Archivarbeit ist spannend, überraschend, unterhaltend. Was sich Außenstehende vielleicht als staubtrockene Beschäftigung vorstellen, ist für Archivare und Historiker oft pures Vergnügen. Dieses Gefühl vermittelte Professor Dr. Hiram Kümper von der Universität Mannheim auf höchst beeindruckende Weise. Kurzweilig und humorvoll zeichnete er die Entwicklung des Göppinger Katharinenspitals nach, das wohl im späten 14. Jahrhundert gegründet und zum Ende des 19. Jahrhunderts aufgelöst worden war.

Sein "Werkstattbericht" enthalte "ganz viel Vorläufiges". Denn noch hat er nicht alle Akten ausgewertet. Nach wie vor sei ebenfalls nicht festgelegt, ob es "der oder das Spital ist". Die Spitalakten stellten eine ausgesprochene gute Überlieferung dar. In der fehlt indes die Gründungsurkunde. Eine andere Quelle erwähnt einen "briester", einen Priester des Spitals im Jahre 1393. In den dann folgenden Jahren gab es zahlreiche Zustiftungen, etwa von 1440, als ein Ehepaar eine ansehnliche Summe stiftete.

Schon wenige Jahre vorher war dem Spital der Kirchenschatz und die Kastenvogtei des Lotenbergs übertragen worden. Der vergrößerte den Besitz deutlich. Es zählte allerdings nicht zu den reichen Spitälern in Württemberg, rangierte im 15. Jahrhundert auf Platz 16 von insgesamt 23 im Herzogtum.

"Bis zum Schluss" war eine der wesentlichen Aufgaben die Versorgung der Armen. Nicht bekannt ist, wie viele Waisen im Spital lebten. Auch um die Kranken kümmerten sich die Mitarbeiter des Spitals, die selbst dort lebten. "Sie waren versorgt. Das war ein wichtigerer Aspekt als der Lohn", stellt Kümper fest.

Mit der Reformation im Jahre 1534 ändert sich alles. Jetzt war die Obrigkeit zuständig für die Armen und die Spitäler durften keine weiteren Vermögen ansammeln. Arm sein ist jetzt nicht mehr Schicksal, sondern selbstverschuldet. Die herzoglichen Behörden gehen dagegen vor, erlassen zahlreiche Ordnungen, die der Bettelei entgegen wirken sollen. Die Spitäler entwickeln sich mehr und mehr zu Krankenhäusern.

Zur Mitte des achtzehnten Jahrhunderts wurde ein letztes Mal Inventur gemacht. "Sie gibt einen wunderbaren Einblick in den Besitz des Spitals." Dann löst es sich langsam auf. Bis 1892 hätten die Göppinger noch die Gelegenheit gehabt, die Rechnungen einzusehen - die aber niemand wahrnahm. Im Oberholz erinnert der Spitalwald an die ehemalige Einrichtung, die vor dem Brand von 1782 im Bereich der Poststraße angesiedelt war und nach dem Brand an der Grabenstraße - am heutigen Spitalsplatz - neu gebaut wurde. Erhalten haben sich nicht nur die Akten, sondern auch noch mindestens ein Keller an der Poststraße.