächtige Haus, das auf der hölzernen Unterkonstruktion stehen sollte. "Sie dachten auch, wahrscheinlich noch mehr, an ihren leeren Stadtsäckel", hat der frühere Stadtarchivar Karl Kirschmer festgehalten.

Mit ihren Sorgen um die Baukosten sollten die Göppinger richtig liegen. Denn am Ende waren es fast 48000 Gulden, die der Bau an der Nordwestecke des Marktplatzes gekostet hatte.

"Von einer Einweihungsfeier hören wir nichts", schreibt Kirschmer. Und mutmaßt: "Die Lust zum Festen war allen vergangen." Der klassizistische Bau hatte einen Uhrenturm erhalten, damit auch die Karlsträßler wussten, welche Stunde ihnen geschlagen hatte. Sie konnten nämlich die Glocken der Stadtkirche nicht hören.

Im Turm fand auch das Gefängnis für die "besseren" Gefangenen Platz, die nicht auf einer Pritsche, sondern auf dem Kanapee schliefen.

Im Obergeschoss des Rathauses wurden ein großer und ein kleiner Sitzungssaal eingerichtet, "vier Zimmer und eine Registratur. Die großen Bühnenräume waren als Kornböden gedacht", so Kirschmer. Im Erdgeschoss mit seiner offenen Halle verkauften Metzger und Wollhändler ihre Waren. Später wurden im Rathaus auch Schüler der Gewerbeschule unterrichtet und die erste Stadtbücherei eingerichtet. Zu Beginn des neuen Jahrtausends musste das Rathaus saniert werden. Das Holzfundament, das durch das Absinken des Grundwasserspiegels an die Luft gekommen war, faulte und wurde instabil. Auf der Rückseite, entlang der Kirchstraße, wurde zugleich ein großzügiger und moderner Anbau hochgezogen. Der Altbau erhielt nicht nur eine neue Fassade, auch im Innern wurde von Grund auf saniert. Ein Schmuckstück wurde dabei der heutige kleine Sitzungssaal mit der restaurierten Decke. Der dabei entstandene Hof wurde mit Glas überdacht und das so entstandene Atrium bietet heute für zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen Platz.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel