Wissensimpulse Gehirnexperte: Gute Ideen gibt’s nur bei Reizarmut

Der Mediziner Volker Busch zeigte im Kreissparkassenforum die Auswirkungen von Alltagsstress auf das Gehirn auf.
Der Mediziner Volker Busch zeigte im Kreissparkassenforum die Auswirkungen von Alltagsstress auf das Gehirn auf. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 18.05.2018

Ständig unter Strom stehen und 88 mal pro Tag auf sein Smartphone starren, eine Durchschnittszahl in Deutschland, und was das mit unserem Gehirn macht – darüber referierte der Regensburger Neurologe, Psychiater und Psychoanalytiker, Privatdozent Dr. Volker Busch bei den Wissensimpulsen im Göppinger Kreissparkassenforum. Nach der Einleitung durch den Leiter des NWZ-Lesermarkts, Matthias Horst, der über 200 Zuhörer begrüßen konnte, kam der Referent sogleich auf den Punkt: „Wir haben alle ein bisschen ADHS, was früher der Zappelphilipp genannt wurde.“

In einem lockeren Vortrag, in den er die Zuhörer etwa in der Frage einbezog, was sich durch die Digitalisierung verbessert und was sich verschlechtert habe, nannte er Fakten aus wissenschaftlichen Untersuchungen und erklärte an einem Schema den Aufbau des Gehirns. Bei den Verschlechterungen durch die digitalen Medien fand sich ein drastisches Zurückgehen von Ausdauer, Konzentration, kreativem Denken in allen Industrienationen, Merkfähigkeit, kommunikativer Fähigkeit und Empathie.

Wenn das feinsinnige Zusammenspiel von zwei Systemen im Gehirn – eines meldet das Spannende, Neue und Gefährliche und das andere  korrigiert das Überschäumen durch Planung und Denken – aus dem Gleichgewicht gerate, seien seelische Gesundheit und Erfolg gefährdet. Denn dann funktioniere das korrigierende System nicht und durch die heutige Informations- und Wissensflut verhalte sich der Mensch wie jemand, der immer mehr Legosteine aufhäufe, aber nicht mehr zum Bauen komme.

Die Folge fürs Gehirn sei mangelnde Aufmerksamkeit, was man beispielsweise an der Zunahme von Fußgänger-Unfällen nachweisen könne. Bei Schülern in den USA habe eine Studie gezeigt, dass sie durchschnittlich bei 15 Minuten Hausaufgaben 9 Minuten abgelenkt und nur 6 Minuten bei der Sache seien. Eine Krankenschwester beispielsweise werde an einem Tag durchschnittlich 63 mal in ihrer Arbeit unterbrochen. Dies habe zur Folge, dass das Gehirn sich nicht mehr in der Tiefe mit etwas beschäftigen könne – 5 Sekunden Unterbrechung erhöhten die Fehlerquote in den meisten Berufen durchschnittlich um 40 Prozent – und durch ständige Dopamin-Duschen auf molekularer Ebene eine Art Sucht entstehe.

Buschs Rezept: eine einstündige Phase pro Tag einlegen, wo man sich durch nichts stören lassen solle, denn Multitasking sei schädlich, was es erfolgreich gar nicht gebe. „Verlieben Sie sich in Ihre Tiefe.“ Denn dann könne das Gehirn – bei Tiefe schwingen Nervenzellen miteinander – Aufräumarbeiten erledigen wie löschen, filtern, kategorisieren oder nachhaltig speichern. Der Mensch sei dann leistungsfähiger und gesünder. Außerdem entstünden gute Ideen nicht bei Reizüberflutung und „Reizverstopfung“, sondern bei Reizarmut. Das Gehirn werde beim Nachdenken besser.

Am Ende gab’s viel Beifall für den Referenten.

Showexperte öffnet auch Trickkiste

Showtime – Auf den Bühnen des Lebens: Die nächste Veranstaltung der Reihe Göppinger Wissensimpulse mit dem internationalen Showexperten Christian Lindemann findet am 17. September um 19.30 Uhr im Forum der Göppinger Kreissparkasse, Marktstraße 2, statt. Der Cirque-du-Soleil-Star lässt hinter die Kulissen blicken, zieht Parallelen zu den Bühnen des Lebens und öffnet seine Trickkiste.

Karten Die Einzelkarte kostet 59 Euro (Abonnenten 49 Euro).

Infos und Buchungen:
info@sprecherhaus.de,
www.sprecherhaus.de,
Kundentelefon (02561) 69565-170.

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