Flüchtlinge Gemeinden suchen händeringend nach Unterkünften

Flüchtlingsheim in der in der Göppinger Pappelallee: Die Gemeinden müssen ihre Unterkünfte für Flüchtlinge vervielfachen und wissen oft nicht recht, wie das gehen soll.
Flüchtlingsheim in der in der Göppinger Pappelallee: Die Gemeinden müssen ihre Unterkünfte für Flüchtlinge vervielfachen und wissen oft nicht recht, wie das gehen soll. © Foto: Giacinto Carlucci
Kreis Göppingen / ARND WOLETZ / JOA SCHMID / DANIEL GRUPP 22.10.2015
Die Liste, die der Landrat an die Kreiskommunen verschickt hat, bereitet vielfach Kopfzerbrechen: Die Gemeinden müssen die Zahl ihrer Flüchtlingsplätze vervielfachen – und wissen nicht recht, wie das gehen soll.
Noch immer gibt es im Landkreis Göppingen einige Gemeinden, an denen die Flüchtlingswelle bisher vorbei geschwappt ist. Die weißen Flecken dürften sich aber demnächst füllen, denn das Landratsamt, das für die Unterbringung zuständig ist, rechnet mit 4200 Menschen, die bis Ende 2016 kommen könnten. In einer Liste, die Landrat Edgar Wolff an die Kreiskommunen schickte, werden deshalb die vorhandenen Plätze und das rechnerisch zu erwartende Kontingent jeder Gemeinde aufgelistet (Siehe Infobox).

In Albershausen beispielsweise werden es demnach 72 Menschen sein. Derzeit wohnt dort kein Flüchtling. Bürgermeiser Jochen Bidlingmaier erklärt, dass die Kommune sich auf dem freien Markt sehr schwer tue, Immobilien für Flüchtlinge zu erwerben. Er habe die Eigentümer von 16 leer stehenden Häusern im Ort angeschrieben – und so gut wie keine Resonanz erhalten.

Die Gemeinde werde nun aber zwei eigene Gebäude herrichten, sagte Bidlingmaier. Darin könnten 20 bis 27 Menschen unterkommen. Außerdem werde er dem Landratsamt eine Fläche als Standort für Wohn-Container anbieten, die bisher nicht weiter verfolgt wurde, weil sie eigentlich zu klein ist. Für eine weitere größere Immobilien laufen Verhandlungen und die Abstimmungen mit dem Landratsamt.

Auch Dürnau hat bisher keine Flüchtlinge aufgenommen. Mehrere Aufrufe an Immobilienbesitzer blieben erfolglos, sagt Bürgermeister Friedrich Buchmaier. Eine angepeilte Neubau-Lösung scheiterte an der Kritik aus der umliegenden Bevölkerung. Deswegen unternimmt die Gemeinde nun einen zweiten Anlauf: Sechs mögliche Grundstücke schlägt der Bürgermeister den Gemeinderäten in der nächsten Sitzung vor – für Unterkünfte in Holzbauweise. Viele Gespräche seien bereits gelaufen, so Buchmaier. Er plädiert allerdings für kleinere Einheiten. Das habe viele Vorteile und passe besser in eine dörfliche Umgebung.

Keine Hoffnung hat Bürgermeister Daniel Kohl, dass die Voralbgemeinde Gammelshausen die für sie bis Ende 2016 anvisierten 25 Flüchtlinge wird aufnehmen können. Dabei sei die Gemeinde seit einem Jahr bestrebt, geeignete Unterkünfte zu finden. „Mit mäßigem Erfolg“, sagt Kohl. Die Resonanz auf Aufrufe im Mitteilungsblatt war bescheiden. Nur zwei private Immobilienbesitzer hatten sich gemeldet. Nur ein Objekt war geeignet: Ein Vermieter bot eine 90-Quadratmeter-Wohnung über einem Wohn- und Geschäftshaus an, die der Landkreis aber nicht akzeptierte. „Die Wohnung hatte ein Etagenklo“, berichtet der Schultes, der für die Ablehnung wenig Verständnis zeigt.

