Konzert Gepflegte Unterhaltung im Töbele

Musik auf dem Wasser: Die Stuttgarter Saloniker boten den Zuhörern in Rechberghausen gepflegte Unterhaltung.
Musik auf dem Wasser: Die Stuttgarter Saloniker boten den Zuhörern in Rechberghausen gepflegte Unterhaltung. © Foto: Giacinto Carlucci
Rechberghausen / SWP 10.07.2018

Das Gartenschaugelände in Rechberghausen mit seinem kleinen See bildete das Ambiente für ein Konzert der Stuttgarter Saloniker unter der Leitung von Patrick Siben. Acht Musiker, ein Klavier und zwei Anker passten auf das zusammenklappbare Floß, von dem aus zweieinhalb Stunden lang „Wassermusik“ im Sound eines Salonorchesters erklang. Im Vordergrund stand gepflegte Unterhaltung im besten Sinne, gewürzt mit kleinen und größeren Späßchen. Im schnieken Frack und ohne elektronische Verstärkung  traten die Musiker auf und versuchten, so nah wie möglich an die Musik einer untergangenen Epoche heranzukommen. Dabei ließen sich leider nicht Verkehrslärm, Kirchenglocken, Flugzeuglärm, Notarztautos, eine geräuschvolle Wasserfontäne und Gequassel mancher rücksichtsloser Zuschauer (nicht: Zuhörer!) ausblenden. Allein die anwesenden Hunde wussten, was sich gehört, und hielten die Schnauze.

Mit zwei Highlights der leichten klassischen Muse ging’s dann los: mit „Funiculi-Funicula“ und dem Walzer „Sur la Plage“ von Emile Waldteufel. Das war „spritzige“ Musik, obwohl die kleine Besetzung, wohl wegen der akustischen Konkurrenz, noch ziemlich dünn klang und die Begleitinstrumente immer wieder viel zu stark auftrumpften.

Ein größeres Format hatte dann die ausladende Ouverture zur Oper „Die Matrosen“ von Friedrich von Flotow. Ozean, Seeabenteuer, Dramatik und festliche Ankunft waren angekündigt. Die dazugehörende Musik plätscherte jedoch trotz einiger handfester Tuttistellen oft vor sich hin und man wünschte sich doch in die kompaktere Akustik eines Konzertsaales. Händels voluminöse „Wassermusik“ folgte: ein Fehlgriff, denn die Musiker fanden nicht spontan in den Charakter der zahlreichen Sätze hinein, die in ihrer barocken Feinheit, Distanz und raffinierten Künstlichkeit auch nicht zu einer unterhaltsamen Wassermusik passten. Erleichtert klatschten die Zuhörer mit, als  das handfeste „El Capitan“ von J.P. Sousa den ersten Teil abschloss.

Ganz anders der zweite Teil! Die faszinierende Musik von Mendelssohns Hebriden-Ouvertüre sprach für sich selbst und siehe da: Das Publikum ließ sich verzaubern! Ein Potpourri aus der Operette „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß verband dann Pfiffigkeit mit Schwung, Lockerheit, Zärtlichkeit  und augenzwinkernder Selbstironie: Damit waren die Zuhörer endgültig gewonnen: Ein Ehepaar saß am Ufer und wiegte sich, selbstvergessen lächelnd! Der „Schwan“ aus dem „Karneval der Tiere“ durfte nicht fehlen – das einzige nicht witzig gemeinte Stück aus Saint-Saëns‘ Werk; auf den Sperrholzschwan  hätte man deshalb ruhig verzichten können. Offenbachs Barcarole zum Mitsummen und Tschaikowskis Schwanensee zum Schluss. Nach holprigem Beginn kam da Wehmut auf und der Wunsch nach einer Fortsetzung; doch das Tatü eines Notarztwagens brachte alle wieder unbarmherzig zurück in die Realität.

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