Orgelsommer Gelungener Auftakt zum Göppinger Orgelsommer

Organist Martin Böhm bei seinem Konzert am Dienstag in der Göppinger Stadtkirche.
Organist Martin Böhm bei seinem Konzert am Dienstag in der Göppinger Stadtkirche. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Ulrich Kernen 09.08.2018

Im Auftaktkonzert zum zweiten „Orgelsommer“ in der gut besuchten Göppinger Stadtkirche hatte der Dekanatskirchenmusiker Martin Böhm ausschließlich Werke englischer Komponisten ausgewählt. Zwei Drittel der Sätze stammten überdies aus „Suiten“, also Sammlungen tänzerischer Stücke: Es wurde ein kurzweiliger Abend in lauer Sommeratmosphäre.

Von Anfang bis Ende bewies der Künstler dabei, dass er ein Meister der Klangfarben ist. Virtuos nutze er die 42 Register der Orgel aus der Werkstatt des Lauffener Orgelbauers Richard Rensch; nicht nur wegen ihrer mächtigen Klangfülle, sondern auch wegen ihrer unerschöpflichen Klangkombinationen ist die Orgel die „Königin der Instrumente“. Das zeigte sich schon beim ersten Werk, der barocken Suite g-Moll von Henry Purcell, das nach forschem Anfang seine Fortsetzung in vier untereinander verwandten Sätzen fand. Diese durchweg kantable Musik blieb deswegen interessant, weil sie aus ihren unterschiedlichen Farben lebte.

Ab der Suite „In India“ von Roy Spaulding Stoughton spitzte man die Ohren. In kurzen „Ausflügen“ wurden die Zuhörer in eine exotische Welt entführt. Da entdeckte man ein verwunschenes Palmenwäldchen, fand Abkühlung im dunklen, stark bewegten Ganges, lauschte neugierig einem anmutigen Tanzliedchen der „Girls of Delhi“ und landete schließlich im Palast des Maharadschas, der mit zackiger Musik deutlich machte, wer hier das Kommando hat. So konnte es weitergehen!

Die folgenden zwei Sätze aus der Orgelsonate G-Dur von Edward Elgar stammten aus einer früheren Komponistengeneration, in der kernige Festhymnen geschätzt wurden. Unwillkürlich  setzte man sich beim Zuhören ordentlich hin. Damit einem aber so viel musikalischer Patriotismus nicht zu viel wurde, hatte Martin Böhm ein kleines, huschendes Allegretto angefügt.

Auf ähnliche Weise kombinierte er zwei Werke von Percy Whitlock: eine feurige Toccata und ein schlichteres „Carol“. Den Schluss markierten zwei eigenwillige Werke: Bei einem Satz aus der „Persian Suite“ von Staughton klangen orientalische Töne an in mitunter taktweisem Registerwechsel; den strahlenden Höhepunkt bildete dann das „Postlude“ g-Moll von Charles Villiers Stanford, das streng im „alten Stil“ begann und in eine mächtige Orgelfantasie mündete. Ein vielversprechender Auftakt in den „Orgelsommer“!

Ulrich Kernen

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