Letztendlich sei die Unterbringung aber nicht an den Bedenken wegen der gesetzlichen Standards, sondern an der Zahl der Bewohner gescheitert. Die Besitzerin wollte höchstens sechs Flüchtlinge unterbringen – damit hätte Gammelshausen sein damaliges Soll erfüllt – der Landkreis pochte auf mindestens zehn. Inzwischen hat die Besitzerin die Wohnung auf dem freien Markt vermietet.

Ein sanierungsbedürftiges Gebäude der Gemeinde im Ortskern, in dem ein Obdachloser gelebt hat, lehnte der Landkreis wegen der Höhe der nötigen Investitionen ab. In der Hoffnung, dass gesetzliche Vorgaben gelockert werden, hat der Gemeinderat jetzt beschlossen, das Haus erneut als Unterkunft anzubieten. „Wir würden auch Geld in die Hand nehmen, um es für eine Übergangslösung herzurichten“, berichtet Kohl. Wenn das Landratsamt erneut ablehne, werde man das Haus aber abreißen und nur das Grundstück anbieten.

„In Zell lebt derzeit ein Ehepaar aus China, das bereits in der Anschlussunterbringung ist. Die Gemeinde rechnet allerdings damit, dass in den nächsten Tagen acht bis zehn Asylbewerber kommen, da die Gemeinde dem Kreis ein Haus zur Verfügung gestellt hat, das jetzt bezugsfertig ist, berichtet Bürgermeister Werner Link.

In der vorigen Woche hat sich erstmals ein Arbeitskreis Asyl getroffen, der sich auf die Flüchtlinge vorbereitet. Es seien Personen mit unterschiedlichen Fertigkeiten gekommen, sagt Link. Das Thema werde den Gemeinderat weiter beschäftigen. Dem Bürgermeister schwebt vor, ein geeignetes Grundstück zu suchen, auf dem ein Gebäude für die Flüchtlinge errichtet werden kann.

Weiterhin keine Asylbewerber sind in Aichelberg untergebracht. In der Klausurtagung des Gemeinderats am Samstag werde darüber gesprochen, betont Gemeinderätin Evelyne Moll. Die Stellvertreterin des Bürgermeisters erwartet sich Erkenntnisse, wie es weiter gehen wird. Moll ist sich nicht sicher, ob die Gemeinde das Bündnis für Asyl mit dem Kreis unterzeichnet hat.

Das weiß Michael Lenz hingegen genau. „Wir haben das Bündnis für Asyl unterschrieben.“ Asylbewerber wohnen dennoch keine in Lauterstein, lediglich ein Asylant, der in Anschlussunterbringung ist. Die Zahlen werden sich demnächst ändern. Die Stadt hat ein größeres Gebäude in Weißenstein gekauft und an den Kreis vermietet. Lenz rechnet damit, dass vom 1. November an dort etwa 15 Personen untergebracht werden können.

Der Bürgermeister verweist auch darauf, dass Bürger angefragt hätten, die Wohnungen anbieten würden. Auch habe die katholische Kirchengemeinde das ehemalige Schwesternwohnheim in Nenningen angeboten. Oft seien die Vorschläge vom Landratsamt als nicht ideal eingestuft worden. „Wir werden sehen, welchen Beitrag wir leisten können.“ Das sei alles nicht so einfach. Wohncontainer aufzustellen, etwa beim ehemaligen Nenninger Bahnhof, wird in Lauterstein nicht erwogen. Wegen der Hanglagen von Weißenstein und Nenningen seien dafür andere Orte besser geeignet. Der Bürgermeister hält Lauterstein eher für einen Ort, in dem Flüchtlinge zur Anschlussunterbringung wohnen.

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