Musical Gelungene Aufführung eines Klassikers

Göppingen / SABINE ACKERMANN 19.02.2018

Solange man offen und neugierig bleibt, ist man überall zu Hause und macht ein Zusammenleben trotz aller Verschiedenartigkeit möglich. Eine Botschaft, die nach dem frenetischen Schlussapplaus haften bleibt und an Aktualität nichts verloren hat. In gleich zwei Aufführungen hat das erfolgreiche Theater Liberi aus Bochum mit ihrer Version des beliebten Kinderbuchklassikers von Rudyard Kipling am Samstag in der Stadthalle Göppingen alles richtig gemacht. „Dschungelbuch – das Musical“ ist noch immer die Geschichte über Freundschaft, das Erwachsenwerden und die Suche nach der eigenen Identität – halt nur in idyllischer Tropenatmos­phäre. Es geht um Mogli, ein von Wölfen aufgezogenes Findelkind, das sich unter seinen vielen Tierfreunden richtig wohlfühlt und dem nach etlichen Abenteuern im Urwald eine schwierige Entscheidung abverlangt wird.

Im Grunde lebt das Musical von drei Bausteinen. Zum einen ist da Helge Feddersens Inszenierung, der Regisseur arbeitet mit Licht- und Nebeleffekten, die den Dschungel streckenweise in mystisches Rot oder Blau tauchen. Zum anderen treffen Christoph Kloppenburg und Hans Christian Becker mit ihrer Musik den Nerv der Zeit, die zuweilen anspruchsvollen Texte in den frischen und live gesungen Melodien sind verständlich, unterstreichen das Geschehen sowie die jeweilige Gefühlslage.

Und die entgeht selbst dem kleinsten Zuschauer nicht. „Jetzt ist Mogli traurig“, flüstert Finja ihrer Mama zu, als die Hauptfigur melancholisch „So allein“ singt. Wie gut, dass es dagegen eine Medizin in Form gesungener Mutmacher gibt: „Lach das Leben an“ oder „So bist du“, klingt es optimistisch von der Bühne, um am Schluss mit dem erkenntnisreichen „Freunde sind da“ einen draufzusetzen.

Doch ganz besonders kommen freilich die jazzig-rockigen Eigenkompositionen an, die an Rhythmus und Esprit den Originaltiteln in nichts nachstehen. Ob „Banana-Song“ oder „Hast du Freunde, hast du Party“, die flotten Titel gehen sofort ins Gehör und laden zum Mitmachen ein. Nur schade, dass die einhergehenden Tanzszenen manchmal etwas zu kurz kommen, denn die Choreographien von Kama Frankl und Carolin Pommert machen richtig Laune.

Und zu guter Letzt überzeugen alle menschlichen und „tierischen“ Dschungelbewohner, ob einzeln oder in der Gruppe, ob stimmlich oder schauspielerisch, nichts wirkt bei den harmonisch aufeinander eingespielten Akteuren aufgesetzt oder gar bemüht. Arthur Polle als aufgewühlter Mogli, hin- und hergerissen, bleibt er im Dschungel bei seiner Wolf-Familie oder geht er zu den Menschen?

Gute Freunde sind ihm da die einfühlsame Pantherin Baghira, äußerst geschmeidig und katzenhaft von Mareike Heyen gespielt sowie Balu der Bär. Diesen verkörpert Okan Sen gemütlich wie liebevoll und entpuppt sich dabei auch als guter Zuhörer. Richtig Spaß an seiner Bösewicht-Rolle hat Nathanael Anderfuhren als hungriger und selbstbewusster Tiger Shir Khan, der von den meisten bestimmt unbemerkt sogar als Affe für Aufmerksamkeit sorgt. Sehr wandelbar zeigen sich Anne Berndt, die vorrangig als falsche Schlange „Kaa“ ihre Intrigen spinnt sowie Loraine Ziemke, die am Schluss als Menschenkind Narami auftaucht. Doch beide Darstellerinnen mischen den Dschungel auch als Affen, Geier und Wölfe auf, flinke Kostümwechsel und die Sprache der Tiere bekommen sie super hin.

Zwei Aufführungen an einem Tag

Gruppe Das Theater Liberia stammt aus Bochum. Die Gruppe führte das „Dschungelbuch“ am Samstag zwei Mal in der Stadthalle Göppingen auf.

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